Schlossfestspiele Trio überrascht das Publikum

Sebastian Studnitzky, Emilíana Torrini und Claudio Puntin machten aus der diesjährigen „Song Conversation“ bei den Schlossfestspielen in Ludwigsburg eine Jam-Session und räumten bei Publikum damit ab.
Sebastian Studnitzky, Emilíana Torrini und Claudio Puntin machten aus der diesjährigen „Song Conversation“ bei den Schlossfestspielen in Ludwigsburg eine Jam-Session und räumten bei Publikum damit ab. © Foto: Sandra Bildmann
Ludwigsburg / Sandra Bildmann 19.06.2018

Seit fast zehn Jahren gehört die „Song Conversation“ zur festen Setlist der Schlossfestspiele. Es ist jenes Format, das wohl am experimentellsten aufgebaut ist, das sich am meisten klassischen Konventionen entledigt und das am sichersten ins Ungewisse führt. Mehr als grobe Vorstellungen vom Programm sind auch kaum möglich, gerade, wenn sich der Stuttgarter Jazzer Sebastian Studnitzky und der Schweizer Klarinettist Claudio Puntin mit der Isländerin Emilíana Torrini zusammentun.

Neues Terrain betreten

Auf den Musikstil der diesjährigen „Song Conversation“ hätte man wetten können – und wahrscheinlich viel verloren. Rhythmen und eingängige Pattern wie das „R g dg dung dung“ aus Torrinis Welterfolg „Jungle Drum“ suchte man vergebens. Stattdessen zeigte sich die Singer-Songwriterin mit italienischen Wurzeln als sanfte Jazzinterpretin und bewegte sich damit – wie sie dem Publikum einleitend verriet – auf ungewohntem Parkett. Spontaneität und Improvisation gehören normalerweise nicht zu ihren Aufgaben.

Nahezu alle Songs, die das Trio am Wochenende aufführte, hat Emilíana Torrini geschrieben, Studnitzky und Puntin haben sie arrangiert – und dabei mit Klangverfremdungen und elektronischen Soundeffekten nicht gespart. „Song Conversation“, das waren auch Dialog und Interaktion von „handgemachter“ Livemusik mit der Elektrotechnik.

Da konnte der Zuhörer beispielsweise auf einmal einen hartnäckig hämmernden Bass in der Magengrube spüren oder es flackerten die Synthesizer-Beats à la Dance-Club. Dann säuselte Studnitzky auf seiner Trompete oder wirbelte über die Tasten des Flügels.

Für das Publikum war es nicht zu übersehen, dass das Trio selbst großen Spaß an seinem Auftritt hatte. Ungewollter, aber von den Interpreten gerne angenommener Slapstick, impfte dem Programm zusätzliche Unterhaltung ein, zum Beispiel als Claudio Puntin im Song „Livesaver“ dem Titel entsprechend live Geräusche produzierte und diese aufnahm. In Form eines sogenannten „Alltagsgeräuscheloop“ liefen die Geräusche in dieser Aufeinanderfolge in Dauerschleife – auch das spontane Lachen von Puntin, das bei jeder Wiederkehr nicht nur das Publikum erneut zum Schmunzeln brachte. Auf dieser Kulisse improvisierte und musizierte das Trio – eine Technik, die sie in vielen Stücken wiederholten.

Aus der Komfortzone gelockt

Manchmal provozierte Studnitzky selbst überraschende Momente für seine Kollegen und lockte sie aus der Komfortzone. Auch das prägte sich akkurat in das Konzertformat der „Song Conversation“, die Kommunikation im Namen trägt.

„See the song come rising“, sang Torrini in „Birds“. Das hätte auch ein Leitgedanke für das gesamte Konzertkonzept sein können. Kein Lied schien fertig, sondern steckte stets in einer prozesshaften Entwicklung. Das aktuelle Stadium? Ungewiss.

Genauso unvorhersehbar war bei der diesjährigen „Song Conversation“, welche Soundeffekte und Geräusche Claudio Puntin mit all den technischen Geräten auf seinem „Basteltisch“ in den Raum stellen würde. Massenhaft Applaus heimste er aber auch für seine virtuose Solonummer auf der klanglich frisierten Bassklarinette in „Animal games“ ein. Ohne Zugabe kam das Trio nicht davon. Wollte es auch gar nicht und spielte noch eine zweite.

Zwei Aufführungen der „Song Conversation“

Neben ihrer inhaltlichen Ausrichtung ist die „Song Conversation“ auch in einem anderen Punkt einzigartig im Programm der Schlossfestspiele: Sie findet an zwei aufeinander folgenden Tagen statt.

Die Kooperation mit dem Stuttgarter Kunstmuseum ging dieses Jahr in die vierte Runde.

Während die Vorstellung am Samstagabend in Stuttgart ausverkauft war, waren die Reihen am Sonntag in der Ludwigsburger Karlskaserne – wohl der Fußball-WM geschuldet – deutlich lichter. sab

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