Anfang des Jahres verabschiedete der Eigenbetrieb der Barockstadt, Tourismus & Events Ludwigsburg, sein Tourismuskonzept (die BZ berichtete). Auf 300 Seiten wurde damals zusammengefasst, was nun bereits in der Umsetzung ist. Der Plan ist, weltweit für Ludwigsburg als Reiseziel zu werben, den Tourismus anzukurbeln – und das, ohne viel Geld investieren zu müssen. Über 120 Einzelmaßnahmen, aufgeteilt in zehn Handlungsfelder, haben sich Mario Kreh, Geschäftsführer von Tourismus & Events, sowie sein Stellvertreter Elmar Kunz überlegt.

Mehr Übernachtungen als 2018

In der Sitzung des Betriebsausschusses Tourismus & Events konnten die ersten Erfolge verkündet werden: 2018 wurden 324 479 Übernachtungen in Ludwigsburg gebucht. Das ist ein Plus von 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2019 waren es bis Juli bereits 190 905 Übernachtungen, was verglichen mit dem gleichen Zeitraum im Vorjahr einem Zuwachs von 3,7 Prozent entspricht.

Grund dafür sei beispielsweise das Handlungsfeld eins des Tourismuskonzepts, die Profilierung der Destinationsmarke #visitludwigsburg. Idee ist, sich die Sozialen Medien wie Facebook und vor allem Instagram, ein Onlinedienst zum Teilen von Fotos und Videos, zu Nutze zu machen. Ludwigsburgs Besucher machen von sich aus, freiwillig und vollkommen kostenlos Werbung für die Stadt und Kurbeln den Tourismus an, indem sie den Hashtag (#) benutzen.

Der „Trend-Hashtag“

Dieser wurde bislang bereits mehr als 2400-mal verwendet, berichtet Kunz in seinem Bericht. Damit sei er zum „Trend-Hashtag“ geworden, so Kunz.

Mit Sicherheit brauchte das eine oder andere Ratsmitglied beim Lesen der umfangreichen Vorlage zur Vorbereitung auf die Sitzung ein Wörterbuch – Englisch-Deutsch. Denn die modernen Ansätze des ausgeklügelten Tourismuskonzepts hat Tourismus & Events auch mit topaktuellen Anglizismen beschrieben, was bei dem einen oder anderen Ausschussmitglied noch in der Sitzung Fragezeichen über den Köpfen erscheinen ließ. Einzig der 22-jährige Max Girrbach von den Grünen schaffte es sprachlich ebenso zeitgemäß nachzufragen, ob den die Hashtags „im organischen Traffic ausgezählt“ worden seien. Klicks von Besuchern also, die über nicht bezahlte Suchergebnisse von Suchmaschinen auf eine Website kommen. Es handele sich tatsächlich um organisches Wachstum, da man nur kleine punktuelle Werbung um die 40/50 Euro geschaltet habe, nicht jedoch im Zusammenhang mit #visitludwigsburg, erklärt Kunz.

Erfolgreiches Mitmach-Event

Neben dieser strategischen Marketingmaßnahme des Hashtags habe man auch die touristische Infrastruktur aufpoliert, etwa die Aufenthaltsqualität in den Steillagen gesteigert und die Beschilderung verbessert, fährt Kunz fort. Die Umsetzung des Mitmach-Events „Ludwigsburger Steillagentage 0.1“ im Juli sei positiv angenommen worden. Man wolle sich nun mit den Winzern zusammensetzen und prüfen, was gut gelaufen und was ausbaufähig sei. Auch in diese Richtung gehe „Ludwigsburg 4.0 – Das virtuelle Erlebnis“, das auf VR-Brillen setzt, durch die die Venezianische Messe oder der barocke Weihnachtsmarkt zu jeder Jahreszeit von Touristen erlebt werden kann – zumindest virtuell durch die Brille.

Aber auch das Marketing soll optimiert werden. Tourismus & Events setze auf gezieltes Marketing, „wir wollen das Gießkannen-Prinzip weitgehend eindämmen“, sagt Kunz. Das spare nicht nur Geld im hohen fünfstelligen Bereich, sondern sei auch effektiver, so der stellvertretende Geschäftsführer. Ein Beispiel seien Pakete, die geschnürt werden können, etwa eine Kombination aus einem Konzert der Schlossfestspiele und einer Hotelbuchung. „Gezieltes B2B (Business-to-Business)-Marketing statt B2C (Business-to-Consumer)-Marketing“, nennt das Kunz. Gemeint sind Geschäftsbeziehungen zwischen zwei oder mehr Unternehmen, beispielsweise Tourismus & Events und einer Reiseveranstalter-Messe. Auch wolle man auf der Plattform „Pinterest“, die sich vorrangig auf Bilder stützt, aktiv werden, sobald die städtische Homepage „relaunched“, also überarbeitet, sei. Weitere Handlungsfelder sind beispielsweise der Ausbau Ludwigsburgs als Kongress-Standort oder als „MICE (Meetings Incentives Conventions Exhibitions)-Destination“, wie Kunz sagt oder auch die Optimierung der Gäste-Information durch einen Infoscreen (Bildschirm) vor dem MIK.

In den ersten drei Quartalen 2019 wurden von den genannten mehr als 120 Maßnahmen des Tourismuskonzepts mehr als 50 umgesetzt und 45 initiiert, fasst Kunz zusammen.