Eine Stadt isst! Ludwigsburger Esskultur“ – in der neuen Ausstellung im Ludwigsburg Museum in der Eberhardstraße geht es um die Ludwigsburger Esskultur im Lauf der Jahrhunderte. Natürlich ist Essen weit mehr als nur Nahrungsaufnahme: Tischsitten, Tischgespräche, Kaufladen, Fast-Food und Slow-Food, Fastenbrechen, das alles sind Themen der Ausstellung, die bis 22. September in den Räumen des Ludwigsburg Museums zu sehen ist.

Die Stellwände sind gefliest, ähnlich einem Fliesenspiegel in der Küche. Jana Hess und Margit Röder, die die Ausstellung „Eine Stadt isst – Ludwigsburger Esskultur“ konzipiert haben, stellen das breit gefächerte Thema Essen in verschiedene Kontexte. Sie betrachten den sinnlichen Genuss beim Essen genauso wie Produktneuheiten, die einen Meilenstein in der Kulturgeschichte des Essens bedeuteten. Sie befassen sich mit Kochzeremonien und feinem Porzellan. Im Fokus stehen 300 Jahre Essensgeschichte. „Was wir essen und wo wir essen, und vor allem mit wem wir essen, sagt viel über uns aus“, bringt es Hess auf den Punkt.

Mehr als Nahrungsaufnahme

„Mit unseren Mahlzeiten verbinden wir weit mehr als nur Nahrungsaufnahme. Essen verbinden wir mit Genuss, sozialer Zugehörigkeit und kultureller Identifikation. Essen erzählt Geschichte“, sagt Hess. Eine Bilderserie des Fotografen Reiner Pfisterer zeigt Essen in Gesellschaft und im Alltag. Gezeigt wird etwa ein gedeckter Tisch nach dem Essen mit Rotweinflecken auf dem Tischtuch und benutztem Besteck oder Kinderhände wie sie in der Kita gerade ihr Vesperbrot auspacken. Pfisterer zeigt Essensproben in Plastikbechern, die zum Beispiel im Altenheim zu Kontrollzwecken beim Kochen entnommen werden.

Besondere Ausstellungsstücke, die zum Teil noch nie öffentlich gezeigt wurden, stehen als historische Zeugnisse für die geschmackliche Vielfalt auch in vergangenen Jahrhunderten. Da sind zum Beispiel die Jagdbüchse von Herzog Eberhard und eine Kasse des ersten McDrives Europas. Zu sehen sind Hartschaumverpackungen, die die Fast-Food-Kette längst wieder aus dem Verkehr gezogen hat oder Alexander Gerts schwäbische Astronautennahrung. Aber auch ein alter Kaufmannskittel, fein säuberlich auf einen Bügel gehängt nebst Kappe. Er gehörte einst dem Urgroßvater Eberhard Simons, ein Ludwigsburger Bio-Lebensmittelhändlers, des „Leuchtkäfer“. Die Besucher können sich an den Rezeptblättern bedienen, die bei den einzelnen Exponaten liegen und die Genussgeschichten mit eigenen Beiträgen in der Ausstellung fortschreiben.

Roter Faden zieht sich durch

Ein roter Faden zieht sich durch die Jahrhunderte der Essensgeschichte: Essen verbindet und vermittelt immer wieder neue Erkenntnisse. In den Kabinetten werden auch Beispiele aus der Region wie Salzpastillen aus Ludwigsburg oder Thomy-Mayonnaise gezeigt. Die Kuratorinnen spielen mit Kontrasten und zeigen Modeströmungen auf. Zum Beispiel wird die Vorliebe für amerikanische Nahrungsmittel in der Wirtschaftswunderzeit betrachtet. Mediterrane Lieblingsgerichte wie Pasta erobern Süddeutschland. Die Ausstellung stellt Begriffe wie kreativ und einfallslos einander gegenüber: Beim Küchenkauf wird immer mehr Geld ausgegeben. Die umfangreich ausgestattete Kochinsel ist Bühne repräsentativer Events und Treffpunkt für Freunde und Familie. Aber im Alltag kommt aber eher der Mikrowellenherd zum Zug, der Fertiggerichte erwärmt.

www.ludwigsburgmuseum.ludwigsburg.de

Rahmenprogramm zur Ausstellung


Ein buntes Rahmenprogramm lädt ein: Besondere „Gastrosophieabende“ geben Einblick in fremde und einheimische Genusswelten. Thematisch geht es um Wein, Honig und Zitrusfrüchte. Die Vortragsreihe der Stadtgeschichten erlaubt den Blick hinter die Kulissen der Eisproduktion bei Eis Olivier. Interessant sein, dürfte auch der Blick in die digitale Küche im Speisewerk des Urbanharbor. Wer selbst aktiv werden will, stattet dem offenen Atelier einen Besuch ab. Hier stellen die Besucher natürliche Körperpflegeprodukte aus Kaffeesatz oder Brennnessel her. Wer möchte, kann Kochutensilien aus Holz mit Beize neues Leben einhauchen. Infos gibt’s online. suy