Kreis Ludwigsburg Technik ja, Robotik noch nicht

Der humanoide Roboter „Pepper“ soll bei Demenzkranken eingesetzt werden. Er spielt Memory, tanzt und erinnert an Termine.
Der humanoide Roboter „Pepper“ soll bei Demenzkranken eingesetzt werden. Er spielt Memory, tanzt und erinnert an Termine. © Foto: epd
Kreis Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber 07.08.2018

In China werden bereits Roboter in der Pflege eingesetzt. Kann Robotik auch in Deutschland die Pflegekräfte entlasten? Technische Hilfsmittel in der Pflege werden immer häufiger genutzt, etwa die Roboter-Robbe „Paro“, die bei Demenzpatienten eingesetzt wird. Vor Kurzem wurde bei einer Fachtagung an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg von Forschungsprojekten berichtet, die sogenannte robotische Assistenzsysteme entwickeln, die weit mehr können als „Paro“.

Der humanoide Roboter „Pepper“ wird seit einem Jahr von Forschungsteams der Uni Siegen sowie der Fachhochschule Kiel in Pflegeheimen getestet. Er reagiert auf Mimik und Gestik seines Gegenübers und soll im Umgang mit Demenzpatienten eingesetzt werden. Er wurde beim Fachtag vorgeführt. Diana Kiemel, wissenschaftliche Mitarbeiterin der FH Ludwigsburg, stellte ein anderes Robotik-Projekt vor, das Bundesforschungsprogramm „Robina“, an dem sie beteiligt ist. Das „Robotische Assistenzsystem bei Amyotropher Lateralsklerose“ ist ein Roboterarm, der ALS-Patienten mit motorischen Einschränkungen bei täglichen Aufgaben helfen kann, erklärt Kiemel. Etwa das Reichen eines Glases, das Verscheuchen einer Fliege oder das Kratzen am Ohr. Die Steuerung ist an die fortschreitende Krankheit angepasst. Anfangs kann der Arm durch Sprache oder Gesten gelenkt werden, später ist eine Augensteuerung möglich. Das Projekt wird noch bis 2020 getestet, ist also aktuell noch nicht auf dem Markt.

Einfache Technik im Kreis

Die Diakonie- und Sozialstation Ludwigsburg berichtet bislang nur vom Einsatz einfacher technischer Geräte, wie Liftern. „Roboter kann ich mir in der Pflege von Senioren nicht vorstellen. Sie brauchen den persönlichen Kontakt“, sagt ein Sprecher aus der ambulanten Versorgung auf Anfrage der BZ. Es könne aber vielleicht in Zukunft ein Thema werden, ergänzt er.

So sieht es auch das Sanitätshaus Gross in Ludwigsburg. Werner Zwedler aus dem Orthopädie- und Rehazentrum verneint bisherige Anfragen nach Robotern aus dem Kreis Ludwigsburg. Allerdings sagt er auch: „Rollstühle, die mit den Augen gesteuert werden können, sind mittlerweile ausgereift.“ Die Nachfrage werde bald und rasch ansteigen. „Elektronik zieht im Bereich Pflege“, so der Spezialist. „Bislang habe ich allerdings noch keinen solchen Rollstuhl im Kreis vermittelt“, sagt er. Ab September bekomme das Sanitätshaus Elektro-Rollatoren, durch die Randsteine oder auch steile Berge nicht mehr so problematisch seien. Zudem sei eine Ortung durch eine integrierte SIM-Karte möglich. Ob das nicht die Privatsphäre verletze? Die Karte müsse zur Nutzung aktiv freigeschalten werden, sagt Zwedler. In dieselbe Richtung gehen auch Demenzuhren und Sturzmatten, die bereits in Altenheimen im Kreis eingesetzt werden. „Das ist natürlich eine Budgetfrage“, sagt Zwedler.

Im Haus an der Metter in Bietigheim-Bissingen wurden besagte Sturzmatten im Zuge des kürzlich abgeschlossenen Umbaus (die BZ berichtete) eingebaut, berichtet die Pressesprecherin der Evangelischen Heimstiftung Stuttgart (EHS), Dr. Alexandra Heizereder. Sturzsensoren erkennen, wenn etwas, das vom Gewicht her einem Menschen entspricht, gefallen ist und liegen bleibt. Die Sensoren alarmieren automatisch die Notrufzentrale. Im Betreuten Wohnen des Bietigheimer Pflegeheims werden auch andere technische Hilfsmittel genutzt: „Man bekommt beim Einzug ins Haus an der Metter ein Tablet, auf dem verschiedene Assistenzsysteme sind, die je nach Bedarf ein- oder abgeschalten werden können“, sagt Heizereder. Auf dem Tablet sind alltagsunterstützende Assistenzsysteme mit Dienstleistungen („Aladien“) gespeichert. Es ist möglich die automatische Herd­abschaltung einzuschalten, um Brände zu verhindern. Auch kann der Bewohner über das Tablet sehen, wer vor der Tür steht, Stichwort Trickbetrüger. „Wir bauen ‚Aladien‘ in alle neuen Altenheime, also den Bereich des Betreuten Wohnens, ein“, sagt die Pressesprecherin. Auf der Homepage der EHS wird versprochen: „Sie selbst müssen von Technik keine Ahnung haben.“ Ob das so ist, wird der Alltag im Bereich Betreutes Wohnen im Pflegeheim zeigen. Die Heimleitung war bislang nicht zu erreichen.

Zum Thema Monitoring und Datenschutz sagt die Pressesprecherin: „Es ist immer die freie Entscheidung, ob man einzelne Funktionen möchte oder nicht. Darüber hinaus haben wir die Sicherheitsstufe einer Bank.“ Die Evangelische Heimstiftung habe ein eigenes Referat für Ethik. Heizereder ist sich sicher, dass der Einsatz von Technik in der Pflege zunehmen werde, denn die heutige Generation wachse mit Technik auf. „Es wird normal sein, technische Unterstützung zu haben“, ergänzt sie. „Pfleger ist ein körperlich anspruchsvoller Beruf. Es wird geprüft werden, was eingesetzt werden kann, um die Pflegenden zu entlasten, aber auch, was unter der Berücksichtigung ethischer Aspekte in Ordnung ist.“

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