22 starke Ausdruckstänzer machten die keltische Legende von „Tristan & Isolde“ mit einer Choreografie von Noelle Bouvier in einer bildhaften Körpersprache erlebbar. Am Donnerstagabend gastierte die Ballett-Truppe des „Grand Théâtre de Genève“ im Ludwigsburger Forum am Schlosspark.

Mit Madeline Wong als Isolde und Geoffrey van Dyck als Tristan gelang es dem Genfer Ballettt, das Innenleben der Liebenden nach außen zu kehren. Die Botschaft der Tanzfassung des Stoffes ist das Verzeihenkönnen, wie Prinzessin Isolde es bei ihrem Geliebten Tristan und dem König des britischen Königreichs Cornwall tut, nachdem sie sich den Liebestrunk aus Versehen mit Tristan einverleibt, anstatt mit König Marke, dem sie aus politischen Gründen versprochen war.

So hoch der künstlerische Anspruch der 2016 von der französischen Kritikervereinigung als beste Tanzproduktion ausgezeichneten Ballettaufführung war, so einfach, wenn nicht gar puristisch, war ihre Kulisse. Das mittelalterliche Liebesdrama und die Schlacht, bei der sich Tristan tödlich verletzt, spielen sich auf einem drehbaren Gerüst mit Wendeltreppe, auf und an Holzlatten, an einem Schwingseil und auf dem Bühnenboden ab.

Kämpfe und Liebesszenen

Die Kompagnie arbeitet nicht nur mit den Räumen, sondern auch mit den Tempi. Bei Kämpfen oder Liebeszenen zwischen Tristan und Isolde werden schnelle Umzingelungen in Paarfiguren getanzt, während der Rest der Handlung eher von der Langsamkeit lebt, die wie in Zeitlupe wirkt. Wallende Tücher sind das Sinnbild für das Meer, über welches der verletzte Tristan in einem wehenden roten Gewand getrieben wird. Wie hingegossen auf eine der Holzlatten wirkt Tristan wie Jesus am Kreuze und verleiht der Choreografie damit ein religiöses Motiv.

„Grüß mir die Welt“: Was Isolde zum Abschied rief, als sie von Tristan übers Meer zu König Marke gebracht wurde, mündet in eine ausgedehnte Sterbeszene, in der Tristan seiner Verletzung erliegt und Isolde ihrer Liebe zu ihm. Als wäre sie schon ein Stück weit der Welt enthoben, hing sie auch im Schwingseil, auf das Tristan aufsprang, um mit ihr das Seelenleben zweier sich verzweifelt Liebender zu tanzen. Das Publikum konnte gar nicht mehr aufhören, Beifall zu klatschen und „Bravo“ zu rufen.