Gericht Streitobjekt: Ein Becher Joghurt

Ludwigsburg/Kornwestheim / Heike Rommel 08.11.2018

Das  Strafverfahren wegen versuchter Erpressung eines Supermarkt-Chefs aus Kornwestheim gegenüber einer vermeintlichen Joghurt-Diebin wurde eingestellt. Nachdem sein Ladendetektiv die Kundin wegen eines Joghurt-Bechers ins Büro beorderte, wollte der Ladenbesitzer die 62-jährige Frau mit 100 Euro Fangprämie erpressen. Den Joghurt-Becher hatte sie in der unteren Ablage des Kinderwagens ihres Enkels verstaut und nicht zum Abkassieren auf das Laufband gelegt. Den Wert des reduzierten und 1,19 Euro teuren Joghurts wollte die 62-Jährige, nachdem er entdeckt wurde, nachbezahlen. Sie habe ihn übersehen, war ihre Erläuterung.

Die Kundin konnte sich schließlich im Büro nicht ausweisen, daher wurde ihr Schwiegersohn, ein Rechtsanwalt, gebeten, diesen zu bringen. Er sorgte dafür, dass der Chef des Kornwestheimer Supermarktes ein Verfahren wegen versuchter Erpressung bekommt. Er selbst kam wegen Begünstigung dran.  Beide Verfahren wurden nun eingestellt.

Lage spitzt sich zu

Der Supermarkt-Chef erklärte in der Verhandlung, sein Detektiv hätte gesehen, wie die Frau einen Becher Joghurt unten in den Kinderwagen gestellt und eine Stofftasche darüber gelegt hatte. Der Videobeweis sprach jedoch gegen diese Aussage. „Sie war überhaupt nicht kooperativ“, berichtete der Markt-Chef über die Oma, welche den Diebstahl abgestritten hätte. Er habe ihr angeboten, 100 Euro Vertragsstrafe zu zahlen, damit sei für ihn die Sache erledigt.

Mit dem Auftreten des Schwiegersohns spitzte sich die Lage allerdings zu. Der Supermarkt-Chef sagte über ihn: „Der kam rein und brüllte rum, ich bin Anwalt“. Das, so der Markt-Chef weiter, hätte dem Mann zunächst keiner geglaubt, denn dieser hätte ausgesehen „wie ein Penner“. Der Mann sei aggressiv gewesen und er hätte gedacht, dieser fange gleich an, „rümzuprügeln“.

Der Ladendetektiv ergänzte in seiner Zeugenaussage: Es habe sich um einen großen Mann gehandelt. Dieser hätte den Ausweis der vermeintlichen Diebin dabei gehabt und gesagt, sie dürfe jetzt gehen. Da habe sein Chef gemeint, „hier geht niemand raus, sonst hole ich die Polizei“. Als diese dann kam, war die Oma bereits weg.

Einer der Beamten berichtete, der Anwalt hätte „ganz jovial“ auf dem Sessel des Büros gelegen und „ein bisschen abgerissen“ ausgesehen, der Name sei ihm jedoch bekannt gewesen. Die „völlig unübliche Handlungsweise“, dass der Anwalt die Frau heimschickte, habe ihn doch „etwas verdutzt“.

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