Wenn es um verkaufsoffene Sonntage geht, ist Verdi nicht weit. Das haben auch die Stadt Ludwigsburg und der Verein Ludwigsburger Innenstadt (Luis) bereits mehrfach schmerzlich erfahren. „Leben und leben lassen“ ist eigentlich die Devise von Carsten Gieck, Luis-Vorstand, deswegen habe der Verein und dessen Beirat beschlossen, einen für den 14. Juli vorgesehenen Verkaufssonntag abzusagen. Es sei zum einen eine Reaktion auf eine bereits laufende Klage Verdis sowie weitere angedrohte Klagen, und zum anderen wolle Luis damit ihre Bereitschaft zur Einigung signalisieren.

Entscheidung am 20. März

Am 20. März entscheidet der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim, ob die vergangenen Shoppingsonntage im Tammerfeld, mit Breuningerland und Ikea, zulässig sind oder nicht. Bereits 2017 wollte Verdi die dortigen Verkaufssonntage am 2. April und 15. Oktober 2017 stoppen, doch das Gericht entschied sich gegen eine Eilentscheidung und setzte den Termin für dieses Jahr an. Ebenfalls negativ aufgestoßen war bei Verdi die Entscheidung des Ludwigsburger Gemeinderats im November des vergangenen Jahres. Einstimmig beschloss das Gremium fünf Verkaufssonntage, inklusive den beiden im Tammerfeld und einem ganz neuen anlässlich des Filmfestivals. „Profitinteressen sind kein Maßstab für eine Sonntagsöffnung“, schreibt Cuno Brune-Hägele, Verdi-Geschäftsführer Bezirk Stuttgart, in seiner Stellungnahme zur Gemeinderatssitzung zu den Tammerfeld-Sonntagen. Die Begründung der Stadt, diese mit der Oldtimer-Sternfahrt zu verknüpfen, empfand die Gewerkschaft nicht als ausreichend. „Dabei handelt es sich um eine Alibiveranstaltung“, sagt Brune-Hägele.

Auch „NaturVision“ erfülle in keiner Weise die Voraussetzungen, um dafür Läden am Sonntag zu öffnen. Denn verkaufsoffene Sonntage sind nur dann zulässig, wenn nicht der Verkauf, sondern die Veranstaltung drum herum im Vordergrund steht. Um Verdi zu besänftigen, haben Luis und dessen Beirat beschlossen, den Verkaufssonntag zum Filmfestival abzusagen, erklärt Carsten Gieck. Doch auf das Märzklopfen und das Kastanienfest wollen sie nicht verzichten. „Diese sind Publikumsmagneten“, sagt Gieck, „wir brauchen die Sonntage dringend, um die Stadt zu präsentieren und sie zu stärken.“ Dabei sei nicht allein die Rede vom Einzelhandel. Der Luis-Vorstand sieht Shoppingsonntag als starke Image-Veranstaltungen. Die Stadt bestätigt seine Einschätzung: „Retrospektiv betrachtet, haben die Sonntagsveranstaltungen in der Vergangenheit jeweils mehrere zehntausend Besucher in die Ludwigsburger Innenstadt gelockt.“

Rein kommerziell

Auch versteht Carsten Gieck Verdis Haltung nicht, wenn es um die Arbeitnehmer geht. Er hat 17 Läden an 7 Standorten, und „alle meine Mitarbeiter wollen an verkaufsoffenen Sonntagen arbeiten. Die schlagen sich fast um diesen Dienst“, sagt er überspitzt. Deswegen hoffe er, dass Verdi einlenkt und umdenkt. Zuletzt drohte Verdi jedoch mit weiteren Klagen, nicht nur gegen Ludwigsburg, sondern auch gegen Bietigheim-Bissingen und Kornwestheim. In Ludwigsburg beschreibt Verdi alle Verkaufssonntage als rein kommerzielle Veranstaltung. „Das ist nicht so“, entgegnet Carsten Gieck. Diese Veranstaltungen seien ein Sprachrohr nach außen und Marketing für die gesamte Stadt, wodurch alle profitieren, so der Vorstand.

Doch nicht nur Verdi hat etwas gegen die Ladenöffnung am Sonntag. Auch die Kirche muss von den Kommunen über jeden Verkaufssonntag informiert werden. Alois Krist, katholischer Pfarrer in Ludwigsburg, schreibt: „Ich persönlich lehne verkaufsoffene Sonntage ab, weil sie unnötig sind und der Sonntag als Ruhetag ausgehöhlt wird. Familien werden zerrissen, weil Eltern unnötig arbeiten müssen.“ Allerdings erklärt er auch, dass er die Entscheidung der Stadt mittrage, weil ihm die Beziehung zur Stadt wichtig sei. Winfried Speck vom evangelischen Dekanatamt beschreibt den arbeitsfreien Sonntag als hohes Gut des christlichen Glaubens, „das wir gerade auch um unseres Menschenseins und unserer Gemeinschaft willen nicht verlieren dürfen“.

Wird Verdis Klage am 20. März stattgegeben, könnte dies weitere Klagen nach sich ziehen.