Verhandlung Statt Partyzug vor Gericht

Ludwigsburg / Heike Rommel 30.11.2018

Zwei 25-jährige Angeklagte aus Ludwigsburg und Pfedelbach (Hohenlohe) hatten „zunächst einen wahnsinnig lustigen, schönen Abend“ und am 4. Februar dieses Jahres gegen 3.40 Uhr noch keine Lust, nach Hause zu gehen. Am Bahnhof hörten sie Musik aus einem Partyzug und wollten diesen Zug unbedingt noch erreichen. „Seid ihr behindert, über die Gleise zu gehen?“ Nach diesem Ruf marschierte ein 23-jähriger Markgröninger schmissigen Schrittes auf die Angeklagten zu und baute sich direkt vor dem Ludwigsburger auf. Das war noch auf dem Bahnsteig oberhalb der Gleise. Der Ludwigsburger schubste den Markgröninger weg, worauf letzterer mit dem Bein ausholte und los trat. Das war auf einem Video der Bahn zu sehen.

Streiterei eskaliert

Was dann gekommen sein soll, sah die Stuttgarter Staatsanwaltschaft so: Der Ludwigsburger habe dem Markröninger mit den Fäusten gegen den Oberkörper und ins Gesicht geschlagen, worauf der Markgröninger zu Boden gegangen sei. Der Pfedelbacher habe den Markröninger am Boden festgehalten, damit der Ludwigsburger weiter habe treten können, bis das Opfer ins Gleisbett gestürzt sei. Der Markgröninger trat vor Gericht als Nebenkläger auf. Er forderte 3000 Euro Schmerzensgeld dafür, dass er sich die Mittelhand gebrochen und die Brustwirbelsäule sowie das Knie geprellt hat. Außerdem legte der Kurierfahrer eine Bescheinigung darüber vor, dass er fast vier Monate lang arbeitsunfähig war. Der Ludwigsburger sagte zu den Tatvorwürfen, der Markgröninger habe angefangen. Er selber habe sich nur verteidigt und sein Freund habe die beiden auseinanderbringen wollen. Der Pfedelbacher setzte einen Notruf ab. Unterwegs waren in dieser Nacht noch einige Laute, aber keiner der Augenzeugen erwies sich als ergiebig. Der Markröninger war mit drei anderen Leuten aus einem Club in der Innenstadt gekommen und alle Beteiligten waren alkoholisiert.

„Sie sind zwar nicht unschuldig, haben aber beide keine Vorstrafen und Sie sind in eine blöde Situation geraten“, schlug Strafrichterin Verena Sennwitz die Einstellung der Strafverfahren gegen Geldauflagen vor. Die Angeklagten, ihre Verteidiger und die Staatsanwaltschaft akzeptieren. Somit bezahlt der Ludwigsburger 1500 Euro Schadenswiedergutmachung an den Markgröninger und der Pfedelbacher 1000 Euro.

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