Carsharing Stadtmobil will in Region wachsen

Übergabe eines Fahrzeugschlüssels beim Carsharing-Anbieter Stadtmobil. Der Autoteiler will bei einer Kundenkonferenz in Ludwigsburg über die Angebotsausweitung in der Region sprechen.
Übergabe eines Fahrzeugschlüssels beim Carsharing-Anbieter Stadtmobil. Der Autoteiler will bei einer Kundenkonferenz in Ludwigsburg über die Angebotsausweitung in der Region sprechen. © Foto: Stadtmobil
Ludwigsburg / ANDREAS LUKESCH 10.03.2015
Der Carsharing-Anbieter Stadtmobil Stuttgart will in Ludwigsburg wachsen und lädt zur Kundenkonferenz. Die automobilen Teilangebote finden insgesamt immer mehr Nutzer. Es gibt aber auch kritische Stimmen.

Wer auf ein eigenes Auto verzichten, aber dennoch automobil unterwegs sein will, der kann Fahrzeuge mit anderen teilen. Carsharing-Angebote gibt es mittlerweile in fast jeder Stadt. Die Branche wächst, wenn auch je nach Geschäftsmodell ganz unterschiedlich. Zwei Carsharing-Modelle gibt es. Das sogenannte "Free-Floating-Prinzip", wie etwa "Car2Go", zielt auf schnelle Verfügbarkeit ab. Die Wagen werden im gesamten Stadtgebiet genutzt und abgestellt. Stationsbasierte Modelle, wie sie von Stadtmobil angeboten werden, zielen zum Teil auf einen anderen Kundenkreis. Sie arbeiten mit fest eingerichteten Stationen, an denen Kunden die Fahrzeuge abholen und wieder abstellen.

Stadtmobil betreibt nach eigenen Angaben mittlerweile 208 Stationen in 31 Städten der Region. 465 der roten Autos sind inzwischen in und um Stuttgart unterwegs - und es sollen bis zu 800 werden. So jedenfalls die Zielmarke von Ulrich Stähle, Vorstand der Stadtmobil Carsharing AG.

Die Wachstumsvorstellungen bei den Anbietern sind mitunter ehrgeizig, auch angesichts einer Studie von TÜV Rheinland und der Beratungsgesellschaft BBE Automotive, die Anfang des Jahres veröffentlicht wurde. Die Studie geht von bundesweit einer Million regelmäßigen Nutzern von Carsharing-Angeboten aus. Das sind gerade einmal 1,7 Prozent der Führerscheininhaber (die Anbieter selbst sprechen von vier Millionen Menschen, die in den vergangenen zwei Jahren ein Carsharing-Angebot genutzt haben). Unabhängig davon wächst die Zahl der zugelassenen Autos, vor allem auch im Autobauerland Baden-Württemberg. In Stuttgart kommen gerade einmal 1,38 Carsharing-Autos auf 1000 Einwohner - und das ist im bundesweiten Vergleich noch viel. Das eigene Auto ist nach wie vor Nummer 1 in den Mobilitätsvorstellungen - laut Studie übrigens auch bei Jugendlichen, die längst nicht nur auf Smartphones als Prestigeobjekte aus seien. Selbst bei einer Verdoppelung oder gar Verdreifachung der Nutzerzahlen bis 2020 bliebe Carsharing ein Nischengeschäft, so die Schlussfolgerung der Studie. Dies vor allem auch deshalb, weil Carsharing auf dem Land nicht funktioniere.

Stadtmobil-Sprecher Edgar Augel sieht sich durch die Erhebung nicht widerlegt. Auch Stadtmobil setze auf moderates Wachstum, anders als die "Free-Floating"-Anbieter. "Wir wollen den Markt nicht überrollen, sondern fester Bestandteil einer vernetzten und nachhaltigen Mobilität sein", so Augel. Ausdruck dieser realistischen Markteinschätzung ist ein angestrebter Fahrzeugzuwachs von rund 15 Prozent im Jahr. Für Ludwigsburg zum Beispiel bedeutet dies: "Etwa drei bis vier Autos mehr pro Jahr, so dass wir insgesamt auf 40 bis 50 Fahrzeuge am Standort kommen", rechnet Augel. Auf dem Land funktioniert der Kontakt zum Carsharing über ehrenamtliche Mitglieder des Stadtmobil-Vereins.

Gegen große Zuwächse vor allem beim schnell verfügbaren Leihauto in den Großstädten spricht auch eine Erhebung vom vergangenen Jahr, der der Carsharing-Idee zumindest ein erklärtes Ziel abspricht: Carsharing führe nicht zu einer Verkehrsentlastung in Ballungsräumen - im Gegenteil. Zu diesem Ergebnis kommen die Gutachter von "Civity", einem Beratungsunternehmen für öffentliche Dienstleistungen. Danach werden in erster Linie "Free-Floating"-Angebote für Kurzstrecken in der Stadt genutzt, die auch ohne Auto zurückgelegt werden könnten. Mit anderen Worten: Es sind die Bus- und U-Bahnnutzer, die aufs geteilte Auto umsteigen. Und das bedeutet in der Konsequenz: Mit Carsharing stehen hunderte Autos zusätzlich in der Stadt herum, die es vorher nicht gab. Und das ziemlich lange, denn nach Angaben der Studie parken Carsharing-Fahrzeuge bis zu 23 Stunden am Fahrbahnrand.

Mit den Kundenkonferenzen will Stadtmobil nach Angaben Augels auch zeigen, dass das Konzept des stationsbasierten Carsharings anders funktioniert. In Ludwigsburg soll es am 12. März um 19 Uhr im Film- und Medienzentrum vor allem darum gehen, die Wünsche und Vorstellungen von Stadtmobil-Kunden in die Expansions-Planungen mit einzubeziehen. Stadtmobil gehe es nicht allein um die quantitative Erweiterung, sondern auch um Themen wie neue Fahrzeugmodelle, Serviceangebote und Standorte, die mit den Besuchern diskutiert würden. Bei der Kundenkonferenz in Ludwigsburg soll zudem auch über die Entwicklung des Carsharing-Angebots in Asperg, Bietigheim-Bissingen, Kornwestheim und Marbach gesprochen werden.

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