Ludwigsburg Stadt will historisch bedeutendes Quartier an der Schlossstraße aufwerten

Sollen saniert werden: die Gebäude in der Schlossstraße 27 (links), Schlossstraße 29 (Mitte, der sogenannte "Grafenbau") und Schlossstraße 31 (rechts, der sogenannte "Gesandtenbau") in Ludwigsburg. Das Gebäudeensemble gegenüber dem Schloss stammt aus den Anfangszeiten der Stadt.
Sollen saniert werden: die Gebäude in der Schlossstraße 27 (links), Schlossstraße 29 (Mitte, der sogenannte "Grafenbau") und Schlossstraße 31 (rechts, der sogenannte "Gesandtenbau") in Ludwigsburg. Das Gebäudeensemble gegenüber dem Schloss stammt aus den Anfangszeiten der Stadt. © Foto: Martin Kalb
Ludwigsburg / UWE MOLLENKOPF 25.02.2016
Mit dem Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan "Höfe am Kaffeeberg" hat der Ludwigsburger Gemeinderat am Mittwoch den Weg frei gemacht für den Erhalt und die Sanierung eines Stücks des historischen Ludwigsburgs.

Das Gebäudeensemble Schlossstraße 27 bis 31 gegenüber dem Residenzschloss gehört zu den ältesten Teilen der Barockstadt. Bis 2004 teilweise als Standort der Polizei genutzt, wurde das ganze Quartier, das sich nach hinten bis zum Schmiedgässle erstreckt, 2013 von der Wohnungsbau Ludwigsburg erworben und an eine Projektgesellschaft der Immovation-Unternehmensgruppe aus Kassel weiterveräußert. Während die Gebäude zur Schlossseite hin - Grafenbau, Gesandtenbau und Kaffeehaus - aufgrund ihrer historischen Bedeutung ganz oder weitgehend erhalten bleiben müssen, darf im rückwärtigen Bereich neu gebaut werden.

Ein erster Entwurf war im Juni letzten Jahres im Gestaltungsbeirat der Stadt Ludwigsburg allerdings auf starke Kritik gestoßen. Der Vorwurf: Die beauftragten Architekten hätten zu wenig Rücksicht auf die historische und städtebauliche Bedeutung des Quartiers genommen. Man hätte eine fünf- bis sechsgeschossige Bebauung bekommen, die die vorderen Gebäude überragt hätte, sagte Stadtplaner Martin Kurt am Mittwoch im Gemeinderat.

Doch danach habe ein Umdenkungsprozess beim Investor eingesetzt, und die Pläne seien nachgebessert worden. Daher könne er nun den Einstieg ins Bebauungsplanverfahren empfehlen. Im Gemeinderat sah man das genauso, und die Räte stimmten einhellig zu.

Zu den wichtigsten baulichen Maßnahmen gehören die Umnutzung und Restaurierung der historischen Gebäude des Grafen- und Gesandtenbaus sowie der Umbau des ehemaligen Kaffeehauses in der Schlossstraße 27 nach dem Siegerentwurf eines Ideen- und Realisierungswettbewerbs. Im Gemeinderat wurde gefordert, dass dies als Erstes geschehen solle.

Wie es in der Vorlage heißt, soll im rückwärtigen Bereich ein System aus lärmgeschützten Höfen entstehen, die für Bewohner, Mitarbeiter und Besucher als Aufenthalts- und Begegnungsorte genutzt werden können.

Die städtebauliche Dichte, Höhe und Stellung der neuen Gebäude sollen sich - unter Berücksichtigung der Topografie - in die Umgebungsbebauung einfügen und einen Beitrag zur Verbesserung des historischen Stadtbilds leisten.

Das Nutzungskonzept sieht in den sanierten Bauten entlang der Schlossstraße gewerbliche Nutzungen (Büroflächen) vor. Die Bauten im Blockinnenbereich und entlang des Schmiedgässles sollen für Wohnungen genutzt werden.

Als Nächstes geht es nun an die Erarbeitung eines Planentwurfs. Wie Stadtplanungschef Kurt betonte, hat es der Investor dabei selbst in der Hand, ob er eine schnelle Baugenehmigung erhalte. Vorgesehen ist, dass das Bebauungsplanverfahren Anfang 2017 abgeschlossen sein soll.

Vorne Erhaltung, hinten Abriss: Das Quartier im Überblick

Gebäude Schlossstraße 27 Beim Eckgebäude Schlossstraße 27 handelt es sich um ein 1713 errichtetes Wohnhaus, dessen Architekt der Ingenieurhauptmann Johann Friedrich Nette war. Um 1720 befand sich hier das erste Kaffeehaus in Ludwigsburg. 2008 wurde das ehemals denkmalgeschützte Gebäude mangels historischer Innenausstattung aus der Liste der Kulturdenkmale gestrichen. Es gilt aber als besonders erhaltenswert und unterliegt der Erhaltungssatzung "Historische Innenstadt Ludwigsburg".

"Grafenbau", Schlossstraße 29 Das fünfachsige barocke Palais, "Grafenbau" genannt, wurde 1724/25 nach dem Entwurf des herzoglichen Baumeisters Donato Guiseppe Frisoni als Amtssitz des Premierministers Carl Friedrich Wilhelmvon Grävenitz erbaut. Es gilt als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung gemäß Denkmalschutzgesetz.

"Gesandtenbau", Schlossstraße 31 Beim so genannten "Gesandtenbau" handelt es sich ebenfalls um ein Kulturdenkmal. 1718/19 errichtete Obervogt Gottlob Friedemann von Pöllnitz den zweigeschossigen breiten Putzbau mit Walmdach. 1721 wurde das Haus Wohnsitz des Oberhofmarschalls Friedrich Wilhelm von Grävenitz. Später wurde hier die erste öffentliche Bibliothek des Landes eingerichtet. Ab 1933 bis in die Gegenwart wurde es von der Polizei genutzt.

Die Gebäude Schlossstraße 31/1 (rückwärtiger Flügel des Gesandtenbaus) und Schmiedgässle 5 sind aus der Liste der Kulturdenkmale gestrichen worden und dürfen abgerissen werden.

 

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