Das ist ein historischer Moment“, sagt Volker Kugel im Gespräch mit der BZ. Am Mittwochmorgen um Punkt 9 Uhr schloss der Direktor des Blühenden Barocks das große Tor auf und ließ die ersten zehn Besucher in die Gartenanlage, die das barocke Residenzschloss in Ludwigsburg umgibt. Formlos, ohne Reden, er habe schlicht nur den Schlüssel herumgedreht, sagt Kugel.

„Historisch“ ist dabei nicht unbedingt positiv gemeint, denn: „Das hat es in den 66 Jahren, seitdem das Blüba besteht, noch nicht gegeben, dass die Saison so spät eröffnet wurde“, erklärt der Blüba-Chef.

Sechs Wochen später eröffnet

Durch die Vorsichtsmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie wurde die Saisoneröffnung, die für den 20. März angesetzt war, um gut sechs Wochen nach hinten verschoben. Das hat Konsequenzen. Rund eine Million Euro Einnahmen fehlen dadurch, nicht zuletzt durch die Pachterlöse, die ausgeblieben sind. Aber auch der Dauerkartenverkauf brach seit Bekanntwerdung des Coronavirus erheblich ein. Einen kleinen Trost gebe es aber für die Besucher: „Wir haben die Saison bis zum 6. Dezember verlängert“, sagt der Blüba-Direktor. Im vergangenen Jahr sei es im November noch so schön gewesen, dass man es versuchen wolle.

Natürlich gibt es auch Regeln, um eine Ansteckung mit Covid-19 zu vermeiden. Im Eingangsbereich muss eine Maske getragen werden und es dürfen sich insgesamt nur 2000 Besucher auf dem Blüba-Gelände aufhalten.

Die gastronomischen Angebote wurden auf die ausschließliche Mitnahme der Lebensmittel und Getränke umgebaut. „Aber unsere Gastronomen sind startklar, falls ab Samstag wieder mehr erlaubt sein sollte“, versichert Kugel. In drei Stunden wäre das Angebot wieder auf das gewohnte Ambiente umgebaut. Kugel jedoch geht nicht von einer so baldigen Lockerung im Gastro-Bereich aus.

Absichtlich habe man an einem Mittwoch gestartet. Unter der Woche klappe der Blüba-Besuch mit Sicherheit ohne langes Anstehen und ungewollte Menschenansammlungen. Mitarbeiter kontrollieren an den Drehsperren die Anzahl der eingelassenen Dauerkartenbesitzer, ebenso werde der Kartenverkauf stetig abgefragt. „Spannend wird das am Muttertag“, sagt Kugel im Hinblick auf den kommenden Sonntag, zeigt sich aber optimistisch. Das Blüba setze auf einen „behutsamen Start“, so der Direktor.

Der Märchengarten ist bislang noch geschlossen, eine mögliche Öffnung – abhängig von den Erfahrungen dieser Woche – sieht Kugel am Dienstag nächster Woche. Aber auch dann blieben einige Märchen-Attraktionen, bei denen sich Besucher zu nahe kommen könnten, geschlossen. Als Beispiel nennt der Blüba-Chef die Herzogschaukel oder auch die Märchenszene „Däumelinchen“. Ebenso verlange das Land als Grundstückseigentümer an manchen beengten Stellen Einbahnstraßen einzurichten, das sei jedoch kein Problem und gut gelöst worden, so Kugel.

Auch wenn einige Großveranstaltungen, wie das Straßenmusikfestival oder der Lichterzauber, abgesagt werden mussten, könnten sich die Besucher auf die Sand- sowie Kürbisausstellung freuen, versichert Kugel.

Familien mit Kinderwägen

Am Mittwochmittag flanieren bereits einige Familien mit Kinderwägen und spielenden Kindern im Südgarten der barocken Schlossanlage. „Wir haben uns Anfang März zum ersten Mal eine Dauerkarte geholt. Das war natürlich schade, dass wir diese dann nicht nutzen konnten“, sagt Harald Schoger, der mit seiner Frau Tanja und dem kleinen Ben nun umso freudiger das gute Wetter und den ersten Tag im Blüba genießt. „Wir haben immer wieder online geschaut, ob und wann das Blüba eröffnet“, verrät seine Frau, warum sie gleich am ersten Eröffnungstag den Weg in die Ludwigsburger Schlossanlage gefunden haben – passend auch zum Geburtstags ihres Sohnes, der am 2. Mai ein Jahr alt wurde.

Die Ludwigsburger Renate und Gerhard Brandl wiederum haben keineswegs zum ersten Mal eine Dauerkarte gekauft. „Wir sind quasi schon immer Dauerkartenbesitzer“, scherzt Gerhard Brandl. Das Paar wolle das tolle Wetter genießen sowie die schöne Bepflanzung der Gartenanlage und danach noch einen kleinen Stadtbummel machen. Schade sei nur, so das Ehepaar, dass sie nicht ihre gewohnte Flanier-Route nehmen konnten, denn die führe durch den Favoritepark, der jedoch ist noch geschlossen. „Es ist schön, mal wieder raus zu kommen“, resümiert Renate Brandl.

Dem stimmen auch Michael und Sabine Leibfarth zu. Gemütlich genießt das Paar im strahlenden Sonnenschein auf einer der vielen weißen Bänke im Südgarten ein Eis in der Waffel. Michael Leibfarth kommt ursprünglich aus Markgröningen, inzwischen wohnt das Ehepaar aber im Schwarzwald. Trotzdem fühle er sich mit Ludwigsburg und dem Blüba verbunden und komme oft und gerne zu Besuch, nicht zuletzt weil er noch Verwandte im Stadtgebiet habe. „Schade nur, dass wir die Frühlingszeit hier verpasst haben“, sagt er.

Aktuell ist der Schlossgarten nämlich in einer Übergangsphase, erklärt Volker Kugel gegenüber der BZ. Typische Frühblüher wie Stiefmütterchen oder die gut 200 000 Tulpen, die die Blüba-Gärtner gepflanzt haben, verblühen nun und werden durch Sommerblumen ersetzt. Unter anderem 4500 Rhododendren und Azaleen, schwärmt der Blüba-Chef. Aktuell seien bereits 400 Quadratmeter Sommerblumen als Willkommensgruß gepflanzt worden, nächste Woche jedoch folge die massive Bepflanzung mit den Sommergewächsen, „das bekommen die Gärtner in nur drei bis vier Tagen hin“, so Kugel und ergänzt mit einem Augenzwinkern: „Wir sind wirklich froh, dass wir nun nicht mehr einsam vor uns hin schaffen müssen.“

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