Musical Sissis erste Jahre als Kaiserin

Kaiser Franz Joseph (Fabian Klatt) zwischen den beiden wichtigsten Frauen in seinem Leben: Seine zukünftige Frau Sissi (Maria Meßner) beschenkt er mit Rosen, doch vor seiner Mutter Sophie (Adelheid Brandstetter) muss er sich stets rechtfertigen.
Kaiser Franz Joseph (Fabian Klatt) zwischen den beiden wichtigsten Frauen in seinem Leben: Seine zukünftige Frau Sissi (Maria Meßner) beschenkt er mit Rosen, doch vor seiner Mutter Sophie (Adelheid Brandstetter) muss er sich stets rechtfertigen. © Foto: Richard Dannenmann
Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber 17.02.2018

Das Leben von Elisabeth, Kaiserin von Österreich, faszinierte die Menschen nicht erst, aber besonders, seit der Verfilmung in den 1950er-Jahren. 1837 in Bayern geboren, wuchs das Mädchen als zweite Tochter des Herzogs Max Joseph in Bayern und Prinzessin Ludovika Wilhelmine eher ländlich und von Konventionen befreit auf. In den Sommermonaten residierte die Familie im Schloss Possenhofen am Starnberger See, wo die junge Sissi sich ihren Hobbys, wie Reiten und Gedichte schreiben, widmen konnte.

Und dann kam der große Einschnitt in Sissis Leben: Eigentlich nur als Begleitung ihrer Schwester Helene, genannt Nené, die zur Brautschau an den österreichischen Hof geladen war, verliebte sich der 23-jährige Kaiser Franz Joseph Herz über Kopf in die jüngere Schwester – und das dramatische Leben der Kaiserin Elisabeth beginnt.

Eine zweistündige Inszenierung

An eben dieser Stelle setzt die zweistündige Musical-Inszenierung über „Liebe, Macht und Leidenschaft“ am Donnerstagabend im Forum in Ludwigsburg, unter der Regie von Tamas Ferkay, ein. Hektisch werden die Vorbereitungen getroffen, denn die Brautschau soll beginnen. Major Krespl (Kurt Hexmann) wischt geschäftig über Möbel und tupft sich die Stirn. Humoristisch und doch mit einer authentischen militärischen Haltung und abgehackter Sprache mit scharfen Schlusskonsonanten führt der Major das Publikum durch das gesamte Musiktheater.

Als Kaiser Franz, gespielt von Fabian Klatt, vor die Wahl gestellt wird, welche der oberbayerischen Schwestern es werden soll, entscheidet er sich gegen Helena, die von der Choreografin Renata Szeretva dargestellt wird, und für die jüngere Schwester Sissi (Maria Meßner).

Klatt tritt als gutmütiger Protagonist der Geschichte auf, fast möchte man sagen als stereotyper Musical-Sänger: Sanft singt er sich durch das Musiktheater, ohne Ausbrüche nach oben oder unten. Weder zu schwächlich noch zu dominant wirkt seine Stimme und Erscheinung. Neben seiner, im Laufe der fortschreitenden Handlung, geehelichten Sissi, geht des Kaisers Stimme fast unter. Im Streitgespräch mit seiner Mutter, Erzherzogin Sophie (Adelheid Brandstetter), beschreibt Klatts Stimme die Situation des jungen Kaisers: Er möchte es allen Recht machen. Brand­stetter hingegen lieferte gesanglich sicherlich nicht die beste Leistung ab. Oft wackelig, mehr gerufen als gesungen, bringt sie die wenigen Gesangspartien hinter sich. Doch ihre schauspielerische Leistung überstrahlt die der meisten anderen Darsteller. Die Bestimmtheit der kaiserlichen Mutter ist überzeugend. Scharfzüngig belehrt sie ihren Sohn und mahnt die gegen die Etikette verstoßende Schwiegertochter.

Von der Steifheit zu Hofe übermannt, aber vor allem dadurch gekränkt, dass die Schwiegermutter ihr das Baby wegnimmt und sich Franz nicht dagegen stellt, flüchtet sich Sissi nach Hause ins bayerische Idyll, wo sie von ihren Eltern empfangen wird. Das Bühnenbild wandelt sich durch Wenden der Paneele, die auf einer Seite höfische Gemälde zeigen und auf der anderen Seite einfarbig grau (wie Berge) sind.

Die Erzherzogin Ludovica (Margot Loibnegger) brilliert in jeder Szene. Ihre feste Stimme überzeugt sowohl in den Höhen als auch in den Tiefen. Das Duett von Ludovica und ihrem Gatten, dem Erzherzog Max (Alois A. Walchshofer), ist wahrscheinlich die beste gesangliche Leistung des Abends. Walchshofers warme und tiefe Stimme harmoniert mit Loibneggers Gesang. Gleichberechtigt treten die beiden auf, keiner stiehlt dem andern die Show.

Harmonie im Duett

Auch das Duett zwischen Mutter und Tochter wirkt harmonisch. Loibnegger lässt der Sissi-Darstellerin genügend Raum, sodass auch diese glänzen kann. Doch Maria Meßners durchaus gute Stimme besteht nicht jeder gesanglichen Prüfung. Im Duett mit ihrem Gatten überzeugt die Sängerin, doch gerade in ihren durchaus vielen Soli scheint ihr die Stimme oft zu brechen. Töne werden nicht sauber gehalten und mehrmals scheint Meßner gegen die Lautstärke der Instrumentalmusik anzukämpfen. Ob technische Panne oder ob daran ablesbar ist, dass es die letzte Vorstellung der Tour war, bleibt ungeklärt.

Kaiserin Sissi vermittelte im österreichisch-ungarischen Konflikt, dies wird auch in der Musical-Version aufgearbeitet. Graf Andrássy, der sich mit Sissi anfreundet – etwas mehr als schicklich – tritt als Antagonist des Kaisers auf. Marco Antonio Lozano spielt den ungarischen Grafen überzeugend. Trotz seiner schmächtigen Physik strahlt alles an ihm, allem voran seine Stimme, Dominanz aus. Als er die Doppelmonarchie besingt und sich die gewaltfreie Einigung von Österreich und Ungarn wünscht, hört man den Nationalstolz regelrecht. Sein Gesang wird von elektronischem Gitarrenklang dezent untermalt und unterstreicht den Revoluzzer-Charakter.

Authentizität wird gewahrt

Der authentisch getanzte ungarische Csárdás sowie eingestreute Sprachfetzen versetzen die Zuschauer nach Ungarn. Den Abschluss des Musicals bildet die Krönung von Kaiser Franz und seiner Sissi in Ungarn: die österreichisch-ungarische Doppelmonarchie ist besiegelt.

Ein glamouröses Musical mit imposanten Kostümen, eleganten Choreografien sowie überzeugenden Darstellern. Der mäßige Applaus des Ludwigsburger Publikums ist sicherlich eher der späten Stunde am Ende der Woche, und nicht der Musikinszenierung geschuldet.