Ludwigsburg Siemens-Studie gegen erhöhte NO2-Werte

Ludwigsburg / Uwe Roth 31.07.2018

Im Jahr 2021 könnte die Stickstoffdioxid (NO2)-Konzentration an der Messstation Friedrichstraße in Ludwigsburg unter den gesetzlichen Grenzwert von 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft rutschen. Bis spätestens 2030 sollte mit dem kommunalen Luftreinhalteplan ein Wert von knapp 28 Mikrogramm erreicht werden, der damit in weiter Ferne zum EU-Grenzwert läge. Die für die Stadtverwaltung günstige Prognose ist das Ergebnis einer umfangreichen Software-Analyse, die die Firma Siemens im Auftrag der Stadt erstellt hat. Ausgangspunkt der Studie war, dass im vergangenen Jahr der Jahresmittelwert bei 51 Mikrogramm lag – damit einem Dieselfahrverbot bedrohlich nahe.

Kleine Zeiträume gesteckt

Die Studie „Green City Mobility“ geht dabei von der Grundannahme aus, dass die Stadt Ludwigsburg sämtliche Pläne für eine bessere Luft in jeweils kleinen Zeiträumen realisieren kann.

Um einen unkritischen NO2-Wert zu erreichen, müssten beispielsweise die Schnellbuslinien (BRT), die Elektrobusse und sonstigen E-Fahrzeuge, der Brennstoffzellenzug sowie die Digitalisierung der Verkehrsleittechnik rechtzeitig in Betrieb gehen. Schon im Jahr 2020 werden in der Siemens-Analyse dem BRT und der reaktivierten Bahnlinie ein, wenn auch kleiner Beitrag zur Stickstoffoxid (NOx)-Reduzierung gutgeschrieben. Dass beide Systeme in zwei Jahren aktiv sind, wird inzwischen aber als eher unrealistisch betrachtet.

Die Siemens-Forscher haben in ihr Szenario zudem einen rapiden Rückgang von Dieselzulassungen eingeplant. Außerdem messen sie der Förderung des Radverkehrs eine sehr große Bedeutung zu, die so noch nicht von allen Fraktionen des Gemeinderats erkannt worden ist: Der Umstieg aufs Rad könne ebenso viel zur Verringerung der Stickoxidwerte beitragen wie die Elektroautos oder wie der BRT und der Brennstoffzellenzug zusammen.

Die Experten haben zudem berechnet, dass aktuell der Verkehr die Hälfte der NO2-Mengen ausstößt, die an der Messstation Friedrichstraße eingefangen werden. Ein Drittel kommt aus Heizungsanlagen. Der Rest aus sonstigen Quellen. In zehn Jahren soll sich der Anteil der Fahrzeuge an der NO2-Konzentration jedoch halbiert haben. Dann wären die Heizungen die Hauptverursacher – jedoch einer Gesamtmenge, die rechtskonform wäre. Das setzt allerdings voraus, dass der Gesetzgeber die Daumenschrauben nicht weiter zudreht. Dies jedoch befürchtet die Studie beim Feinstaub.

Wie ein Siemens-Mitarbeiter in der jüngsten Sitzung des Ludwigsburger Gemeinderats erläuterte, sei im Gespräch, dass die EU-Kommission einen strengeren Grenzwert für Feinstaub vorschlagen könnte. Laut der Analyse hat die Elektromobilisierung wenig Potenzial, die Feinstaubmengen in der Luft wesentlich zu minimieren. Die Studie geht beim Feinstaub (PM10) von fünf Prozent Rückgang bis 2030 aus. Beim Stickstoffoxid soll der Einspareffekt dagegen bei 75 Prozent liegen.

17 Prozent weniger CO2

Auch das fürs Klima schädliche Kohlenstoffdioxid (CO2) wird sich mit den Plänen der Stadt, die sich vorgenommen hat, ihren Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels zu leisten, kaum reduzieren lassen. Der Rückgang liegt den Prognosen zufolge beim CO2-Ausstoß durch den Fahrzeugverkehr bei lediglich 17 Prozent.

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