Ludwigsburg Sehen mit Kontrast und Elektronik

Ludwigsburg / Uwe Roth 22.03.2018

Das Nachlassen der Sehkraft sei ein schleichender Prozess, sagt Sabine Backmund vom Blinden- und Sehbehindertenverband (BSV) Württemberg. Sie rät zu einem jährlichen Besuch eines Augenarztes bereits ab dem 40. Lebensjahr. Doch häufig reichen mit dem Älterwerden Augengläser vom Optiker oder gar eine Augen-OP nicht mehr aus, um die Dinge des Alltags deutlich erkennen zu können. Aber neben der Brille gibt es viele weitere Hilfsmittel, um trotz eines getrübten Augenlichts wieder etwas mehr Lebensqualität zu erreichen.

Da die kleinen Helfer für eine bessere Barrierefreiheit oft unbekannt sind, haben die Bezirksgruppe Ludwigsburg des BSV und die Altenhilfe Fachberatung des Landkreises zu einer Informationsveranstaltung ins Landratsamt eingeladen. Ansprechpartner dort ist Frank Kruse. Vorwiegend ältere Menschen sind gekommen, um sich vergrößernde Sehhilfen, besonders gestaltete Alltagsgegenstände oder auch akustische Hilfen zeigen zu lassen, und um solche auszuprobieren.

Hilfreiche Tricks

„Manchen reichen aber schon kleine Tricks, um Gegenstände leichter erkennen zu können“, sagt die Augenoptikermeisterin Backmund, die im BSV die Beratungsstellen „Blickpunkt Auge“ in Württemberg koordiniert. „Es ist wichtig, Kontraste zu schaffen“, sagt sie mit Blick auf einen gedeckten Tisch im Veranstaltungssaal. Auf einer weißen Tischdecke ist für Kaffee und Kuchen gedeckt. Damit sich das Geschirr optisch abhebt, ist unter jedem Gegenstand ein farbliches Tuch gelegt. Oder: Ein blauer Becher ist besser als ein weißer.

Während früher die Lupe die einzige vergrößernde Sehhilfe war, macht die Computertechnik inzwischen vieles möglich: Texte kann sich der Sehbehinderte vorlesen lassen. Da die Monitore flacher und günstiger werden, können diese überall eingesetzt werden, um mit Hilfe einer kleinen Linse die Schrift zu vergrößern. Drahtlose Technik (WLAN) in der Wohnung macht es möglich, dass über Sprachbefehle Geräte gesteuert werden können. Telefone gibt es mit besonders großen Tasten und kontrastscharfen Displays. Aber auch ohne Elektronik lassen sich Gegenstände mit spürbaren Markierungen einfacher handhaben.

Rechtlich ist ein Mensch sehbehindert, wenn er auf dem besser sehenden Auge selbst mit Brille oder Kontaktlinse eine Sehschärfe von höchstens 30 Prozent hat. Bei fünf Prozent gilt man als „hochgradig sehbehindert“. Bei zwei Prozent gilt man als blind. Die Zahl der Deutschen, die unter einem Sehverlust leiden, wird auf sieben Millionen geschätzt. „Das hat die Dimension einer Volkskrankheit erreicht“, sagt Backmund. Ist eine Sehbehinderung amtlich, kann der Arzt bestimmte Hilfen verschreiben. Dann beteiligen sich auch die Krankenkassen an den Kosten, teilt die Fachfrau mit.

Makula-Degeneration

Während die Augenkrankheit Grauer Star in der Öffentlichkeit bekannt ist, wird über eine der häufigsten Sehbehinderungen weniger gesprochen: Es ist die altersbedingte Makula-Degeneration (AMD). Sie kann in zwei Formen auftreten: der trockenen und der feuchten Makula-Degeneration. Bei dieser Erkrankung werden die Nervenzellen im Bereich des schärfsten Sehens zerstört.

Wenn aus geraden Linien krumme Linien werden, sich Nachtblindheit einstellt oder sich Flecken in der Mitte des Gesichtsfeldes bilden, sind dies erste Anzeichen für eine Makula-Degeneration. „Betroffene klagen meist darüber, dass gerade da, wo man hinschaut, nichts zu erkennen ist“, berichtet Backmund. Ein regelmäßiger Arztbesuch könne Schlimmeres verhindern. Allerdings weiß sie auch, dass Termine bei Augenärzten nur schwer zu bekommen sind. Bei akuten Augenproblemen solle man ohne Termin in die Praxis oder gleich in die Notaufnahme, rät sie.

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