Kenntnisse Schwimmen lernen braucht Zeit

In Ludwigsburg soll mit „Schwimmfix“ jedes Kind bis zum Ende der Grundschule schwimmen können.
In Ludwigsburg soll mit „Schwimmfix“ jedes Kind bis zum Ende der Grundschule schwimmen können. © Foto: Helmut Pangerl
Ludwigsburg / Jonathan Lung 28.08.2018

Viele Kinder lernen  nicht oder nur ungenügend schwimmen. Das stellte die Deutsche Lebens- Rettungs- Gesellschaft (DLRG) in Bezugnahme auf eine schon 2017 erschienene forsa-Umfrage fest und warnte vor einem Trend, der Deutschland zu einem „Land der Nichtschwimmer“ machen könnte, so DLRG- Vizepräsident Achim Haag. Tatsächlich sind die Zahlen erschreckend: 59 Prozent der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer, im deutschen Süden stuften sich neun Prozent selbst als schlechte Schwimmer ein.

Mangelnde Schwimmkenntnisse führen immer wieder zu tödlichen Unfällen: Allein in den ersten sieben Monaten dieses Jahres ertranken in deutschen Gewässern 279 Menschen, 37 mehr als im gesamten Vorjahr. Erst im Juni ertrank ein 17- Jähriger in der Nähe von Aldingen wohl aufgrund mangelnder Schwimmkenntnisse im Neckar (wir berichteten).

„Gut schwimmen kann man erst mit dem Bronze-Abzeichen“, betont Matthias Nagel, Vizepräsident des Schwimmvereins Ludwigsburg, und entspricht damit der Definition des DLRG. Das Seepferdchen-Abzeichen sei eher „Motivation für Anfänger“.

„Schwimmen zu lernen braucht Zeit“, betont Nagel, eineinhalb bis zwei Jahre müsse man schon einplanen, es sei nicht, wie viele Eltern dächten, mit zehn Stunden im Verein getan. Die Nachfrage nach Schwimmunterricht sei aber durchaus vorhanden: Die Eltern legen oft Wert auf die Schwimmkenntnisse ihrer Kinder.

Der Schwimmverein Ludwigsburg betreut derzeit 300 Kinder – und hat nochmal so viele auf der Warteliste. Trotz guter Bädersituation in Ludwigsburg (2016 wurde das Campusbad ausschließlich für Schul- und Vereinsbetrieb eröffnet) könne man nicht mehr Angebote schaffen, so Nagel. Wichtig sei auf jeden Fall, dass es nicht zu Bäderschließungen komme, wie in anderen Teilen Deutschlands. Es würden im Verein mehr Kinder als in der Schule schwimmen lernen, meint der Vizepräsident, aber auch der Schwimmunterricht in der Grundschule bietet Kindern die Möglichkeit, Schwimmkenntnisse zu erwerben.

Intensive Betreuung

Allerdings: „Die Lehrer stoßen im Schwimmunterricht oft an ihre Grenzen“, so Matthias Nagel. Der Verein beteiligt sich darum am Projekt „Schwimmfix“: Vereinsinterne Übungsleiter betreuen im Schwimmunterricht kleine Gruppen von Schülern intensiver, als das sonst möglich wäre.

Das Ziel: Am Ende der Grundschule sollen die Schüler schwimmen können.

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