Annekathrin Phillippi kann nur mutmaßen, warum ihr Arbeitsplatz ein Schalter ist: „Vielleicht, weil wir hier alle Hebel in Bewegung setzen, um den Kunden zu helfen, sie zu beraten, egal welches Anliegen sie haben“. Seit 20 Jahren arbeitet die Ludwigsburgerin bei der örtlichen Tourist Information am Schalter, mittlerweile ist sie Teamleiterin. Seit 2013 ist der Informationsschalter und der Ticketservice von Tourismus und Event Ludwigsburg im MIK – Museum Information Kunst – angesiedelt. Die neun Damen um Annekathrin Phillippi bilden sozusagen das Herz des MIK. „Wir sind die ersten, die die Besucher sehen, wenn sie ins MIK kommen“, sagt Phillippi.

Und so ist es auch: Zwei Schulklassen mit jeweils 30 Schülern kommen hereingestürmt, als Phillippi um 10 Uhr die Türen des MIK öffnet. Zwei Lehrerinnen kommen auf sie zu und wollen wissen, wohin sie müssen, wer sie abholt, wie lange die Führung dauert. Geduldig erläutert die gelernte Reisefachfrau alles und ruft dann die Museumspädagogin an.

Neudeutsch, wie die 57-Jährige sagt, heißt der Service-Schalter „Counter“, die Aufgaben aber bleiben dieselben: „Zu uns kommen die Menschen oder rufen uns an, wenn sie irgendein Anliegen in oder mit der Stadt haben.“

Egal, ob es sich um Tickets für eine Veranstaltung im Forum am Schlosspark handelt, um eine Stadtführung, einen Firmenausflug – oder das Laub, das die Passanten stört. „Es kommen schon immer wieder Leute und beschweren sich, weil die Stadt das Laub nicht weggefegt hat“, sagt Annekathrin Philippi. Dann beruhigt sie und ruft beim Ordnungsamt an. Mit der Zeit habe sie gelernt, wer für welches Anliegen der beste Ansprechpartner ist.

Die Teamleiterin selbst sitzt an diesem Tag am Serviceschalter, zwei Kolleginnen haben den Ticketservice und den Verkauf der Devotionalien des MIK und der Stadt übernommen. Während des Gesprächs muss sie am Telefon erklären, was eine junge Frau machen muss, um beim Pferdemarkt einen Brezelstand zu bekommen. Länger dauert ein Gespräch mit einem Firmeninhaber, der mit seiner Belegschaft einen Ausflug nach Ludwigsburg machen will. Annekathrin Phillippi schlägt ihm eine Schloss- und Stadtführung vor und hat auch gleich einen Tipp für ein uriges Freiluftrestaurant. Später wird sie ihm eine Liste mit Vorschlägen schicken. Solche Angebote können als Paket bei der Tourist Information ganz individuell gebucht werden.

Ein Paar ist dazwischen gekommen, es beschwert sich über die Hydranten auf dem Marktplatz, die so gar nicht zum barocken Ensemble passen. „Ich werde ihre Anmerkung weitergeben, ich verspreche es“, sagt Phillippi und macht das wirklich.

Mann sucht Auto

Ihr fällt eine Anekdote ein, von einem Mann aus Waiblingen, der verzweifelt an ihren Schalter kam, weil er sein parkendes Auto nicht fand. „Ich habe alle möglichen Stellen in der Stadtverwaltung angerufen, niemand konnte helfen, dann habe ich die Polizei gerufen“, sagt sie. Der Mann musste trotzdem mit dem Zug nach Hause fahren, sein Auto wurde von der Polizei erst am nächsten Tag gefunden. „Unser Kerngeschäft sind touristische Anliegen, aber weil wir so zentral liegen, sind wir Ansprechpartner für alles“, sagt sie. Und genau das mache auch Spaß: „Kein Tag ist wie der andere.“

Und wenn man so wolle, legten sie und ihre Mitarbieterinnen für manche Menschen einen Schalter um, machten Dinge möglich oder würden helfen. Aber: „Man kann schon sagen, dass sich vieles geändert hat in den vergangenen 20 Jahren“, so Phillippi. Das touristische Angebot der Stadt sei größer geworden und damit auch die Nachfrage – oder umgekehrt. „Früher wollte jemand eine Stadtführung, dann haben wir einen der zwei potenziellen Stadtführer angerufen und die haben mit den Kunden einen Termin ausgemacht, heute gibt es unzählige Angebote an festen Terminen und noch individuell buchbare.“

Die Kunden seien ungeduldiger und anspruchsvoller geworden. „Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin so was wie ihr Google, muss auf alles eine Antwort wissen“, sagt sie. Lob hingegen sei rar, „obwohl wir doch alle Hebel in Bewegung setzen“.