Während die einen auch im Rentenalter immer weiter arbeiten wie Winfried Kretschmann, steht bei den meisten mit dem Pensionierungsalter ein neuer Lebensabschnitt ins Haus. Die BZ widmet sich in ihrem Samstagsschwerpunkt diesmal dem Herbst des Lebens und wie ihn Pensionäre nutzen. „Bei ihrer Anfrage habe ich schmunzeln müssen“, sagt Frank Rebholz, zu Beginn des Gesprächs mit der BZ. Fast genau 100 Tage sei er nun in Pension, fast wie bei anderen Ämtern werde er nun also eine erste Bilanz ziehen. Rebholz war Polizeipräsident und wurde dann fast nahtlos zum Kreistagsmitglied. Seit Juni kann er wieder freier über seine Zeit verfügen. „Nach anfänglichen Schwierigkeiten kann ich das jetzt wirklich genießen. Mir geht es gut“, sagt der Ludwigsburger. Schwierig sei gewesen, dass das Gewohnte und der straff strukturierte Tagesablauf wegfielen.

Warum hat er sich dann gleich in die nächste verantwortliche Position gestürzt, fragt man sich. „Ich wollte nach meiner Pensionierung ein Ehrenamt übernehmen an dem ich noch mal Spaß haben und etwas bewegen kann“, erklärt Rebholz. Er habe auch an eine Tätigkeit als Schöffe gedacht, der Beginn der Schöffentätigkeit hätte allerdings vor der Pensionierung gelegen und ein aktiver Polizeipräsident darf nicht Schöffe sein.

Auf Netzwerk zurückgreifen

Als Kreistagsmitglied könne er etwas bewegen und auf sein früheres Netzwerk zurückgreifen. In den Sommerferien sei er in seiner neuen Tätigkeit schon ordentlich beschäftigt gewesen. Die Fraktion der Grünen, der er angehört, habe sich häufiger getroffen und durch die anstehende Landratswahl im Herbst habe man auch mit allen Kandidaten gesprochen. „Wir haben gute Kandidaten zur Auswahl“, sagt Rebholz, der sich freut, dass er in so einer interessanten Zeit neu einsteigt in das Gremium. Die Politik ist ihm allerdings nicht neu. Schon als er noch gearbeitet hat, saß er eine Zeit lang im Ludwigsburger Gemeinderat, damals für die CDU. Seinen „Wechsel“ habe ihm mancher übel genommen, für den ehemaligen Spitzenbeamten zählen aber nicht Parteilinie, sondern Inhalte.

Als Stimmenkönig aller Kandidaten im Kreis hat er den erstmaligen Einzug in den Kreistag im Mai geschafft, dennoch stellt er keine Forderungen. Weder hat er ein Amt in der Fraktionsführung noch einen Sitzplatz in den vorderen Reihen verlangt: „Ich gehe nach dem gleichen Prinzip vor wie sonst auch und gucke mir zunächst einmal alles an.“ Mit den anderen neuen Ludwigsburger Vertretern der Grünen habe er sich entschlossen, zunächst Zurückhaltung an den Tag zu legen. Er ist auf Ausgleich aller Interessen bedacht, gleichzeitig findet er sich gerade in seinem neuen Lebensabschnitt erst zurecht.

Warnungen der Ehefrau

Er solle aufpassen, sich nicht zu viel aufzuhalsen, warne ihn seine Frau regelmäßig. Nicht nur, weil im Haus auch einiges zu tun sei, sondern eben auch, um sich die neugewonnenen Freiheit nicht gleich wieder selbst zu nehmen. Die Freiheit nutzt er vor allem, um den Landkreis auf seinem neuen E-Bike aus einem ganz anderen Blickwinkel kennenzulernen. „Da komme ich in Ecken, die ich so gar nicht kannte. Außerdem nimmt man die Dinge auf dem Rad ganz anders wahr als hinter dem Steuer eines Wagens“, erzählt Rebholz, der die schönen Ecken auch gerne gleich mit seiner Kamera festhält.

Für ihn jedenfalls stimmt bislang die Mischung in der Rente. Er habe manche Kollegen in den Ruhestand verabschiedet, die nichts geplant hatten. Das sei natürlich jedem selbst überlassen, aber wer seinen Ruhestand völlig planlos angehe und kein Projekt habe, laufe Gefahr in ein Loch zu fallen. Die Angst muss Rebholz nicht haben. Er habe eine Reihe von Anfragen, Vereinsvorsitzender zu werden, und lehne diese meist ab, nun hat ihn ein Verein dennoch überzeugen können. Nächste Woche soll er zum neuen Vorsitzenden von Haus und Grund in Ludwigsburg gewählt werden. „Ich kann mich mit den Zielen des Vereins identifizieren und gerade Themen wie Wohnungsnot bedürfen einer guten Zusammenarbeit aller Beteiligten“, sagt Rebholz. Er möchte das Gespräch unter anderem mit dem Mieterbund suchen. Auch hier helfen sein Netzwerk aus Polizeizeiten und natürlich die Tatsache, dass er nun im Kreistag sitzt.

Wie viel Zeit diese neue Verpflichtung kosten werde, sei noch nicht absehbar, der Verein möchte sich aber auch dank Rebholz noch stärker in die öffentliche Diskussion einbringen und Rebholz hat den Tatendrang diesen Wünschen auch gerecht zu werden.

Buntes Rentnerleben: Vom Biker bis zum Sprinter


Der BZ-Schwerpunkt am Samstag zeigt viele Möglichkeiten auf, wie man auch im Pensionsalter einen abwechslungsreichen und bereichernden Alltag haben kann. Auf Seite 11 gibt es ein Porträt über Astrid Hanauer, die seit März im Tafelladen mitarbeitet. Die Rentnerin sagt: „Ich finde, es ist eine sehr sinnvolle Tätigkeit, es macht einfach total viel Spaß und man kommt mal raus.“ Auf Seite 12 erzählt Renate Wendt von der aktiven Seniorenarbeit und welche Angebote es für Rentner in Bietigheim-Bissingen gibt. Helmuth Amon fährt mit 70 Jahren auf seinem Motorrad durch das Land (Seite 13). Reinhard Michelchen aus Freudental widmet seine Freizeit auch mit 66 Jahren noch dem Sport. Der Sprinter tritt bei Weltmeisterschaften an (Seite 14). Sportlich sind auch Andrea und Frank Pfersich vom Tanzsportclub Besigheim unterwegs. Seit drei Jahrzehnten tanzt das Paar gemeinsam (Seite 15). Mit 77 noch auf vielen Hochzeiten tanzt Dietlinde Krauss aus Ingersheim. Die Rentnerin füllt ihren Tag mit gleich mehreren ehrenamtlichen Tätigkeiten (Seite 16). bz