Ludwigsburg / Gabriele Szczegulski  Uhr

Vergangenes Jahr passte alles beim Theatersommer im Clussgarten: Das Wetter und eine schlaue Stückauswahl, die beim Publikum ankam, bescherten den Intendanten Peter Kratz und Christiane Wolff eine Rekordbesucherzahl von 18 000 Zuschauern. Zu schön wäre es, dies zu wiederholen, meinte Peter Kratz im Gespräch mit der BZ.

Er setzt vor allem auf die beiden Hauptinszenierungen auf der großen Hauptbühne des idyllischen Clussgartens. Derzeit probt er schon mit dem Ensemble „Schwarzwaldmädel im Saturday Night Fever“, obwohl das Stück erst am 24. Juli Premiere hat. Stolz zeigt er die Discobühne, auf der die Bühnenbildner Requisiten und heutige Raritäten der Discoszene, wie Lichtbäume, Discokugeln, orange-farbige Acrylbodenplatten und jede Menge Licht installiert haben. „Wir proben jetzt mit Volldampf, dann wird die Bühne abgebaut“, so Kratz. Zudem sind grade Mitarbeiter dabei, neue Büsche und Bäume anzupflanzen, denn dem alten Bestand hat der heiße Sommer 2018 sehr zugesetzt. Diese Investition in die Idylle kostet einiges, was vom Theatersommer-Budget von 400 000 Euro weggeht. 65 Prozent davon muss eingespielt werden. 126 000 Euro kommen von der Stadt, 45 000 Euro vom Land und 22 000 Euro von der Kreissparkassen-Stiftung.

Die Saison beginnt – ganz untypisch  – mit einer Inszenierung auf der kleinen Rondellbühne am 14. Juni, mitten in den Pfingstferien. Das ist auch der Grund, weshalb zuerst die kleine Bühne bespielt wird, deren Platzreihen nur 150 Besucher fassen. „Wir können wegen den Brautagen auf dem Rathausplatz leider nicht früher anfangen, die Musik würde zu sehr stören. Und wir wollen nicht in den Ferien mit einem großen Stück beginnen“, sagt Peter Kratz. Allerdings hat es das Stück, wie der Titel verrät, in sich: „How to date a Feminist“. Das Stück wurde erst vor Kurzem in England uraufgeführt, mit großem Erfolg. Es ist ein Zweipersonenstück, in dem Schauspieler und Schauspielerin mehrere Rollen übernehmen, hauptsächlich aber einen feministischen Mann und eine starke Frau, die gerne einen Macho hätte, darstellen. Konflikte sind vorprogrammiert.

Am 26. Juni wird dann „Der Steppenwolf“ von Hermann Hesse aufgeführt, eine Wiederaufnahme aus dem Jahr 2006. „Wir haben das Juwel wieder ausgepackt, das uns damals einen großen Erfolg bescherte, weil es wieder Sternchenthema im Abitur ist“, so Kratz. Aber, er wäre nicht der einfallsreiche Theatersommer-Regisseur, wenn er sein eigenes Stück nicht für diese Aufführung veränderte: „Es gibt ein neues Besetzungsdetail“, sagt Kratz. Der Widerstreit und der Kampf zwischen dem bürgerlichen und dem wölfisch-wilden Ich des Protagonisten soll noch mehr zur Geltung kommen, in dem er von einem Mann und einer Frau gespielt wird.

Hauptstück der Saison aber soll die neue Aufführung „Schwarzwaldmädel im Saturday Night Fever“ werden. Schon im vergangenen Jahr hat sich Kratz einer kitschigen Operetten-Schmonzette bedient, die auch als Film vorliegt. 2018 war es „Im weißen Rössl“, nun ist es „Schwarzwaldmädel“, uraufgeführt im Jahr 1917 und seit 1920 mehrmals verfilmt. Peter Kratz macht es mit den Songs aus dem Film „Saturday Night Fever“ mit John Travolta zu Musiktheater und versetzt die Handlung in die 1970er, wo Dorfdiscos zum Kulturprogramm gehörten. Solche veranstalten Fritz und Richy mit ihrem Discomobil. Der in das Bärbele verliebte Richy rast ihr in ihr Schwarzwald-Heimatdorf hinterher und da findet auf dem Cacilienfest ein Discotanz-Wettbewerb statt. Alle Songs von Saturday night Fever wurden übersetzt, teilweise ins Schwäbische und ihr Inhalt an das Stück im „Theatersommer-Style“, wie Kratz sagt, angepasst.  Zum ersten Mal werden hier auch als Sänger ausgebildete Schauspieler agieren, genauso wie die Schauspielerin und Pianistin Nina Schwartz. „Wir haben bei den Schwarzwaldmädeln einige neue Gesichter“, sagt der Intendant.

Die Schulvorstellungen der beiden Kindertheateraufführungen von „Petterson und Findus“ sowie „Momo“, so Kratz, sind schon ausverkauft. Das sind 3000 Karten auf der Bank. „Unser Kindertheater ist eine Erfolgsgeschichte und mittlerweile haben wir dafür ein eigenes Ensemble“, sagt Kratz. Für das Kindertheater ist seine Kollegin Christiane Wolff zuständig und diese möchte 2020, im Jahr des 30. Bestehen des Theatersommers im Clussgarten, ihre letzte Saison spielen. „Was danach kommt, ist ungewiss“, sagt Peter Kratz, der noch ein paar Jährchen weitermachen will. Sechs Stücke – „Die Wand“ wird wieder aufgenommen – in einer Saison, die von Mitte Juni bis Ende August geht, sei „hart“, so der Intendant, aber „wir müssen dem Publikum etwas bieten“.

Info Die Saison des Theatersommers im Clussgarten beginnt am Freitag, 14. Juni, mit „How to Date a Feminist“. Ab Sonntag, 23. Juni, wird „Momo“ gespielt. Am 26. Juni hat „Der Steppenwolf“ Premiere. „Die Wand“ wird am 30. Juni wiederaufgenommen. Die Premiere von „Schwarzwaldmädel“ ist am 24. Juli, Pettersson und Findus“ wird ab 4. August gespielt. Alle weiteren Termine und Ticketbestellungen online oder per Telefon unter (07141) 242 31 55.

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