Ludwigsburg / Gabriele Szczegulski  Uhr

Taschen aus Beton der Künstlerin Linda Nadji haben die eindeutige Aussage: Mode kann auch ein Klotz am Bein sein. Die prinzesinnenhaften Kleider der Chinesin Kong Ning sind bei näherem Betrachten mehr Schein als Sein, denn sie sind aus Gesichtsmasken, die Smog nicht in die Lungen lassen sollen und somit ein Statement gegen die zunehmende Umweltverschmutzung. Die neue Ausstellung „Très Chic – Mode in der Kunst“ im Kunstverein Ludwigsburg im MIK (Museum Information Kunst) reflektiert Mode als Ausdrucksmittel der Gesellschaft.

Dass Mode oft Kunst ist, sein kann oder sein will, zeigen die avantgardistischen Modenschauen eines Karl Lagerfelds oder anderer Haut-Couture-Schöpfer. Dass Kunst die Mode zum Inhalt nimmt, ist selten. Mode zeigt, wer die Trägerin ist: Ist sie reich, hat sie Geschmack, wagt sie etwas, ist sie eher unscheinbar. Mode sei wie eine zweite Haut, sie sei Spiegel, Versteck der Schwächen, sagt die rumänische Künstlerin Mirela Anura bei einer Führung.

Mode als Versteck

Ihre Kunst ist aus ganz persönlichen Gründen entstanden. Papierarbeiten waren, wie sie sagt, schon immer ihr Ding. Dass sie daraus dekorative Verkleidungen fertigte, lag an der Tochter ihrer besten Freundin. Deren Freund starb, daraufhin verlor sie für zwei Jahre ihre Sprache. Damit die junge Frau sich trotzdem ausdrücken konnte, schnitt Anura ihr filigrane Kostüme auf den Leib, die trotz ihrer Transparenz mehr verhüllen als zeigen.

Mit der traditionellen Bedeutung von Kleidung setzte sich Kuratorin und Künstlerin Corina Gertz auseinander. In ihren „abgewandten Porträts“ fotografierte sie traditionelle Kleidung. Nach Ludwigsburg hat die Düsseldorferin Fotografien chinesischer Trachten mitgebracht. In der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen zeigte sie schon deutsche Trachten. „Kleidung ist ein Mittel der Kommunikation, früher hatte Kleidung eine Aussage. Durch das Binden der Schürze wusste man, die Frau war verheiratet oder nicht“, sagt Gertz. Dora Celentano analysiert die Muster der Seidentücher von Hermes und Versace und zwar so lange, bis sie zum Icon werden. Katharina Maderthaner stellt Alltagsgegenstände wie Mülleimer in einen neuen Kontext, indem sie sie verkleidet und zum Schutz vor  Nässe mit einer Art Regenmantel umhüllt.

Ausstellung Margarete Eckert-Preisser

Die Sachsenheimer Künstlerin Margarete Eckert-Preisser experimentiert gerne mit Drucktechniken. Im Gewölbekeller des MIK zeigt sie eigens für diesen mit Cyanotypien geschaffene Fahnen unter dem Titel „Begegnungen“. Diese Technik, auch als Blaudruck bekannt ist ein altes fotografisches Edeldruckverfahren, bei dem cyanoblaue Farbtöne entstehen. Die Unesco hat den Blaudruck 2018 zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt.

Zwei Modelle, eine Frau und ein Mann, standen für Eckert-Preisser Akt, damit sie sie fotografieren konnte. Diese Fotografien wurden bei ihr cyanotypisch bearbeitet, verfremdet und mit weiteren Elementen ausgeschmückt. Der Blaudruck bewirkt, dass manche Stellen des Kunstwerks transparent wirken, durchscheinend und unscharf, dafür aber wieder andere so wirken, als ob sie unter ein Mikroskop gehalten wurden.

Die Ausstellung hat Margarete Eckert-Preisser „Begegnungen“ genannt, weil sie vielerlei Begegnungen symbolisieren: Die zwischen Mann und Frau, die des Blaudrucks mit der Fotografie, und die mit dem Raum. Denn in dem Weinkeller des MIK, des früheren Polizeireviers, feierten die Polizisten oft Feste. Die Arbeiten machte die Sachsenheimerin „als Assoziation auf bachantisches Treiben“. sz