ÖPNV Schnellbusse sollen ab 2020 fahren

Das neue ÖPNV-Angebot soll ab Herbst 2020 zum einen aus elektrisch fahrenden Linienbussen bestehen. Zum anderen werden die Fahrzeuge auf Trassen pendeln, um ungehindert an Staus vorbei zu kommen.
Das neue ÖPNV-Angebot soll ab Herbst 2020 zum einen aus elektrisch fahrenden Linienbussen bestehen. Zum anderen werden die Fahrzeuge auf Trassen pendeln, um ungehindert an Staus vorbei zu kommen. © Foto: Martin Kalb
Ludwigsburg / Uwe Roth 08.02.2019

Für Oberbürgermeister Werner Spec wird eine Vision Wirklichkeit: Ludwigsburg bekommt als erste Stadt in Deutschland ein BRT(Bus rapid transit)-System. So zumindest verheißt es die am Mittwoch vom Gemeinderat beschlossene Planung.

Das neue ÖPNV-Angebot soll ab Herbst 2020 zum einen aus elektrisch fahrenden Linienbussen bestehen. Zum anderen werden die Fahrzeuge auf Trassen pendeln, um ungehindert an Staus vorbei zu kommen. Sollte der Platz für eine eigene Spur nicht reichen, fährt der Bus im normalen Straßenverkehr mit – wie bisher auch. Ein besonderes Merkmal ist das nicht. In vielen Städten gibt es in Straßenabschnitten Busspuren. Der entscheidende Unterschied ist aber: Trassen sind die Regel, Straßen als Untergrund die Ausnahme. Immer gilt: BRT first – der Schnellbus hat bei diesem System Vorrang. Das gilt vor allem an Ampeln. Autos stellen sich hinten an. BRT- und Radwegenetz werden verknüpft.

Folglich stehen beim BRT der Bau eigener Busspuren sowie eine digitale Verkehrsleittechnik im Mittelpunkt und weniger die Anschaffung des Busmaterials. Bislang hat sich die Darstellung eines BRT auf Fahrzeuge in XXL-Länge konzentriert, die wie eine Stadtbahn aussehen und elektrisch angetrieben werden, aber eine normale Gummibereifung haben. Nach der aktuellen Beschreibung der Stadt kann jedoch ein normaler Bus Teil des BRT-Systems werden.

OB Werner Spec (Freie Wähler) betonte, dass alle Buslinien von den Vorteilen profitieren sollen. Der Gemeinderat stimmte der Einführung einer „Stadtbahn in Kombination mit einem BRT-System in Ludwigsburg und Umgebung“ mit einer Gegenstimme zu.

Bekenntnis zur Stadtbahn

Das Bekenntnis zur Niederflurbahn kam eher beiläufig. Denn für dieses Projekt ist der Landkreis zuständig. Der für Mobilitätsfragen zuständige Bürgermeister Michael Ilk (Freie Wähler) kann nun offiziell einen Antrag auf Förderung beim Land stellen. Gibt das Verkehrsministerium grünes Licht – das wird noch während des Frühjahrs erwartet – wäre dies die erste Bezuschussung einer solchen Variante des Busverkehrs. Spec und Ilk hoffen auf eine unbürokratische Bearbeitung des Präzedenzfalls. 41 Millionen Euro an Investitionskosten sind für einen ersten Streckenabschnitt im Gespräch. Der reicht von der Weststadt über den Bahnhof bis zur Oststadt. Im Zehn-Minuten-Takt sollen die Busse die Haltestellen anfahren. Schrittweise wird eine Fortsetzung bis Markgröningen geplant.

Wie die Fahrzeuge durch die Innenstadt zum Bahnhof kommen, ob auf eigenen Trassen oder im allgemeinen Verkehrsfluss, ist weiterhin offen. Aus der CDU war zum ersten Mal in der Deutlichkeit zu hören, dass eigene Fahrspuren das Ziel sein müssen. „Wir werden bestehende Parkplätze wegnehmen, und auch die eine oder andere Baumreihe wird wegfallen müssen“, stellte Fraktionsvize Reinhold Noz fest. Bürgern werde das schwer zu vermitteln sein. Die Forderung nach Quartiersgaragen als Ersatz kam nicht so forsch wie in der Vergangenheit. „Die nächsten drei Jahre werden wir die Ärmel hochkrempeln müssen.“

Reibungsflächen vorstellbar

Die Gemeinderäte äußerten die Hoffnung, dass die im Moment gezeigte Harmonie zwischen Rathaus und Landratsamt bestehen bleiben möge. Doch mögliche Reibungsflächen zeichnen sich bereits ab: Landrat Dr. Rainer Haas betont, dass ein BRT-System die Fördermöglichkeit der Niederflurbahn beeinträchtigen dürfe. Spec wiederum sagt, dass der BRT keine Zwischenlösung bis zur acht bis zehn Jahre späteren Inbetriebnahme der Stadtbahn sein werde.

Die Schnellbusse blieben für immer Bestandteil des integrierten Verkehrskonzepts. Bei der Finanzierung hat die Stadt zudem die besseren Karten: Der Landkreis bekommt maximal 20 Prozent zur Verlegung von Schienen auf Straßen, wenn keine eigene Trasse gefunden wird. Für einen BRT reichen in einem solchen Fall kostengünstige Fahrbahnmarkierungen.

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