Die ersten drei Lieder, so der in Pelzmantel und Glitzerleggings gewandete Jan Böhmermann in der MHP-Arena, seien die einzigen seiner Show, die unpolitisch seien, alle anderen seien hochpolitisch. Diese ersten drei Songs des selbst ernannten „Liebling aller Frauen“ sind denn auch beim Ludwigsburger Auftritt die besten. Danach flachen das Programm, der Inhalt und die satirischen Gags des Showmasters ab. Vielmehr: Alles verliert sich in gähnender Langeweile. Es wäre schön, sagen zu können, dass die besten Momente die sind, in denen Böhmermann nicht auf der Bühne ist. Doch die gut getroffenen Zwischentöne des perfekt eingespielten Tanzorchesters Ehrenfeld, die Böhmermann-losen Zeiten, und das sind viele, wirken wie Werbepausen im TV.

Honig ums Maul

Es beginnt mit einer Ode an das Laugengebäck. Es scheint, dass Böhmermann sich auf Ludwigsburg vorbereitet hat. Er schmiert dem örtlichen Publikum Honig um den Mund und lästert über das Publikum bei seinem letzten Auftritt in Wien. Die Österreicher seien alle Nazis und mit dem Publikum habe er nichts anfangen können, deswegen sei der Abend „verkackt“. Ludwigsburg aber, das sei „das Esslingen für Leute, die es geschafft haben“. Immer wieder, auf diesem „politischen Liederabend“ geht es um die „prosperierenden Schwaben“, um die „klugen Ludwigsburger“.

Böhmermann spricht mehr als dass er singt und wenn er singt, ist das ein „Best of“ aus dem „Neo Magazin Royale“: „Baby got Laugengebäck“, „Style und das Geld“ und die Ode an den Vorsitzenden der Polizeigewerkschaft, das bösartige und doch zeilenweise wahre Lied „Rainer Wendt“. Zudem natürlich das neue Arbeiterlied auf die Paketkuriere, die neue Arbeiterschicht. Es ginge ihm, so Böhmermann, um „Entertainment und Aufklärung“, wobei das Entertainment in der Live-Show das Regiment hat. Das jedoch ist nichts Besonderes, das bekommt man in jeder Unterhaltungsshow im Fernsehen oft besser.

Ramtamtam-Songs im Gassenhauerstil und von der Volksmusik inspirierte Melodien verpacken Böhmermanns böse Satire. Doch: Die Texte gehen unter, sind unverständlich und irgendwann nervt die Gute-Laune-Musik nur noch.  Er wolle mit der Musik politische Brücken bauen, sagt der Entertainer. Doch diese Brücken sind von vornherein auf Sand gebaut, wenn Böhmermanns Abwesenheit auf der Bühne länger ist als seine Anwesenheit und er die Show eher anderen überlässt. Wie dem Tanzorchester, das brav bekannte Popmelodien zum Besten gibt, während der Star der Show sich backstage aufhält.

In Böhmermanns Shows in München oder Berlin konnte er auf Stars wie Jan Delay oder Max Giesinger setzen, die einiges retten konnten. Doch in Ludwigsburg sind es die unbekannten Sänger Giulia Becker und Floretin Witt, die dem Gesamteindruck eher schaden als helfen. Dieser Gesamteindruck ist brav. Im Vergleich zu dem, was Böhmermann bei seinen Fernsehauftritten raushaut, ist der Auftritt in Ludwigsburg etwas für den Kindergarten. Da nützt es ihm auch nichts, im schwäbischen Ludwigsburg über die Mannheimer, Karlsruher, Stuttgarter oder Heidelberger zu lästern. Denn da hat das Gros des Publikums in der MHP-Arena in Ludwigsburg längst begriffen, dass er beim nächsten Konzert in Offenburg über sie lästern wird. Mehr Neues hat Jan Böhmermann nämlich nicht zu sagen.