Gericht Säuglinge und Kinder als Lustobjekte

Ludwigsburg / Heike Rommel 29.06.2018

Für den Besitz von 1800 Bildern und 350 Videos, die den sexuellen Missbrauch von Säuglingen und Kindern zum Inhalt haben, musste sich ein 35-jähriger Stadtbewohner vor dem Ludwigsburger Amtsgericht verantworten. Das Urteil über den bislang nicht vorbestraften Mann: Ein Jahr und drei Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung, 3500 Euro an eine Kinderschutzeinrichtung und eine Untersuchung, ob bei diesem Zeitgenossen pädophile Neigungen vorliegen. Bei der Polizei angezeigt wurde er von seiner damaligen Lebenspartnerin.

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft legte dem Mann aus dem Schlösslesfeld zur Last, sich massenhaft kinder- und auch jugendpornografische Videos und Bilder beschafft zu haben, welche - aufreißerisch und obszön gestaltet - unter Missbrauch von Kindern hergestellt wurden, um die sexuelle Begierde des Betrachters zu wecken. Auf dem Beweismaterial waren Säuglinge und kleine Kinder, an denen erwachsene Männer sexuelle Handlungen vornahmen, zu sehen. Unter anderem bis hin zum Oralverkehr mit einem Säugling. Die Polizei war im Zuge anderer Ermittlungen auf den Ludwigsburger gekommen, durchsuchte daraufhin aber dessen Wohnung und kassierte ein Smartphone, ein Laptop sowie einen PC ein.

Aus Versehen heruntergeladen

Das Geständnis, welches der Angeklagte vor Gericht ablegte, war nicht ganz lupenrein. Er behauptete jemand aus einem Fußballforum hätte ihn auf Kinderpornos eingeladen. Den Haufen Dateien hätte er „aus Versehen“ herunter geladen und er wisse auch gar nicht, warum er diese Dateien nicht wieder gelöscht habe.

Die Frage des Gerichts, ob er denn in Erwägung gezogen hätte, diese strafbaren Dateien und auch seine Kontaktperson im Internet der Polizei zu melden, verneinte der Angeklagte. Wer aber zur Polizei ging, als sie Kinderpornografie auf seinem Computer fand, war seine damalige Lebensgefährtin. Sie erschien am am 22. November 2016 auf dem Ludwigsburger Polizeirevier und erstattete Strafanzeige.

Ein Polizeibeamter berichtete als Zeuge vor Gericht darüber, was die Auswertung der Geräte des Angeklagten ergab: 3228 kinderpornografische Bilder, 450 kinderpornografische Videos, 803 jugendpornografische Bilder und 182 jugendpornografische Videos. Zum Suchverhalten des Angeklagten erklärte der Kripo-Beamte, dieser hätte unter „nude Kids“ (nackte Kinder) und „nude Teens“ (nackte Jugendliche recherchiert. Und das nicht erst seit 2016. Anhaltspunkte für die Verbreitung von Kinderpornografie oder aktiven, sexuellen Missbrauch hätte es aber keine gegeben.

Das Schlimmste: die Säuglinge

„Was das Schlimmste ist, sind die Säuglinge“, meinte die Staatsanwältin und forderte ein Jahr und sechs Monate Haft auf Bewährung für den Ersttäter. Das sei „mit Kanonen auf Spatzen geschossen“ plädierte der Verteidiger auf acht bis neun Monate.

Es bestehe das „große Problem“, sagte der Anwalt, „dass unsere Gesellschaft allgemein verroht und dass es so einfach ist, an so etwas dran zu kommen“.

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