Scorpions Rocklegenden heizen Fans im Schlosshof auf

Ludwigsburg / Carolin Domke 30.07.2018

Mit einem Überraschungseffekt fällt das riesige „Crazy World“ Tourbanner der Scorpions zu Boden. Die Zuschauer recken die Köpfe, jubeln und pfeifen, während noch das Intro über die Bildschirme läuft. Klaus Meine und Co. lassen sich allerdings noch etwas Zeit. Spannung liegt in der Luft. Drummer Mikkey Dee legt schließlich als erster los und die Scorpions betreten am Freitagabend passend mit ihrem Hit „Going out with a Bang“ die Bühne der KSK Music Open im Residenzschloss Ludwigsburg.

Auch wenn die mittlerweile schattige Lage im Schlosshof etwas für Abkühlung sorgt, so heizen die fünf Bandmitglieder ihre Fans wieder richtig auf, stehen bei „Coast to Coast“ zu viert – an den Gitarren Klaus Meine, Rudolf Schenker, Matthias Jabs und am Bass Pawel Maciwoda - in vorderster Front auf dem langen mittleren Bühnensteg und reizen dabei die Saiten der Gitarren ordentlich aus. Zwischen den Liedern werfen sie gelegentlich Sticks und Plektren in die jubelnde Menge. „Heute ist auch die Mondfinsternis. Ich hoffe, euer Blick geht aber nach unten auf die Bühne zu uns“, unterhält Meine und kann sich der Blicke sicher sein, als es mit Hits aus Zeiten, als die Scorpions noch in der Rockfabrik in Ludwigsburg gastierten, weitergeht. Dazu erscheinen auf den Bildschirmen psychedelische Farbenspiele zu „Steamrock Fever“ und „Speedy‘s Coming“, welche die Fans auf einen virtuellen LSD-Trip schicken.

Ein prägnantes Pfeifen

Dann wird es sentimental. „Wollen wir eure Schrittmacher mal ins Schwingen bringen,“ scherzt der Frontsänger und schon folgen die ersten Takte von „Send me an Angel“, begleitet von einem lauten Jubelchor. Einziger Wermutstropfen, heute leuchten nicht die Feuerzeuge wie in den 90er-Jahren, sondern die Handydisplays. Trotzdem verbreitet das Lied eine selige Stimmung und Wärme. Ein prägnantes Pfeifen erklingt, und jeder weiß, was jetzt folgt: „Wind of Change“. Diesmal übernimmt Meine allerdings nicht den Hauptsänger, sondern überlässt den Refrain dem Publikum, das textsicher das Lied der Hoffnung singt.

Auch nach über 50 Jahren Bandgeschichte, fällt der erfolgreichsten Rockband aus Europa immer wieder etwas Neues ein, wie sie ihre Fans überraschen kann. Mit einem Tribut wird der im Jahr 2015 verstorbenen Frontmann von Motörhead, Lemmy Kilmister geehrt – so der Wunsch von Mikkey Dee, der bevor er 2016 zu den Scorpions kam, bei Motörhead die Sticks auf Hi-Hat, Becken und Drums schlug. Doch damit nicht genug: Ein Teil der Bühne wird plötzlich über Seile in die Luft gehoben und Dee spielt auf seinem Podest in völliger Ekstase und schwindelerregender Höhe ein circa zehnminütiges Schlagzeugsolo, was die Menge in völlige Rage bringt.

Über 50 Jahre Bandgeschichte

Ein Spezialeffekt jagt den nächsten und bringt sogar die Gitarre von Rudolf Schenker zum Dampfen, die bei „Blackout“ mit einem zusätzlichen Auspuff ausgestattet ist, aus dem, während er spielt, Rauch nach hinten hinaus bläst. Zum vorerst letzten Song „Big City Nights“ sind die Fans so aufgeheizt und feiern mit ihrer Band eine riesige Party, dass sie zum Abschluss lautstark eine Zugabe fordern. Ihr Wunsch wird gewährt. Hinzu kommt ein Überraschungsgast – ein junger Gitarrist, Damian Lasar, den die Band in einer Passage in Buenos Aires getroffen habe, während dieser einen Scorpions Song interpretierte. Nach seinem Solo während dem Lied „Still loving you“ ist nicht nur das Publikum, sondern auch der junge Youtuber selbst überwältigt. Zum krönenden Abschluss folgt noch „Rock you like a Hurricane“ bevor sich die Scorpions nach einem zweistündigen Konzert verabschieden.

Info Am Dienstag tritt Joan Baez vor dem ausverkauften Schlosshof auf. Karten gibt es noch für die Sommernacht der Opernstars am Mittwoch und für Freundeskreis am Samstag.

www.ksk-music-open.de

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