In dem Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht geht es seit zwei Monaten um eine Eskalation zwischen zwei Ludwigsburger Rockerclubs. Es geht darum zu erfahren, wer einen Schuss in die Shisha-Bar in der Bahnhofstraße in Asperg abgefeuert und die Scheibe der Eingangstüre dabei zertrümmert hat. Den Vorfall rechnet die Staatsanwaltschaft den seit Jahren andauernden Auseinandersetzungen des nationaltürkischen Rockerclubs Osmanen Germania BC und des kurdischen Netzwerks Bahoz zu. Die verfeindeten Gruppen lieferten sich im Kreisgebiet erbitterte und teils blutige Handgreiflichkeiten (die BZ berichtete).

Weiterer Waffenvorfall

Dem 24-jährigen Angeklagten wird außerdem noch ein weiterer Vorfall mit der Waffe vorgeworfen: Wenige Tage danach habe er in Eglosheim auf das Auto des Asperger Shisha-Bar-Wirts geschossen und den Beifahrer dabei verletzt. Das gibt er zu, nicht aber den Schuss-Anschlag auf die Shisha-Bar. Die Schüsse auf das Fahrzeug habe er aus Angst vor einem Angriff abgegeben. Der Staatsanwalt betonte, dass der Angeklagte mit der Schießerei Rache üben wollte, für einen Überfall vom Januar 2017, bei dem er von einer Gruppe der Osmanen Germania halbtot  geschlagen wurde.

Nunmehr hat die Stuttgarter Schwurgerichtskammer zum einen jenen Landsmann des Angeklagten als Zeugen vernommen, der angeblich geschossen habe. Der werde sich zu der Tat bekennen, so der Beschuldigte. Doch der Zeuge verwies  auf sein Aussageverweigerungsrecht. Selbst die Zugehörigkeit der Beteiligten zum Rockermilieu wurde bestritten. Und der Inhaber der Shisha-Bar wies im Zeugenstand den Verdacht weit von sich, jemals mit kurdischen Rockern zu tun gehabt zu haben. Beamte der Ludwigsburger Kriminalpolizei wurden vernommen, die damals bei den Ermittlungen  mitgewirkt und Beweismittel erhoben haben. Dabei zeigte sich, dass  das Projektil, welches auf die Asperger Shisha-Bar abgefeuert wurde, spurlos verschwunden ist.

Polizeibeamte versuchten  herauszufinden, wo sich der Angeklagte an jenem Abend aufhielt. Sein Handy sei zum Tatzeitpunkt in Asperg eingebucht gewesen, heißt es. Doch er  wohnt in Asperg, somit gilt dies nicht unbedingt als Beweis.Vorstrafen wegen Verabredung zum versuchten Mord und Besitz von Kriegswaffen, sowie Beteiligung an einer Gruppenvergewaltigung zieren das Zentralregister. Die letzte Strafe: knapp sechs Jahre Haft. Von den Rockerclubs habe er sich inzwischen losgesagt. Der Prozess ist noch auf mehrere Tage terminiert.