Engagement Projekt mit Vorzeigecharakter wird landesweit angeboten

Laura Pletzer und Daniel Neumann stellten im Rahmen des Theaterprojekts „Achtung?!“ zwei Freude da, die in unterschiedliche radikale Richtungen abgedriftet sind. 
Laura Pletzer und Daniel Neumann stellten im Rahmen des Theaterprojekts „Achtung?!“ zwei Freude da, die in unterschiedliche radikale Richtungen abgedriftet sind.  © Foto: Foto. Q-rage
Von Günther Jungnickl 16.08.2018

Inzwischen kann „Erfinder“ Jürgen Hauber darüber lachen. Als er Mitte 2015 nämlich seine Idee Polizeipräsident Frank Rebholz vortrug, fragte der erst einmal skeptisch: „Gehört das zur Polizeiarbeit?“ „Nein, ist aber notwendig“, antwortete Hauber. Und dann setzte er sich doch mit seinem Projekt gegen Extremismus und Radikalisierung durch, zumal es finanziell mit EU-Geldern in Höhe von einer guten Viertelmillion Euro unterstützt wurde, der Restbetrag musste das Polizeipräsidium tragen. In diesem Jahr wird es Neunt- und Zehntklässlern aller weiterführenden Schularten landesweit angeboten.

Kernelement ist dabei ein Theaterstück über zwei befreundete Teenager, die sich auf ganz unterschiedliche Art radikalisieren: Der eine wird rechtsradikal, der andere muslimisch. Wobei natürlich auch ihre Freundschaft zerbricht. Und dieses Stück wurde nicht nur Schülern, sondern auch Lehrern und Eltern gezeigt.

Darüber hinaus gab es zur Nachbearbeitung Fachvorträge von kompetenten Sicherheitsexperten der Polizei, des Bundeskriminalamts und  des Verfassungsschutzes  sowie eine Ausstellung mit   Informations- und Fortbildungsmaterial.

Denn Hauber und seinen beiden ebenfalls sehr engagierten Helferinnen Andrea Glück (Ludwigsburg) und Türkan Karakus (Böblingen) war klar, „dass wir uns dem Thema Radikalisierung nicht verschließen dürfen“. Aber so fragte sich Polizist Jürgen Hauber: „Wie können wir Jugendliche vor solchen Menschen- und  Rattenfängern bewahren?“ Auf Anregung von ihm schufen deshalb auch Studenten der Filmakademie Ludwigsburg zusätzlich authentische Porträts von Aussteigern aus der Extremistenszene, die dann den Schülern gezeigt wurden.

Ideen eingearbeitet

58 Mal wurde das Stück von Schauspielern der Q-rage-Bühne gespielt - und wenn von Schülern, Lehrern oder Eltern zusätzliche Ideen eingebracht wurden, gab es Änderungen der Texte. „Es war immer auch ein lernendes Theaterstück“, kommentierte Hauber diese Flexibilität. Gespielt wurde unter anderem auf der großen Bühne des Scala oder auch nur im Klassenzimmer, also zuweilen auch unter extremen Bedingungen. Externe Partner waren darüber hinaus unter anderem auch die Landeszentrale für politische Bildung, die Stiftung „Weltethos“ in Tübingen und der baden-württembergische Ableger des „Weißen Ring“.

Alles in allem hatte dieses Projekt Vorzeigecharakter und deshalb wird es auch inzwischen landesweit vom Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration über das „Kompetenzzentrum gegen Extremismus in Baden-Württemberg“ (konex) angeboten.

Im Polizeipräsidium Ludwigsburg will man aber auf alle Fälle weitermachen, auch wenn Polizistin Türkan Karakus ihren Abschied von der „Achtung?!“-Geschäftsstelle genommen hat, weil sie sich wieder „normaler“ Polizeiarbeit widmen muss. Für alle aber gab es noch einmal großes Lob aus berufenem Mund durch Ex-Präsident Eberhard Stilz (Oberlandesgericht Stuttgart): „Beispielgebende Polizeiarbeit“.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel