Gericht Polizisten in den Finger gebissen

Ludwigsburg / Heike Rommel 30.07.2018

Ein wohl eher seltener Fall landete kürzlich vor dem Ludwigsburger Amtsgericht. Weil er seinen Ausweis nicht zeigen und auch nicht mit aufs Revier wollte, biss ein 38-jähriger Ludwigsburger einem Polizisten in den Finger. Jetzt bekam er dafür eine Geldstrafe mit 90 Tagessätzen zu je zehn Euro.

Die Polizeibeamten trafen am Mittag des 23. Julis 2017 auf den Angeklagten. Sie wollten wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung des Mannes, dessen Ausweis sehen. Der Gesuchte aber verweigerte dies. Die Polizisten hatten ein Blitzerfoto dabei gehabt, erzählte der Angeklagte, und gesagt, dass er die Person auf dem Foto sei. „Wenn Sie sagen, dass ich das bin, wieso soll ich dann meinen Personalausweis zeigen“, habe er entgegnet, dazu haben Sie kein Recht.“ Um die Identität dessen Mannes zu prüfen, sollte er daraufhin mit ins Revier kommen.

Im Schwitzkasten

Auf seine Weigerung hin habe ihn ein Polizist in den Schwitzkasten genommen und seinen Kopf an die Wand gedrückt, so der 38-Jährige. Er sei gestürzt und habe den Beamten aufgefordert, ihn loszulassen. Als ihm eine Beamtin im Wagen noch „den Beifahrersitz gegen das Knie geknallt“ habe, reichte es ihm wohl, und er biss zu. „Wir waren nicht willkommen“, kommentierte der gebissene Polizist das Geschehen. Da der Ludwigsburger penetrant den Ausweis verweigert habe, sei gar nichts anderes übrig geblieben, als ihn mitzunehmen. Plötzlich habe der Mann um sich geschlagen, ihn ins Gesicht getroffen und ihn in den Finger gebissen. Er habe Verstärkung anfordern und ins Krankenhaus müssen. „Er war aggressiv und auf Stress aus“, erklärte der Beamte hinterher als Zeuge. Ihm sei nach der Auseinandersetzung der Nagel abgefallen und ein halbes Jahr nicht mehr nach gewachsen. Sein Mandant habe Prellungen und Schürfwunden davon getragen, hielt der Verteidiger dagegen. „So einen Widerstand hatte ich noch nie“, sagte eine Polizistin. Der Angeklagte, so die Polizistin weiter, „hatte in Kauf genommen, dass wir verletzt werden“.

Als Entlastungszeugin brachte der Verteidiger die Mitbewohnerin des Angeklagten. Sie gab an, Letzterer habe laut um Hilfe gerufen und der Polizeibeamte habe ihm bei der Festnahme den Finger in den Mund gesteckt. Unglaubwürdig wurde es für die Staatsanwaltschaft und das Gericht jedoch, als der Beschuldigte behauptete seine Hände die ganze Zeit in den Hosentaschen gehabt zu haben. Denn das sei der Beweisaufnahme nach nicht möglich. Die Polizisten, so das Gericht, hätten sich rechtskonform verhalten.

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