Schwerpunkt Städtepartnerschaft Politik erschwert die Partnerschaft

Ludwigsburg trifft auf Caerphilly. Christine Süß auf einem Treffen mit der Partnerstadt. Rechts neben ihr der ehemalige Bürgermeister John Bevan aus Caerphilly. :
Ludwigsburg trifft auf Caerphilly. Christine Süß auf einem Treffen mit der Partnerstadt. Rechts neben ihr der ehemalige Bürgermeister John Bevan aus Caerphilly. : © Foto: Stadt Ludwigsburg
Ludwigsburg / Ifigenia Stogios 09.06.2018

Durch fünf Städtepartnerschaften beweist Ludwigsburg, dass sie eine Stadt ist, die offen für einen regen internationalen Austausch ist. Allerdings es ist nicht immer einfach, den Kontakt zu den Partnerstädten aufrecht zu erhalten, denn die politische Lage mancher Länder legt der Partnerschaft Steine in den Weg.

Mit der walisischen Stadt Caer-
philly besteht eine Städtepartnerschaft seit 1960. Damals bestand eine regionale Partnerschaft zwischen Baden-Württemberg und Wales. Ein Aufruf an die Gemeinden führte dazu, dass Ludwigsburg und die walisische Stadt Caerphilly dank einiger Gemeinsamkeiten ­– wie etwa ihre Schlösser – sich für eine Städtepartnerschaft entschieden. „1961 ging es direkt mit dem Schüleraustausch los“, sagt Christine Süß vom Ludwigsburger Städtepartnerschaftsbüro. Erst waren es Schüler des Friedrich-Schiller-Gymnasiums, später auch das Mörike-Gymnasium.

Ende der 1990er-Jahre kam die walisische Nationalpartei Plaid Cymru an die Macht. Bis dahin haben die Waliser meistens Deutsch als Zweitsprache an der Schule gehabt. Das änderte sich. Die neue Partei führte die walisische Sprache als Zweitsprache in den Schulen ein, Deutsch musste weichen. Diese Tatsache habe den Schüleraustausch zwischen Deutschland und Wales beeinträchtigt, sagt Süß: „Wir haben uns vom klassischen Schüleraustausch verabschiedet.“ Der Austausch ist nämlich nicht mehr sprach- sondern projektbezogen.

Das heißt, die gemeinsame Sprache ist Englisch. Das hat wiederum dazu geführt, dass im Gegensatz zu früher weniger walisische Schüler Ludwigsburg besuchen.

Doch auch wenn der Austausch auf einer anderen Ebene stattfindet, bleibt der Zusammenhalt erhalten, bestätigt Süß. Am 22. Juni erwartet Ludwigsburg Jugendliche aus Caerphilly, die mit der DJK Ludwigsburg trainieren werden. Für dieses Projekt hat die Stadt keinen EU-Zuschuss beantragt. Die Schüler zahlen selbst Flug und Unterkunft. Eine weitere politische Veränderung, der Brexit, wird möglicherweise die Treffen nach Austritt Großbritanniens aus der EU erschweren. Noch haben sich die zwei Städte keine Gedanken darüber gemacht, berichtet Süß.

Brexit löst Veränderungen aus

Nach dem Austritt Englands wird einiges anders sein. Davon geht Ludwigsburgs Hauptamtsleiter Robert Nietzsche aus, der Caerphilly im November letzten Jahres besucht hat. „Die Einreisebestimmungen werden sich ändern und auch die Projektzuschüsse der EU fallen weg“, sagt er. Süß rechnet mit einem „gewissen bürokratischen Aufwand“. Zudem kommt noch hinzu, dass Caerphillys wirtschaftliche Lage „nicht auf Rosen gebettet ist“, so Nietzsche. Doch er bleibt zuversichtlich: „Wir werden über den Brexit hinaus den Kontakt aufrecht erhalten.“

Eine weitere Partnerstadt von Ludwigsburg ist Jevpatorija. Die Stadt liegt auf der ukrainischen Halbinsel Krim und ist seit 1990 eine Partnerstadt von Ludwigsburg. Im Rahmen des kulturellen Austauschs gründete der ehemalige Lehrer and der Evangelischen Hochschule und Stadtmusikdirektor Siegfried Bauer dort bereits im Jahr 1995 ein Kammerorchester. Bis heute arbeiten Musiker aus der Küstenstadt und der Barockstadt bei gemeinsamen Projekten eng zusammen.

Die politische Lage dort ist laut Nietzsche sehr kritisch. Projekte mit der Partnerschaft liegen vorerst auf Eis. Das Auswärtige Amt rät inzwischen von Reisen auf die Halbinsel Krim dringend ab: „Bundesbürger haben dort keinen diplomatischen Schutz“, sagt Süß. Die Krim gehört aus Sicht der Bundesregierung völkerrechtlich weiterhin zur Ukraine, wird aber derzeit  von Russland kontrolliert. Das hält aber nicht jeden Ludwigsburger davon ab, die Stadt auf eigene Gefahr zu besuchen. Der Verein „Frauen für Frauen“ reiste erst im vergangenen Jahr nach Jevpatorija und hält den Kontakt.

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