Dass sie mal bei Oberbürgermeister  Werner Spec auf der Rückbank des Autos sitzen, wäre den anwesenden Pressevertreter wohl nicht im Traum in den Sinn gekommen. Und doch kam es bei einem Pressetermin in der MHP-Arena dazu. Vorgestellt – und auch sogleich am eigenen Laib getestet – wurde das Pilotprojekt „Testfeld Parken 4.0@LB“. Zukünftig soll es möglich sein, via Internet nicht nur Tickets für Veranstaltungen in der MHP-Arena zu buchen, sondern sich auch gleich einen festen Parkplatz zu reservieren, zu dem man via Parkleitsystem gelotst wird. Durch einen festen Parkplatz entsteht weniger Parksuchverkehr, weniger Stau, weniger Stress und natürlich wird weniger CO2 ausgestoßen.

124 000 Euro kostet das Projekt

Das Pilotprojekt ist ein gemeinsames Projekt des Innovationsnetzwerks „Living LaB“ Ludwigsburg, das bereits viele digitale Lösungen unter Realbedingungen in Ludwigsburg getestet hat, der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB), die Betreiber der Ludwigsburger Parkhäuser sind, und der Firma MHP, einer Porsche-Tochter mit Sitz in Ludwigsburg, die sich mit Mobilität der Zukunft beschäftigt. Die Kosten des neuartigen Parksystems betragen insgesamt 124 000 Euro, die Hälfte wird vom Land aus dem Programm „Städte und Gemeinden 4.0 – Future Communities“ gefördert.

OB Spec biegt auf der Martin-Luther-Straße nach rechts ins Parkhaus der MHP-Arena ein und fährt auf die Schranke zu. Das Mobiltelefon mit dem geöffneten QR-Code kurz an den Sensor halten und schon geht die Schranke hoch, ein Ticket ist nicht nötig. Über ein Wegeleitsystem mit leuchtenden Pfeilen ist klar, wohin der Fahrer muss. Auf einem Schild am Parkplatz steht das Kennzeichen sowie „Guten Tag Werner Spec“. Einparken, Motor aus und ab zum Event in der MHP-Arena. Der Parkplatz wird so ausgesucht, dass der Weg zum persönlichen Sitzplatz möglichst kurz ist.

Aktuell gibt es in der MHP-Arena 15 der insgesamt 300 Parkplätze, die mit diesem smarten System ausgestattet sind. „In den nächsten Wochen wird es von MHP-, SWLB- und Stadt-Mitarbeitern getestet“, sagt Christian Schneider, zweiter Geschäftsführer der SWLB. Noch stecke das Pilotprojekt in der Beta-Testphase, kleine Fehler müssten erst ausgemerzt werden, bevor das Parken 4.0 von Bürgern genutzt werden kann. Angelegt ist die Testphase auf ein Jahr. Die Nutzung könne ausgeweitet werden. Vor allem in großen Parkhäusern sei der Einsatz sinnvoll, da schlecht Parken zu langem Laufen führen könnte, erklärt Dr. Oliver Kelkar, Leiter der MHP-Labs. Vorstellbar sei der Einsatz aber auch über Städtegrenzen hinweg, ergänzt Schneider.

In Ludwigsburg entwickelt

Entwickelt wurde diese digitale Parklösung im MHP-Lab in der Hindenburgstraße in Ludwigsburg. Dort wuseln kreative Köpfe umher, tüfteln an verschiedenen smarten Lösungen. Beim Besuch der BZ vor einigen Wochen sind vor allem die flexiblen Räume aufgefallen, die durch wenige Handgriffe den Anforderungen angepasst werden können.

Nachdem die Grundidee erdacht ist, wird erst im MHP-Lab herumgebastelt und ausprobiert, ehe der Einfall unter Realbedingungen im Rahmen des „Living LaB“ Ludwigsburg in der Stadt getestet und immer wieder nachjustiert wird, bis die neue Technologie großflächig zum Einsatz kommen kann.

So funktioniert’s, so wird Falschparken vermieden


Wie wird verhindert, dass sich ein anderer Autofahrer auf den reservierten Parkplatz stellt? Auf dem Schild erscheint dann in roter Schrift „Parkplatz bereits belegt“. Nimmt der Falschparker das Schild visuell nicht war, macht es auch auf auditiver Ebene auf sich aufmerksam und piepst penetrant. Bleibt der Falschparker trotzdem stehen, erkennt das System das und lotst den Fahrer mit Reservierung auf einen der anderen Smart-Parkplätze. Für solche Fälle werden laut Oliver Kelkar von MHP 0,8 Parkplätze freigehalten.

Das System funktioniert über Ultraschall-Sensoren und einer Infrarotkamera, die sich erst einschalten, wenn das Auto vorfährt. Das Nummernschild wird erkannt, Daten werden verrechnet und nicht gespeichert, Datenschutz ist laut MHP dadurch gegeben. hevo