Ludwigsburg / UWE MOLLENKOPF Die Nachfrage nach Beratung beim Pflegestützpunkt des Kreises befindet sich weiter auf hohem Niveau. Diese Bilanz zog Frank Kruse im Kreis-Sozialausschuss. Ob man mehr Personal braucht, darüber waren sich die Kreisräte nicht einig.

Wenn jemand aus der Familie pflegebedürftig wird, kommen auf die Angehörigen eine Menge Fragen und Probleme zu. Orientierung bieten die Pflegestützpunkte, die es im Kreishaus (Pflegestützpunkt Landratsamt) und in den Großen Kreisstädten (Pflegestützpunkt Städte) gibt. Sie werden vom Kreis beziehungsweise den Kommunen gemeinsam mit den Pflegekassen getragen.

Die Bilanz des Pflegestützpunkts des Landratsamtes für das vergangene Jahr verzeichnet insgesamt 3102 Beratungen von Klienten, ein kräftiger Zuwachs gegenüber 2012 von knapp 500. Ursache für diesen steigenden Bedarf an Beratung ist die demografische Entwicklung, das heißt der höhere Anteil älterer Menschen. Im vergangenen Jahr kümmerten sich vier Mitarbeiterinnen, verteilt auf zwei Vollzeitstellen, um die Ratsuchenden.

Wie dem Bericht von Frank Kruse von der Kreisverwaltung zu entnehmen war, hat sich der Anteil der Kontaktaufnahmen beim Pflegestützpunkt, die von den Klienten selbst initiiert wurden, erhöht. Die größte Zunahme bei den Beratungsthemen gab es bei den Fragen zur häuslichen Versorgung: Themen wie hauswirtschaftliche Hilfen, 24-Stunden-Versorgung und osteuropäische Haushaltshilfen machten im vergangenen Jahr 70 Prozent der Beratungen aus.

Bei den Themenkomplexen Eigenvorsorge (Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung, gesetzliche Betreuung) und Betreutes Wohnen gab es eine Steigerung von je elf Prozent. Außerdem wurden im Rahmen des Projekts "Nach der Diagnose" betroffene Menschen in der Frühphase einer Demenz beraten. Insgesamt sei die Nachfrage nach Beratung für Angehörige von Menschen mit Demenz stabil gewesen, so die Bilanz, die Frank Kruse vorstellte.

Ein deutlicher Anstieg wurde im Bereich des sogenannten Case-Managements (Fallsteuerung) registriert. Waren 2011 noch 37 Klienten versorgt worden, so stieg diese Zahl 2012 auf 91 Klienten und 2013 auf 167. Dabei handelt es sich um eine zeitintensive Beratung, Unterstützung und Begleitung, die auch Arbeit im Umfeld des Pflegebedürftigen einschließt. Damit solle der Wunsch von Klienten nach Betreuung zuhause unterstützt werden, erläuterte Kruse.

In diesem Jahr wird ein Projekt aufgebaut, in dem es um sozialfachliche Stellungnahmen für die Beurteilung von Sozialhilfe-Leistungen bei Hilfe- und Pflegebedürftigkeit geht. Ziel ist es, vorrangig die häusliche Versorgung zu stabilisieren und einer verfrühten Heimaufnahme entgegenzuwirken. Ab 1. Februar 2014 wurde eine dafür vorgesehene 0,5-Stelle geschaffen.

Ginge es nach den Grünen, hätte das Personal noch weiter aufgestockt werden müssen. Doch eine ganze Stelle, wie von der Verwaltung bei den Haushaltsberatungen beantragt, war nicht mehrheitsfähig gewesen, wie Grünen-Kreisrätin Kathrin Voigt bedauerte. Dagegen bekräftige Steffen Bühler (CDU) die Ansicht der Union, dass nicht immer nur zusätzliches Personal die Lösung sein könne. So gebe es auch Beratungsmöglichkeiten vor Ort in den Kommunen, etwa bei den Diakoniestationen. Und auch die neuen Medien könnten eingesetzt werden, zeigte sich Bühler kreativ und warf schon mal die Möglichkeit einer "Beratungs-App" in den Raum.
 

Kreis fördert Pflege-WGs

Der Sozialausschuss hat am Montag die Förderrichtlinien für Pflege-Wohngemeinschaften beschlossen. Demnach sollen diese verteilt im Kreis entstehen und nicht an stationäre Einrichtungen angebunden sein. Gefördert werden die Ausstattung, also zum Beispiel Haushaltsgeräte oder der Esstisch, und die barrierefreie Gestaltung. Die WGs dürfen bis zu zwölf Menschen umfassen. Diese können sowohl ambulant betreut als auch selbstverantwortlich dort wohnen.

Die maximale Förderung beläuft sich auf 50.000 Euro pro Pflege-WG. Bei einem Förderbudget für sechs WGs ergibt das ein Volumen von 600.000 Euro. Die Kreisverwaltung geht davon aus, dass die Wohngemeinschaften in den nächsten drei bis fünf Jahren entstehen werden. 2014 könnten bei Haushaltsmitteln von 100.000 Euro maximal zwei unterstützt werden. Für Heike Dierbach vom Fachbereich Soziales, Pflege und Versorgungsangelegenheiten ist es aber fraglich, ob es dieses Jahr noch klappt. Die Nachfrage sei verhalten.