Schon jetzt fehlen in den Ludwigsburger Kindergärten ständig etwa 30 Erzieherinnen. Zugleich aber steigt der Bedarf: Um die Nachfrage in den nächsten Jahren abdecken zu können, bräuchte es 150 zusätzliche Betreuungskräfte. Doch woher nehmen – zumal Stuttgart und die Nachbarkreise ebenfalls händeringend nach Erziehern suchen? Die Verwaltung hat jetzt ein Elf-Punkte-Programm vorgelegt, das Ludwigsburg im Wettstreit um pädagogische Fachkräfte nach vorne bringen soll. Es kostet 750 000 Euro – jährlich.

Bis 2013 waren die Kommunen damit beschäftigt, Kindertagesstätten zu bauen, um dem Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz Rechnung zu tragen. Nun sind die Kitas da, aber in immer mehr Einrichtungen müssen die Betreuungszeiten verkürzt oder Gruppen gestrichen werden, weil das Personal fehlt. Bundesweit werden beinahe wöchentlich komplette Kitas geschlossen. In Stuttgart können nach jüngsten Aussagen von Bürgermeisterin Isabel Fezer mehrere Hundert Stellen nicht besetzt werden. Auch manche Kita in den Nachbarkreisen nähert sich bereits der kritischen Grenze.

Zwei Jahre lang hat eine Arbeitsgruppe in Ludwigsburg nach Auswegen aus der Misere gesucht, sagt Renate Schmetz, die Leiterin des Fachbereichs Bildung und Familie: „Aber es gibt nicht die eine Lösung.“ Darum habe man jetzt eine Liste mit elf Punkten, die erfolgversprechend erscheinen, aufgelegt. Auch die Stadt Esslingen diskutiert zurzeit eine ähnliche Vorschlagsliste. „Das ist das bisher komplizierteste Maßnahmenpaket, das wir dem Gemeinderat vorlegen“, sagt Schmetz. Das reicht von diversen Werbekampagnen über ein regelmäßiges Mitarbeitercoaching und Hilfe bei der Wohnungssuche bis zu einer deutlichen Aufstockung der PiA-Stellen – die Praxisintegrierte Ausbildung, die helfen soll, den Pool an Fachkräften zu vergrößern.

„Außerdem wollen wir die Möglichkeiten, die das Tarifrecht bietet, besser ausschöpfen“, sagt Schmetz. Um etwa die Leiterinnen der bisher zwölf Ludwigsburger Kinder- und Familienzentren (KiFaz) zu entlasten, sollen sogenannte Funktionsstellen geschaffen werden. Wer in diesen Schaltstellen zwischen KiFaz-Leitung und ausschließlicher Kinderbetreuung Verantwortung übernimmt, soll das auch im Portemonnaie spüren: Der höherwertigen Qualifikation soll eine Höhergruppierung in der Gehaltsklasse entsprechen.

Von sogenannten Fangprämien hält die Fachbereichsleiterin jedoch nichts. Stuttgart verspricht Fachkräften 100 Euro und die Stadt Herrenberg (Kreis Böblingen) sogar 200 Euro über Tarif. „Ich bin davon nicht überzeugt“, sagt Schmetz, „trotz dieser Zuschläge fehlen denen die Mitarbeiter.“ Für Ludwigsburg ziehe sie dieses Mittel nur in Betracht, falls eine bestimmte Stelle über einen langen Zeitraum nicht wieder besetzt werden könne. „Bei allen Maßnahmen ist es wichtig, dass auch alle Träger davon profitieren“, sagt Bürgermeister Konrad Seigfried. Eine Konkurrenz der Träger untereinander sei unsinnig. Es könne nicht Ziel sein, dass etwa alle städtischen Einrichtungen einen guten Personalschlüssel hätten, während die Kirchen oder andere freie Träger Kinder nach Hause schicken müssten. Die Strategie sei mit allen abgestimmt.

Dass es nun diese Personalnot an Kitas gibt, hat wesentlich damit zu tun, dass Ausbildung und Nachwuchsförderung mit der enormen Zunahme an Stellen nicht Schritt halten konnten. Verschärft wird die Situation aber noch dadurch, dass Erzieherinnen, wenn sie wählen können, lieber im Regelkindergarten arbeiten als im Schichtbetrieb einer Ganztagseinrichtung.

Was oft den ganz einfachen Grund hat, dass sie selbst Kinder haben und so die eigene Familie besser managen können. Gleichzeitig hat der Bund die Vorgaben für Qualifikation und Ausbildung erhöht – und beabsichtigt, dies bis zum Jahr 2025 auch auf die Schulkindbetreuung auszudehnen, wo bisher kaum jemand über eine pädagogische Ausbildung verfügt. „Wir hoffen, dass dafür Umschulungsmaßnahmen angeboten werden“, sagt die Fachbereichsleiterin Schmetz. Man könne nicht auch noch dafür den Kitas die Fachkräfte abspenstig machen.

Sofern der Gemeinderat die neuen Anreize für Erzieherinnen genehmigt, soll das Programm von 2020 an umgesetzt werden. Konrad Seigfried und Renate Schmetz machen sich dennoch keine Illusionen: „Es werden trotzdem keine Massen bei uns landen.“