Ludwigsburg Parkinson: Eine frühzeitige Therapie lohnt sich

Zu typischen Anzeichen von Parkinson gehören Steife Arme und Hände. Infolgedessen lässt der Tastsinn nach. Patienten bewältigen alltägliche Aufgaben nur schwer allein und sind auf die Hilfe ihrer Angehörigen angewiesen.
Zu typischen Anzeichen von Parkinson gehören Steife Arme und Hände. Infolgedessen lässt der Tastsinn nach. Patienten bewältigen alltägliche Aufgaben nur schwer allein und sind auf die Hilfe ihrer Angehörigen angewiesen. © Foto: Uwe Anspach
Von Ifigenia Stogios 31.08.2018

Zitternde Hände, Steifigkeit und Unbeweglichkeit: Das sind nur manche Symptome, worunter Parkinson-Patienten leiden. Parkinson ist eine Erkrankung des Nervensystems, bei der vor allem die Beweglichkeit und der Bewegungsablauf gestört werden. Studien gehen davon aus, dass sich die Zahl der Patienten bis 2030 verdoppeln wird, teilt die AOK mit.

Doch warum überhaupt nimmt die Zahl der Patienten zu? „Parkinson ist eine Erkrankung des höheren Menschenalters, je älter man also wird, desto wahrscheinlicher ist es, darunter zu leiden“, erklärt Neurologe Martin Schabet, der bereits seit 20 Jahren an der Ludwigsburger Klinik arbeitet und Parkinson-Patienten betreut.

Er berichtet, wie es zur Erkrankung kommt: „Teile des Nervensystems gehen zugrunde.“ Das findet in der schwarzen Substanz (Substantia nigra) des Gehirns statt, wo Dopamin produziert wird. Dieser Gehirnteil steuert Bewegungen. Sobald nicht ausreichend Dopamin zur Verfügung steht, entsteht Parkinson. Die Ursache dafür sei unbekannt.

Selten genetisch bedingt

Nur bei fünf Prozent der Patienten ist die Krankheit genetisch bedingt. „Diese werden früher krank“, so Schabet. Die Patienten lassen sich in drei Typen untergliedern. Beim ersten steht das Zittern im Vordergrund, der zweite Typ leidet unter Steifigkeit und Unbeweglichkeit und der dritte hat alle vorerwähnten Symptome. „Es fängt schleichend an“, sagt Schabet. „Der Krankheitsbeginn liegt bei 60 Jahren, es gibt aber auch jüngere Patienten.“

Das Zittern sowie die Steifigkeit beginnen zuerst nur auf einer Seite des Körpers, so ist zu Beginn beispielsweise nur der eine Arm betroffen. Typisch für Parkinson ist das „Ruhezittern“. Das heißt, es beginnt, wenn der Patient entspannt ist, bei Bewegung verschwindet es. „Wir erleben es häufig, dass der Patient erst wegen Schulter-Arm-Schmerzen über den Orthopäden zu uns kommt“, berichtet der Professor.

Die Feinmotorik funktioniert nicht mehr, die Hand wird langsamer, das Schreiben sowie das Zuknöpfen fallen einem schwer. Später wird auch das Gehen mühsamer, die Schritte kleiner bis hin zum Tippeln. Auch die Stimme ändert sich. „Sie klingt monoton und der Patient verfügt nicht über eine differenzierte Sprachbetonung, seine Stimme ist heiser.“

Auch die Mimik ist davon betroffen. „Der Gesichtsausdruck wird steifer, man spricht von einer Hypomimie. Mit der Zeit kommt es zu kognitiven Einschränkungen.“ Das heißt, das Gedächtnis und die Konzentration lassen nach, Sinnestäuschungen und Halluzinationen kommen vor.

In fortgeschrittenen Stadien kommt es auch zur Demenz. „Es gibt Patienten, die innerhalb weniger Jahre stark behindert werden und andere, die noch 20 Jahre sehr fit bleiben.“

Gewisse Beobachtungszeit

Bis es feststeht, dass jemand an Parkinson erkrankt ist, „braucht man manchmal eine gewisse Beobachtungszeit“. Zwar ist die Krankheit nicht heilbar, doch gerade am Anfang sei eine Verringerung der Symptome möglich. In der Regel lasse sich der Parkinson medikamentös gut behandeln. Deswegen lohne es sich früh mit der Therapie zu beginnen, betont der Arzt. Ein Teil der Patienten komme dennoch erst nach Jahren zur Behandlung. Bereits entstandene Einschränkungen, lassen sich dann nur schwer umkehren. „Es kommen aber auch Patienten zu mir, die gar kein Parkinson haben, obwohl es heißt, sie würden schon jahrelang darunter leiden“.

Medikamente muss der Erkrankte auf Dauer nehmen. „Wir fangen mit kleinen Dosierungen an und erhöhen sie im Laufe der Zeit“, erklärt Schabet. Patienten über 70 bekommen einen Dopamin-Ersatz namens „L-Dopa“, der sie beweglicher werden lässt und im Alter besser verträglich ist. Bei jüngeren Patienten werden „Dopamin-Agonisten“ eingesetzt. Auch sie fungieren als Dopamin-Ersatz und verbessern die Beweglichkeit. Für geistig fitte Patienten kommt auch eine Hirnstimulation infrage. Eine weitere wirksame, dennoch aufwendige Therapie, die bei etwa fünf Prozent der Patienten durchgeführt wird, ist eine Dauerinfusion von „Apomorphin“ unter die Haut. Außerdem ist eine kontinuierliche Therapie mit dem L-Dopa über einen Schlauch im Dünndarm möglich. So werden Krankheitssymptome gelindert.

Neben der medikamentösen Therapie empfehlt Schabet Physiotherapie und Logopädie. „Die Patienten üben, laut genug zu sprechen. „Früher sind Parkinson-Patienten oft innerhalb von wenigen Jahren gestorben und heutzutage können sie viele Jahre bei guter Lebensqualität verbringen.“

Anzahl der Parkinson-Patienten

753 Patienten gab es in der Region Rems-Murr im Jahr 2016, teilt die AOK mit. Im Jahr 2014 waren es 946 und 2012 913. Bundesweit leiden rund 250 000 bis 280 000 Menschen unter Parkinson.

1552 AOK-Versicherte Parkinson-Patienten wohnen in der Region Ludwigsburg-Rems-Murr, wie die Gesundheitskasse in ihrem Schreiben bekannt gibt. Die Erkrankungsrate entwickelt sich weiter. bz

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