Schwerpunkt Verborgene Orte Parallelwelt unter dem Schlossdach

Christian Skora, Teamleiter des Sicherheitsdiensts im Schloss führt die BZ durch die entlegensten Ecken des Ludwigsburger Schlosses. Fernab vom Prunk ist Holz, Staub und Dunkelheit zu finden, aber auch einiges, das dem Besucherauge verborgen bleibt.
Christian Skora, Teamleiter des Sicherheitsdiensts im Schloss führt die BZ durch die entlegensten Ecken des Ludwigsburger Schlosses. Fernab vom Prunk ist Holz, Staub und Dunkelheit zu finden, aber auch einiges, das dem Besucherauge verborgen bleibt. © Foto: Helmut Pangerl
Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber 25.08.2018

Herrschaftlich fühlt sich der Besucher des Ludwigsburger Barockschlosses beim Durchschreiten des Schlossinnenhofs. Die Königs- oder Herzogtreppe lässt sich elegant empor schreiten in die Beletage, wo sich im 18. Jahrhundert die Reichen und Schönen aufhielten. Selten gibt es die Möglichkeit, noch eine oder mehrere Etagen höher zu gelangen. Über den prunkvoll ausgestatteten Herrschaftszimmern, sowie den Appartements für Gäste, Adlige und dem Herrscher, wenn er sich einmal fernab des Protokolls bewegen wollte, gab es auch ein Leben. Ein Leben fernab vom Glanz.

Betritt man die Cavalierstreppe, wird klar: Hier fängt eine andere Welt an. Während der herrschaftliche Treppenaufgang aus breiten und gleichmäßig gestaltete Steinstufen besteht, wechselt das Material nach dem Überwinden einiger Türen: Die Treppen sind aus Holz. Abgerundet sind die Stufen durch das häufige Auf- und Absteigen. „Oben bewegte sich kein Herzog“, sagt Sarah Erdmann von der Schlossverwaltung, die mit der BZ eine exklusive Tour durchs Schloss fernab des Prunks wagte. In der Etage über dem Adel sowie hinter den repräsentativen Räumen lebten die Bediensteten, die der feinen Gesellschaft nahe standen, etwa Kammerzofen. Über unauffällige Tapetentüren, die fast unsichtbar in die Wände eingearbeitet sind, konnten die Diener sich nach getaner Arbeit über Treppen und Gänge wieder entfernen.

Die Zimmer der besseren Diener haben noch recht hohe Decken, zum Teil auch Tageslicht und Öfen. Sogar einige aufgemalte Ornamente sind an der Decke zu erkennen. Kleine Türchen fallen auf. „Das sind Heizgänge für Öfen und Kamine. Es war Aufgabe der Kinder, dort hineinzukriechen und das Feuer anzuheizen, damit es die Adligen warm hatten“, erklärt Erdmann. Bemitleidenswert? Wohl kaum. „Diese Dienerschaft war trotzdem privilegiert. Sie musste keine Feldarbeit verrichten und war mit Kost und Logis sowie einer recht guten Entlohnung versorgt“, sagt Erdmann.

Treppauf, treppab führen die verborgenen Gänge durchs Schloss. Es müssen zahlreiche Türen überwunden werden, die meisten werden heutzutage nur noch selten geöffnet. Herr der Schlüssel ist Christian Skora, Teamleiter des Sicherheitsdiensts im Schloss. Einen dicken Schlüsselbund trägt er mit sich, denn der Zugang zu diesen Bereichen des Schlosses ist zumeist aus Sicherheitsgründen untersagt.

Neben der besseren Dienerschaft gibt es die Räume der niederen Bediensteten. Über steile Stiegen gelangt man in kleine Zimmer. Die Decke ist erdrückend nieder, die Luft ist stickig, das Atmen fällt schwer, von Tageslicht keine Spur. Obwohl heutzutage in den meisten, auch noch so kleinen Räumen Licht installiert wurde, ist zu erahnen, wie das Leben in diesem Teil des Schlosses aussah. Jeder noch so kleine Raum wurde zum Wohnen oder als Stauraum genutzt.

Fachwerk im Schloss

Der Blick hinter die Fassade zeigt, dass dem Schloss ein Fachwerk zugrunde liegt. Die freiliegenden Balken erzählen eine 300-jährige Geschichte, der Staub ist in manchen Bereichen zentimeterhoch. Wie auch auf dem Dachboden über dem Ordenssaal. Dort ist durch das Dach die Rückseite der Ziegel zu sehen, durch die Ritzen pfeift der Wind, es riecht muffig nach altem Holz und Staub. Die Wände im Dienerbereich sind zum Teil beschädigt. Holzstreben, aufgefüllt mit Gips, Papier und Stroh, darüber Putz, liegen frei.

Ein besonderes handwerkliches Kunstwerk ist ebenfalls über eine steile, knarzende Holztreppe im Alten Hauptbau des Schlosses zu erreichen: Das Uhrwerk, das in einem Holz- und Metallgestell steckt und üppig verziert ist. „Das zeigt, dass das bereits um 1800 etwas besonderes war“, sagt Erdmann. Das historische Uhrwerk ist für Besucher nicht zugänglich, auch in keiner der zahlreichen Sonderführungen des Schlosses. Aus Sicherheitsgründen – sowohl für Besucher als auch für die Uhr.

Samstagsschwerpunkt – das sind die Themen

Mit verborgenen Orten im Kreis Ludwigsburg beschäftigt sich die BZ im heutigen Schwerpunkt am Samstag. Einen exklusiven Einblick in die Klimabox der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen gibt es auf Seite 11. Die Geschichte des Sachsenheimer Wehrturms  als Arrestzelle und des nahegelegenen Bannkellers ist auf Seite 12 nachzulesen. Was im Bönnigheimer Rathauskeller alles zu finden ist, steht auf Seite 13. Der geschichtsträchtige Enzweg in Besigheim wird auf Seite 14 vorgestellt. Und ebenfalls einen Weg mit spannender Vergangenheit ist der Pleidelsheimer Damm (Seite 15). bz

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