Ludwigsburg Ort der Luftmessstation ist der Grund allen Übels

250 Teilnehmer wurden bei der ersten Pro-Diesel-Demonstration in Ludwigsburg gezählt. Weitere sollen in den nächsten Monaten folgen.
250 Teilnehmer wurden bei der ersten Pro-Diesel-Demonstration in Ludwigsburg gezählt. Weitere sollen in den nächsten Monaten folgen. © Foto: Uwe Roth
Von Uwe Roth 02.02.2019

Nach der Landeshauptstadt hat nun auch Ludwigsburg eine Protestgruppe, die gegen ein Dieselfahrverbot auf die Straße geht. Am Freitagnachmittag marschierte sie mit etwa 250 vorwiegend älteren Teilnehmern vom Rathaus zur Hohenzollernstraße und nach einer kurzen Kundgebung wieder zurück in die Innenstadt. Nicht wenige Demonstranten trugen eine gelbe Warnweste. Sie soll an die Bürgerproteste in Frankreich erinnern. Während es in Stuttgart bereits ein Fahrverbot für ältere Dieselfahrzeuge gibt, könnte ein solches Ludwigsburg in diesem oder im nächsten Jahr drohen.

Feind ist die Umwelthilfe

Direkt vor der aus ihrer Sicht falsch aufgestellten Luftmessstation an der Friedrichstraße, die von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) seit 2003 dort betrieben wird, durften die Demonstranten keinen Stopp einlegen, damit der dichte Straßenverkehr nicht länger als nötig gestört wird.

Initiator von Pro-Diesel ist der ehemalige Mann-und-Hummel-Manager Dieter Seipler. Der 72-Jährige hat die Transparente besorgt, auf denen zu lesen stand „Stoppt die Falschmessungen der LUBW“, „Keine Dieselfahrverbote in Ludwigsburg“ und „Keine Feinstaub-/NO2-DUH-Lügentote“. DUH steht für die Deutsche Umwelthilfe, die auch bei dieser Demonstration zum einigenden Feindbild geworden ist. Die Ansprache des Initiators ist allerdings größtenteils im Straßenlärm untergegangen. Der kleine Bluetooth-Lautsprecher war zu schwach, um die Ohren der Protestierenden zu erreichen. Seipler kündigte an, im Februar und im März die Demonstrationen wiederholen zu wollen.

Laut genug war dagegen die Reden erprobte Stimme von Oberbürgermeister Werner Spec, der sich unter die Kundgebung gemischt hatte. Er sagte, dass er auch den Standort der Messstation kritisch betrachte. „Ich habe gewisse Zweifel, dass die an dieser Stelle gemessenen Werte repräsentativ ist“, sagte er unter Beifall der Demonstranten. „Wir werden das Autofahren nicht verteufeln“, fuhr er fort.

OB bietet Zusammenarbeit an

Der Oberbürgermeister bot der Initiative „seine Zusammenarbeit“ an. „Wir werden Kontakt halten“, versprach Spec, der aber auch betonte, dass die Stadt unabhängig von der Messstation alles unternehmen werde, die Schadstoffwerte zu senken. Spätestens Ende 2020, so versicherte er, würden diese Ziele erreicht sein. Bis Jahresende werde die Verkehrstechnik digitalisiert sein, um die Verkehrsströme flüssiger zu machen. Die Polizei hatte am Freitag gleich zwei Demonstrationszüge durch die Stadt zu leiten. Allerdings zu unterschiedlichen Zeiten. Am Vormittag demonstrierten etwa 300 Schüler gegen den Klimawandel. Eine Demo für den Diesel und eine Demo zum Schutz des Klimas – für OB Spec hat nach seinen Worten beides ihre Berechtigung. „Ich finde es toll, wenn junge Menschen für ihre Zukunft kämpfen“, sagte er. Am Montag gebe es ein Treffen mit den Initiatoren der Schülerdemos.

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