Zukunft Organspende“ heißt ein Projekt, das Sozial- und Integrationsminister Manfred Lucha (Bündnis 90/Die Grünen) gemeinsam mit der Region Baden-Württemberg der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) vor Kurzem startete. Mit Mitteln der Baden-Württemberg-Stiftung soll es mehr Schulungen für Ärzte und Pflegende auf den Intensivstationen der Kliniken geben. Das Land unterstützt schon seit Jahren die Ausbildung von Transplantationsbeauftragen an den Krankenhäusern. Im Klinikum Ludwigsburg/Bietigheim, einem von 120 Krankenhäuser in der Region, die für die DSO arbeiten, ist dies Dr. Monica Bürle. Sie begrüßt die Initiative, da, „es nie schaden kann, wenn noch mehr Ärzte über die Regularien der Organspende und der Organtransplantation Bescheid wissen.“

Seither ist es ihre Aufgabe, das medizinische Personal über die Abläufe bei einer Organspende zu informieren. Mit der Schulung weiterer Ärzte und des Pflegepersonals, so Bürle, würden die Informationen breiter gestreut und unter Umständen durch breitere Streuung die Zahl der Organspenden höher. Bisher schwankt, so sagt sie, die jährliche Zahl an Organspendern in den letzten zehn Jahren zwischen zwei und zwölf. „Wenn man dabei bei jedem Organspender fünf Organe entnehmen kann, ist das natürlich bei zehn Spendern schon viel und würde 50 Menschen das Leben retten“, sagt Dr. Bürle, die Fachärztin für Anästhesiologie auf der Intensivstation ist. Doch durch mehr Aufklärung könne man die Zahl der Organspender sicher noch erhöhen, und das sei wünschenswert. Denn noch, so sagt sie, seien Organspenden an Krankenhäuser zu selten.

Bewusstsein schaffen

Ihre Aufgaben und die künftiger geschulter Personen sind: die Erkennung möglicher Organspender, die Überprüfung der Spendereignung, die Diagnostik des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls, die Angehörigenbegleitung, organprotektive Intensivmaßnahmen und Organentnahmen. Es gibt dabei Unterstützung durch externe Experten, Neurologen, Entnahmechirurgen, Transplantierte und Angehörige von Organspendern. Bisher ist es Monica Bürle, die im gesamten Haus dafür zuständig ist, Patienten, wie sie sagt, zu eruieren, die entweder schon irreversible Ausfälle am Groß-, Kleinhirn und dem Hirnstamm haben, das heißt hirntod sind. Oder die an schweren Schädigungen des Gehirns leiden und bei denen klar ist, dass diese in absehbarer Zeit irreversibel werden. Kommt der Patient als Organspender in Frage, weil der Gehirntod von zwei Fachärzten festgestellt wurde, und hat er einen Organspendeausweis oder die Angehörigen, so Bürle, können glaubhaft versichern, dass er seine Organe spenden will, setzt sie den Organtransplantationsprozess in Gang.

Der Patient wird weiter, wie sie sagt, „am Funktionieren gehalten, bis die Logistik durch die DSO so weit organisiert wurde“. Im Krankenhaus Ludwigsburg und durch deren Ärzte werden alle vorhergehenden Untersuchungen durchgeführt, die feststellen, welche Organe zur Entnahme in Frage kommen. Die Entnahme selbst wird durch Ärzte aus den Krankenhäusern getätigt, die die jeweiligen Organe für einen ihrer Patienten benötigen.

„Manchmal ist es schwer absehbar, ob ein Patient für eine spätere Organspende in Frage kommt, da würde mehr Personal, das ausgebildet ist, sicher einiges bewirken können“, so Bürle. Noch sei das Bewusstsein für eine Organspende nicht sehr ausgeprägt. „Viele meinen zum Beispiel, dass ihr 90-jähriger Verwandter nicht für eine Organspende in Frage kommt, weil er zu alt ist. Das stimmt so nicht“, sagt sie. Geschultes Personal könne in so einem Fall direkt aufklären. Zudem seien „Schulungen nie verkehrt, vor allem, da die Regelungen für eine Organspende sich ständig verändern“.