Schwerpunkt Tourismus Noch ein steiniger Weg bis zur Gartenschau im Remstal

Ludwigsburg / Uwe Roth 14.04.2018

In knapp einem Jahr wird die Remstal-Gartenschau eröffnen. Die Stadt Remseck bildet am Zusammenfluss von Rems und Neckar sozusagen den Abschluss eines mehr als 80 Kilometer langen Ausstellungsgeländes entlang des Flusses. Das beginnt auf 550 Höhenmeter in Essingen bei Aalen (Ostalbkreis) und endet 350 Meter tiefer am südöstlichen Rand des Landkreises Ludwigsburg. Dazwischen liegt der Rems-Murr-Kreis.

Die unterschiedlichen Zuständigkeiten für die Planungen der bisher in Baden-Württemberg einmaligen Gartenschau markieren die Herausforderungen: Neben den drei Landkreisen sind 16 Kommunen sowie der Verband Region Stuttgart (VRS) beteiligt. Der VRS schießt rund zwei Millionen Euro zu. Vom Land kommen weitere drei Millionen Euro dazu.

Insgesamt sind es somit 20 kommunalpolitische Gremien, die über die finanzielle Ausstattung des interkommunalen Projekts zu entscheiden haben und über die Entwürfe der Architekten befinden. Seit 2010 laufen die Planungen. Im März 2015 wurde die Remstalgarten 2019 GmbH beim Amtsgericht Stuttgart ins Handelsregister eingetragen.

Aufwertung der Flusslandschaft

Die grundlegende Idee ist: Die Flusslandschaft der Rems wird aufgewertet. Dies ist eine Herausforderung, da entlang des Rems­tals zahlreiche Gewerbegebiete direkt an der Uferböschung enden. Einen durchgängigen Wander- und Radweg zu schaffen ist aus gleichem Grund ebenfalls schwierig. Die Rems, die zwischen vierspuriger Bundesstraße und Eisenbahnstrecke kaum ins Auge fällt, solle ein Dorado für Kanufahrer werden. Das wird aber lediglich abschnittsweise gelingen. Neben dem Fluss werden die beteiligten Kommunen über insgesamt 500 Kilometer Fuß- und Fahrradwege verbunden sein.

Bauprojekt jeder Kommune

Jede Kommune soll außerdem ein zentrales Bauobjekt schaffen, das einem künstlerischen Anspruch gerecht wird – oder auch nicht. Neben Kommunalpolitikern und Genehmigungsbehörden werden auch die Bürger in die Planungen einbezogen. Die zeigen sich von den Plänen ihrer Gemeinde nicht immer begeistert. Vor allem größere Projekte gerieten in die Kritik. Bereits im November 2016 lehnten die Einwohner von Kernen über einen Bürgerentscheid einen mit Kosten von bis zu 200 000 teuren Aussichtssteg ab, wobei der VRS die Hälfte übernommen hätte. In Urbach stimmen am 22. April Bürger darüber ab, ob ein sogenanntes Waldhaus für 400 000 Euro gebaut werden soll.

Auch in Remseck gehen die Planungen und Umsetzungen der Projekte nicht reibungslos über die Bühne: Die 26 000 Einwohner-Stadt, die knapp zwei Millionen Euro in die Gartenschau investieren möchte, hat sich einiges vorgenommen. Schon länger für die Bevölkerung zugänglich ist ein Stück Neckarstrand gegenüber dem Rathaus. Der wird mit einem „naturnahen Wasserspielplatz“ erweitert. Von Neckarrems wird auf der Rems ein Schwimmsteg gelegt. An anderer Stelle werden „schwimmende Gärten“ auf Flößen angelegt. Diese können vom Ufer aus bestaunt werden.

Das Ende der Rems was bisher ein Anlegesteg für kleine Privatboote. Die sind bereits weg. Doch auch zahlreiche Bäume mussten gefällt werden, um Uferflächen zu gewinnen. Das wurde in der jüngsten Gemeinderatssitzung insbesondere von den Grünen heftig kritisiert, die in dieser Frage die Bevölkerung hinter sich sehen. Als Architekturprojekt wollte Remseck fünf nebeneinanderstehende historische Badehäuser auf dem Fluss errichten lassen. Sie sollten 70 000 Euro kosten und lediglich der Kunst dienen – oder dem Schutz bei Regen. Teile des Gemeinderats kritisierten die Ausgabe als „reine Geldverschwendung“. Inzwischen musste das Objekt aus pragmatischen Gründen verkleinert werden. Statt fünf entstehen nur drei Badehäuser nah am Ufer der Rems. Damit am 10. Mai 2019 zur Eröffnung alles fertig wird, muss in Remseck noch einiges passieren. Bis zum 20. Oktober 2019 soll die interkommunale Remstal-Gartenschau geöffnet bleiben.