Ludwigsburg Newcomer trifft auf lokale Blues-Legende

Ludwigsburg / Bettina Nowakowski 19.11.2018

Aus dem Blues ist alles an Musik entstanden, da liegen die Wurzeln für Bands wie die Rolling Stones oder Beatles und alle folgenden“, meint Wolfgang Schmidt, der zusammen mit seinem Partner Alf List zum elften Mal die „Blues & Boogie Night“ in Zusammenarbeit mit dem Scala in Ludwigsburg organisierte. Internationale Künstler des Blueslabels Stormy-Monday-Records aus Kornwestheim standen am Samstagabend auf dem Programm.

Im ausverkauften Scala konnte man sich gleich zu Beginn auf einen besonderen Genuss freuen. Der erst 24-jährige Blues-Newcomer Dominic Schoemaker aus der Schweiz eröffnete den Abend mit seiner Band, die in der Besetzung mit Andi Schnellmann (Bass), Chris Heule (Keyboard) und Richard Spooner (Drums) ihr Debüt in Deutschland gab. „Er spielt den Blues wie ein Alter“, kündigte Alf List den Musiker an. Und in der Tat: Dominic Schoemaker überzeugte schon in den ersten Takten seines Songs „That’s Cold‘“ mit einem groovigen und virtuosen Gitarrenspiel, inspiriert vom Chicago Blues, und einer rauen, bluesigen Stimme. Trotz seiner jungen Jahre stand Schoemaker schon mit Philipp Fankhauser auf der Bühne und tingelte mit Bob Stroger durch Chicagoer Clubs. Mitreißend und mit einer sympathischen Bühnenpräsenz war der Ausnahmemusiker die Entdeckung des Abends und eroberte das Publikum im Handumdrehen.

Eine etwas ruhigere Gangart schlugen anschließend das auch privat verbundene Duo Jan Hirte und Alex La Duuz mit Blues, Soul und Swing an.

Das Publikum zeigte sich in der Pause sehr angetan. „Die Mischung ist sehr gut, vor allem der junge Schweizer war toll“, so eine Besucherin aus Ludwigsburg. Viele waren schon mehrmals bei der „Blues & Boogie Night“ im Scala. „Leider wird so was heute nicht mehr so viel gespielt“, so ein Besucher aus Stuttgart. „Das war früher noch anders.“ Umso mehr wüsste man so eine Veranstaltung zu schätzen. Das freut auch Wolfgang Schmidt und Alf List. „Blues und Boogie sind inzwischen eine Nische, die aber sehr viele Fans hat“, weiß List. Leider finde diese Musik nicht mehr häufig im öffentlich-rechtlichen Rundfunk statt. „Da sind nur noch die Top 100 der Charts interessant.“

Künstlern eine Plattform geben

Umso wichtiger sei es, mit so einer Live-Veranstaltung den Künstlern eine Plattform zu geben. Anfangs sei das ein großes Risiko gewesen, so Wolfgang Schmidt. „Aber unser Publikum ist stabil, und mit neuen Bluesmusikern wie Dominic Schoemaker fühlen sich auch jüngere Leute angesprochen.“

Zu den „alten Hasen“ und Meister ihres Fachs zählt unbestritten der Boogie Woogie und Blues Pianist Henning Pertiet, der dieses Jahr auch bei Jazz im Olymp in Bietigheim zu Gast war. Das ehemalige Bandmitglied der Moju Blues Band ist nicht nur ein begnadeter Pianist, sondern auch ein amüsanter Geschichtenerzähler. Vom temperamentvollen Boogie bis zum gefühlvollen Blues reichte die Palette und gipfelte in einer gemeinsamen Performance mit Jan Hirte, Alex La Duuz, Andi Schnellmann und Alf List am Schlagzeug.

Krönender Abschluss des abwechslungsreichen Abends war schließlich der Auftritt des „schwäbischen Blues-Sizilianers“ Calo Rapallo mit Band. Mit Blues und Rock vom Feinsten überzeugte er das Publikum, das die nachfolgende Blues-Session aller Musiker mit stehenden Ovationen und minutenlangem Applaus belohnte. Ein gelungener Abend mit dem Fazit: Der Blues lebt – und wie.

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