Führungswechsel Neustart nach 21 Jahren Invitare

Bettina Weidenbach (Mitte) war 21 Jahre lang Chefin bei der Stiftung Invitare. Sie übergibt nun das Zepter an Stefanie Hecht-Weber und Thomas Asendorf.
Bettina Weidenbach (Mitte) war 21 Jahre lang Chefin bei der Stiftung Invitare. Sie übergibt nun das Zepter an Stefanie Hecht-Weber und Thomas Asendorf. © Foto: Richard Dannenmann
Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber 13.02.2019

Es wäre für mich furchtbar gewesen, dem Nachfolger nur einen Zettel zu schreiben, ohne ihn zu kennen“, sagt Bettina Weidenbach. Mit 51 Jahren will’s die Chefin und Gründerin der Stiftung Invitare in Ludwigsburg, noch mal wissen. „In mir brennt’s, ich will etwas Neues anfangen“, sagt sie im Gespräch mit der BZ.

„Etwas Neues“ heißt für sie, nach 21 Jahren bei Invitare die Koffer zu packen und in Hamburg einen Neuanfang zu wagen. Es sei ihr Jugendtraum, einmal in der Hansestadt zu leben. Nicht jedoch, ohne die gemeinnützige Stiftung für Mutter und Kind, die sich um Alleinerziehende, schwangere Mädchen und Menschen in Notsituationen kümmert, in guten Händen zu wissen. Dafür hat sich die Chefin gleich zwei Nachfolger gesucht: die 50-jährige Stefanie Hecht-Weber, die bereits seit zwei Jahren bei Invitare arbeitet. Anfangs nur zwei Vormittage die Woche, dann sei die Ludwigsburgerin in den sozialpädagogischen Bereich eingestiegen. „Ich möchte die Menschen begleiten und unterstützen. Dafür schlägt mein Herz“, sagt die Diplom-Sozialpädagogin. Als Leitung der Stiftung, die auf Spenden und ehrenamtliche Helfer angewiesen ist, müssen auch die Finanzen im Auge behalten werden. Dafür ist seit Januar der „Mann im Backoffice“, wie er sich selbst nennt, zuständig: der 56-jährige Diplom-Betriebswirt Thomas Asendorf. Er stammt aus Bremen, hat schon in verschiedenen Teilen Deutschlands gearbeitet und ist nun für die Stiftung, die 2018 ihr 20-jähriges Bestehen feierte, nach Ludwigsburg gezogen. Die beiden seien sehr unterschiedlich, sagt Weidenbach. „Sie achten aber aufeinander und bringen viel Neues und Gutes mit.“ Die drei hätten in der Übergangsphase viel Spaß miteinander, so Weidenbach. Es sei daher ein gutes Verlassen, sie habe keine Angst um ihre Stiftung. „Wenn eine Leitung zu lang Leitung ist, hat das Unternehmen Schlagseite, denn jeder hat blinde Flecken“, sagt Weidenbach und lacht. Sie sei viel angeeckt, „aber wenn man keine Ecken und Kanten hat, stößt man die anderen nicht (an).“ Bereits nach dem zehnjährigen Bestehen ihrer Stiftung habe sie darüber nachgedacht, zu gehen. „Ich bin eine Pionierin. Ich gehe gern voraus und fange Neues an“, sagt die 51-Jährige. Sie höre immer wieder, dass die Stiftung doch ihr Kind sei und sie deshalb nicht gehen könne. „Mein Kind heißt nicht Invitare“, sagt Weidenbach, die aber tatsächlich Mutter ist, sogar dreifache. Bereits mit 14 Jahren bekam sie ihr erstes Kind, wodurch sie auch diesen starken Bezug zu jungen Müttern und schwierigen Lebenssituationen habe. Ihre Kinder, die heute 37, 34 und 27 Jahre alt sind, seien verständnisvoll. „Sie sagten mir, dass ich lang genug Mutter war, und nun ich sein darf“, sagt Weidenbach.

Der Umzug nach Norddeutschland ist nicht der erste Sprung ins kalte Wasser. Die gelernte Fernmeldetechnikerin war bei der Deutschen Telekom als Beamtin auf Lebenszeit angestellt, berichtet sie im Gespräch mit der BZ. Oft habe sie gehört, dass Invitare eine verrückte Idee sei, Ähnliches höre sie nun wieder. „Sicherheit ist kein Wort, das zu mir passt“, sagt sie dazu. „Spiel, Spannung, Spaß – das bin ich. Zumindest privat.“ Weidenbach habe die Verantwortung für die Stiftung getragen, aber nun merke sie, dass sie müde geworden sei. Die Verantwortung für die mehr als 100 Ehrenamtlichen, aber auch immer knapp kalkulieren zu müssen, „jetzt wird’s Zeit“. Die Invitare-Chefin schaue gerne und dankbar auf die Zeit zurück. „Ohne Invitare wäre ich nicht, wer ich heute bin“, sagt sie.

Viel erlebt bei Invitare

Es sei unglaublich, was sie alles erlebt habe, Menschen, die sie begleiten durfte, Geburten, die sie im Kreissaal miterlebt habe. Besonders „das frische Leben, das noch keine Geschichte hat“, habe sie beeindruckt. Aber auch die Begleitung von Müttern, die ihr Kind dann zur Adoption freigaben. „Ich möchte wieder an die Front“, sagt Weidenbach, während sie in Erinnerungen schwelgt. Invitare sei nun 21 und voll geschäftsfähig, scherzt die bisherige Leiterin. „Es braucht seine Mama nun nicht mehr“, deshalb wolle sie auch nicht im Vorstand bleiben. „Ich mache den Weg frei, damit etwas Neues entstehen kann“, sagt Weidenbach sichtlich zufrieden mit ihrem Entschluss und ihren Nachfolgern.

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