Startup Neues Denken in historischen Räumen

Immobilienmanager Andreas Naumann führte während der „Innolution Night“ durch Urbanharbor in der ehemaligen Zollingerhalle in Ludwigsburg.
Immobilienmanager Andreas Naumann führte während der „Innolution Night“ durch Urbanharbor in der ehemaligen Zollingerhalle in Ludwigsburg. © Foto: Uwe Roth
Ludwigsburg / Uwe Roth 16.06.2018

Das Gebäude hat etwas von einer Kathedrale. Nur stehen links und rechts nicht Kirchenbänke in Reih und Glied, sondern Schreibtische. Es ist die denkmalgeschützte Zollingerhalle mit ihrem beeindruckenden hölzernen Lamellendach in der Ludwigsburger Weststadt. Wo in früheren Jahren die Firma Ziemann die größten Braukessel ihrer Zeit produzierte, wird demnächst eine Denkfabrik der Porsche AG untergebracht werden.

Noch laufen die letzten Einrichtungsarbeiten. Am Donnerstag war die Halle aber schon mal Teil einer Führung über das etwa 140 000 Quadratmeter große Urbanharbor-Gelände von Max Maier. Der Investor hat in den vergangenen Jahren zwischen der Schwieberdinger Straße und der Grönerstraße zahlreiche Industrieflächen aufgekauft. Die ehemaligen Produktionshallen verwandelte er nach und nach in Büros, ohne die Bausubstanz großartig zu verändern.

Vermietet sind sie an große Unternehmen, wie neben der Porsche AG, die Deutsche Telekom und Bosch. Der Weltkonzern aus Gerlingen lässt in den alten Industriehallen unter dem Firmennamen „Bosch grow“ dem Mitarbeiternachwuchs sehr viel Raum für kreative Ideen. Es sind junge Boschianer in einer Art Silicon-Valley-Modus. Besprechungen finden mitten im Großraumbüro in abgeschlossenen Räumlichkeiten statt, die an eine große Sauna erinnern. Auf der Herrentoilette hängt ein Urinal fast unter der Decke. Man muss wachsen (to grow), um es nutzen zu können. Das ist die etwas um die Ecke gedachte Botschaft der neuen Bosch-Philosophie.

Zweite Runde im November

Anlass der Führung war die „Innolution Night“ am Donnerstag, in der sich Startup-Zentren in Stuttgart und Urbanharbor in Ludwigsburg präsentiert haben. „Innovation made im Ländle“ lautete das Motto. „Innolution“ ist ein Mix aus Innovation und Revolution. Die Veranstaltung baut auf das Innovationsfestival „Innolution valley“ auf, das im vergangenen November erstmals in Ludwigsburg stattfand. Im November soll es mit mehr als 4000 Teilnehmern in die zweite Runde gehen. Der Begriff Valley (Tal) scheint es den Initiatoren Johannes Gerhold, Gunnar Groß und Markus Elsässer angetan zu haben. Sie steuern ihre Aktivitäten von Leinfelden-Echterdingen (Landkreis Esslingen) aus.

Andreas Naumann ist bei Max Maier für die Bestandsbauten von Urbanharbor zuständig. Er führte am Donnerstag eine kleine Gruppe Neugieriger im Rahmen der „Innolution Night“ zur abendlichen Stunde durch die Hallen. Eine Werbetour musste es nicht werden. Denn die Räumlichkeiten sind derzeit ausgebucht, wie der Immobilienmanager berichtete. Mehr als 20 Firmen haben sich angesiedelt. Über 2000 Menschen arbeiten dort bereits. Etwa 3500 können es im Endausbau der Räumlichkeiten werden.

Die vorwiegend jungen Angestellten haben viel Platz, um ihre Gedanken freien Lauf zu lassen. Ihr persönlicher Arbeitsplatz dürfte manchmal größer sein als ihr Zuhause. Treffpunkt zur Mittagszeit ist eine 2000 Quadratmeter große – digitale – Kantine mit modernster Ausstattung.

Maier hätte die Fabrikhallen – sofern sie nicht denkmalgeschützt sind – abreißen lassen und anschließend verdichtet neu bebauen können. Sein Chef habe dies bewusst nicht getan, so Naumann. Für ihn habe das ökologische Gründe: Alten Beton zu schreddern, verschlinge eine Menge Energie und bereite ein Entsorgungsproblem. Stattdessen werde nun alter Industrieflair mit modernen Komponenten komponiert.

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