Ludwigsburg Neue Filtersäulen gegen Fahrverbote

Der Filterspezialist „Mann + Hummel“ hat am Donnerstag den Feinstaubfresser „Fiter Cube III“ vorgestellt. Vor der Firmenzentrale an der Schwieberdinger Straße in Ludwigsburg ist ein Gerät bereits in Betrieb.
Der Filterspezialist „Mann + Hummel“ hat am Donnerstag den Feinstaubfresser „Fiter Cube III“ vorgestellt. Vor der Firmenzentrale an der Schwieberdinger Straße in Ludwigsburg ist ein Gerät bereits in Betrieb. © Foto: Martin Kalb
Ludwigsburg / Uwe Roth 08.02.2019

Mit Kohlefasern und den Haaren der Kokosnuss will der Ludwigsburger Oberbürgermeister Werner Spec die Schadstoffwerte an der Messstation Friedrichstraße noch in den Griff bekommen und Dieselfahrverbote verhindern.

Diese Naturmaterialien sind in eine neuartige Filtersäule verbaut, die der Ludwigsburger Filterhersteller „Mann + Hummel“ am Donnerstag in seinem Technologiezentrum präsentiert hat. Die sogenannten „Filter-Cubes“ sind nach Firmenangaben in der Lage sowohl Feinstaubpartikel als auch Stickstoffdioxid (CO2) aus der Umgebungsluft zu saugen und in den Filtermaterialien zu binden. Wegen einer erhöhten CO2-Konzentration im Jahresdurchschnitt droht der Stadt das Urteil, ein Fahrverbot gegen ältere Dieselfahrzeuge verhängen zu müssen.

Laut Spec plant die Stadt bis zum Jahresende die Anschaffung von 23 derartigen Filtersäulen. Diese haben eine Grundfläche von knapp einem Quadratmeter und eine Höhe von 3,60 Meter. Die Säulen sollen in der Friedrichstraße rund 100 Meter vor und nach der Messstation auf beiden Straßenseiten und in der Straßenmitte in gleichmäßigen Abständen aufgestellt werden.

Nach Firmenangaben kostet eine Säule 20 000 Euro. Das bedeutet eine Gesamtinvestition von 460 000 Euro. Dazu kommen im Jahr knapp 83 000 Euro für den Wechsel der Filterkomponenten alle zwei Monate. Nicht berücksichtigt sind die Kosten für Kundendienst und Strom.

„Mann + Hummel“-Geschäftsführer Werner Lieberherr betonte, dass die in der Säule installierten Ventilatoren äußerst energieeffizient seien. Der Stromverbrauch sei mit dem eines Staubsaugers zu vergleichen.

Für die Investition erhofft sich Oberbürgermeister Werner Spec zusätzliche Fördermittel aus dem Sonderprogramm „Dieselpakt“ auf Bundesebene. Außerdem stünden Mittel aus dem Sofortprogramm „Saubere Luft“ zur Verfügung, die der Stadt bereits zugeteilt worden seien. Im Übrigen, so der Oberbürgermeister, seien die Kosten für den regelmäßigen Wechsel der Filter relativ. Der Kostenaufwand für die Reinigung des Akademiehofs, auf dem Partymenschen an jedem Wochenende Müll hinterließen, sei höher.

Am Stuttgarter Neckartor sind seit wenigen Wochen 17 Filtersäulen von „Mann + Hummel“ in Betrieb, die bislang Feinstaubpartikel absorbieren und für die CO2-Filterung aufgerüstet werden sollen. Der Pilotversuch wird vom Land mitfinanziert.

Was Christoph Erdmenger, Abteilungsleiter für nachhaltige Mobilität im Verkehrsministerium des Landes, als erste Bilanz und Prognose mitzuteilen hatte, dürfte den Ludwigsburger OB erfreut haben: Mit dieser zusätzlichen Komponente zur Luftreinhaltung könne die NO2-Konzentration am Neckartor „nahe an den Grenzwert gebracht werden“, so Erdmenger. Die Zeit dränge zwar, „aber es gibt Grund zum Optimismus“, hofft er. So habe bei Feinstaub die Partikelkonzentration um 10 bis 30 Prozent verringert werden können. „Das entspricht einem Rückgang von 40 Prozent an Fahrzeugen, die am Neckartor vorbeifahren“, sagte Lieberherr.

14 500 Kubikmeter Luft in der Stunde

Die Ventilatoren saugen bis zu 14 500 Kubikmeter Luft in der Stunde an. Bis zu 80 Prozent Feinstaubpartikel und Stickoxid bleiben in den Filterlagen hängen, erläuterte der „Mann + Hummel“-Geschäftsführer Werner Lieberherr. Über eine Steuerungselektronik lässt sich der Betrieb der Filter bedarfsgerecht einstellen. Damit kann der Anwender auf die aktuelle Luftqualität reagieren. Integrierte Sensoren erfassen Luft- und Wetterdaten, die in einer Cloud zusammengeführt und analysiert werden. Würde man die Fasern aus den drei Filterblöcken nebeneinanderlegen, könnte man 3000 Fußballfelder damit abdecken, umschreibt Geschäftsführer Werner Liebherr die Zusammensetzung der hauchdünnen Filterlagen. uro

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