Da hatte Jochen Zoller aus Ingersheim vor mehr als sechs Jahren doch eine zündende Idee: Er gründete kurzerhand eine Narrenzunft, die das närrische Treiben aus erster Hand auch nach Ingersheim bringt. Am Samtag war Rathaussturm.

Der Rathaussturm ist schnell zu einem Ritual geworden, bei dem Bürgermeister Volker Godel und die Erste Fasnetszunft Holma‘le sich herzlich in die Hände spielen. „Gemeinsam wollen wir es nun wagen und den Schultes zum letzten Mal aus dem Rathaus jagen“, kündigt Jochen Zoller an, der als Zunftmeister das Narrenzepter in der Hand hält. „Was sehe ich, mein Rathausplatz gefüllt mit Narren, der Weg verbaut zu meinem Karren“, ruft Bürgermeister Volker Godel den Hästrägern zu.

„Dass sein Nachfolger so toll mitspielt, bleibt zu hoffen“, erklärt der Zunftmeister augenzwinkernd mit Blick auf zwei von vier Bürgermeister-Kandidaten, die hier flott beim Schubkarrenrennen ihren Mann und ihre Frau stehen. Es sind Thorsten Majer und Simone Haist, ein Tag vor der Bürgermeisterwahl.

Galant balanciert Bauhofchef Biagio Silvestrini seine Schubkarre durch den Hindernisdschungel. Gemeinderäte treten an. Zum Rathhaussturm gehören Narrenspiele. Dämonen und Hexen treten gegen Rathausmitarbeiter an. Das ist überall so. Nach dem launigen Schlagabtausch zwischen Schultes und Zunftmeister ist der Weg frei für eine närrische Regentschaft bis Aschermittwoch.

Die närrische Ansprache formuliert der Zunftmeister in jedem Jahr selbst – in Reimform natürlich. „Ein letztes Mal du zum Volke winkst. Gib einfach nur den Schlüssel her“, fordert Zunftmeister Zoller den Schultes Volker Godel auf.

Eine Riesengaudi

Doch so wie es zunächst aussieht, kann der das Rathaus gar nicht verlassen. „Wir sitzen gefangen im Rathaus. Kein Narr kommt rein und wir nicht raus. Wir halten es aus in den nächsten Tagen, und wenn wir an den Möbeln nagen“, witzelt der scheidende Bürgermeister.

„Es ist schon allein eine Riesengaudi, die Wortschlacht in Reimen zu erleben, die die beiden sich liefern“, freut sich Teresa Forderer, eine von 41 Aktiven im Verein. „Drum beuge ich mich deiner Gesundheit wegen und werde dir freies Geleit aus dem Rathaus dir geben“, zeigt sich der Zunftmeister gnädig, und Volker Godel kontert: „Zunfti, was soll das jetzt sein? Du lädst mich nun zum Chillen ein?“ Da bleibt bei den Umstehenden kein Auge trocken.

Der Narrensturm beginnt bekanntlich spielerisch mit viel schwarz-rotem Rauch auf dem Rathausvorplatz. Schwarz-Rot sind die Farben der Zunft. Jochen Zoller, der Zunftmeister erzählt so Manches vom Selbstverständnis seiner jungen Zunft. Sie pflege  man schon jetzt gute Freundschaft mit dem Fanfarencorps aus Brackenheim-Meimsheim. Deshalb bringen die Meimsheimer Guggenmusiker auch das Rathaus zum Beben mit ihrem Getöse.

Jochen Zoller, der Begründer und Namensgeber hat sich auch das Häs selbst genäht, wie es Brauch ist bei den Narren. Und wie der urige Name der Zunft Holma‘le zustande kommt, erklärt er auch immer wieder gerne: „Die Hessigheimer hatten keine Brücke über den Neckar. Wenn sie nach Großingersheim wollten oder die Großingersheimer nach Hessigheim mussten sie den Fährmann rufen: Hol mal rüber“. Darum rankt sich eine wundervolle Geschichte, die man auf der Homepage der Zunft finden kann.