Wegen gewerbs- und bandenmäßigen Diebstahls müssen sich zwei mutmaßliche Kleiderdiebe vor dem Ludwigsburger Schöffengericht verantworten. Die 33-Jährige und ihr 45-jähriger Schwager schweigen bislang zum Tatvorwurf, in einem Geschäft des Marstallcenters lange Finger gemacht zu haben. Videoaufnahmen, die für eine Täterschaft sprechen, wurden als Beweismittel bereits gesichtet.

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft legt der Ludwigsburgerin und dem Kornwestheimer zur Last, am 5. November 2016 zusammen mit dem Ehemann der Angeklagten Kleider und Accessoires im Gesamtwert von rund 560 Euro gestohlen zu haben. Zur Beute gehörten neun Kinderjacken, ein Paar Kinderstiefel und eine Damenhandtasche. Nach der bisherigen Einschätzung des Gerichts ist die gewerbs- und bandenmäßige Tatbegehung zumindest deshalb infrage zu stellen, weil die Angeklagte vier Kinder hat und ihr mitangeklagter Schwager zwei Kinder. Der Gatte der 33-Jährigen sitzt nicht mit auf der Anklagebank, weil das Strafverfahren gegen ihn im Hinblick auf noch schwerer wiegende Taten eingestellt wurde.

Ein Motiv der beiden Angeklagten könnte gewesen sein, dass sie beide einen Großteil ihres Monatseinkommens darauf verwenden müssen, ihre jeweiligen Eigentumswohnungen abzustottern. Die Familie der Hausfrau lebt vom Einkommen ihres Mannes und die Familie des mitangeklagten Berufskraftfahrers von seinem.

Detektiv übergibt Videos

Das Ermittlungsverfahren in Sachen Marstallcenter hat der Detektiv des Bekleidungsgeschäftes ins Rollen gebracht. Er übergab der Polizei Videoaufnahmen. Beim Betrachten dieses Beweismaterials kam „die Blonde“ den Polizeibeamten als Begeherin von Eigentumsdelikten bekannt vor. Nach den zwei Männern mit der Wollmütze und der Basecap ließen sie gleich mit fahnden. Der Detektiv konnte den Tathergang auch beschreiben, denn er hat den Ladendiebstahl beobachtet, bis die Diebe ihre zahlreichen Plastiktüten, die in eine einzelne Tüte gestopft waren, gefüllt hatten und damit den Kassenbereich passiert, wodurch Alarm ausgelöst wurde. Die Diebe ergriffen Flucht.

Es fehlen Beweise

Um den Beschuldigten nachweisen zu können, dass sie zu einer Bande gehörten, fehlen Richterin Andrea Henrich und den Schöffen Beweise. Der Detektiv konnte aus Krankheitsgründen noch nicht als Zeuge aussagen und der Sachbearbeiter von der Polizei ist auch noch nicht vernommen. Der Strafprozess wird am Freitag, 15. März, um 10.15 Uhr im Saal E des Gerichtsgebäudes in der Schorndorfer Straße 39 fortgesetzt. Am ersten Verhandlungstag fand auf Initiative der Verteidigung bereits ein Rechtsgespräch mit dem Gericht und der Vertreterin der Staatsanwaltschaft statt, bei welchem der Verfahrensstand erörtert wurde. Verständigung zwischen den Beteiligten kam allerdings keine zustande.