Ludwigsburg Musikalische Delikatessen: Bariton Thomas Hampson im Forum

Bariton Thomas Hampson überzeugte mit seinen gefühlvollen Interpretationen und seiner sonoren Stimme.
Bariton Thomas Hampson überzeugte mit seinen gefühlvollen Interpretationen und seiner sonoren Stimme. © Foto: Helmut Pangerl
RUDOLF WESNER 28.01.2014
Eine musikalische Delikatesse erlebten Musikfreunde am Samstagabend im voll besetzten Forum, als dort das Streicherensemble Amsterdam Sinfonietta zusammen mit dem in den USA geborenen Bariton Thomas Hampson zu hören war.

Das war ein Liederabend von ganz ungewöhnlicher und zugleich auch besonders eindringlich wirkender Art. Dem Programmheft konnte ein Titel dafür entnommen werden: "Ein Spaziergang durch seelische Landschaften und menschliche Gedanken".

Seelische Landschaften wurden mit dem ersten Werk des von edlem, fülligen Streicherklang ebenso wie von der Ausstrahlung einer heute nur noch selten zu hörenden auffällig warmen, volumenreichen, in tiefen wie auch in höheren Lagen klaren Baritonstimme geprägten Abends musikalisch ausgemalt.

Arnold Schönbergs frühe Komposition "Verklärte Nacht", Opus vier, ursprünglich im Jahr 1899 noch im spätromantischen Stil als Sextett für Streicher geschrieben, erklang von der Amsterdam Sinfonietta unter der Leitung von Candida Thompson in einer 1943 von ihm erarbeiteten Orchesterfassung.

Aus zartesten Ansätzen in der Tonentfaltung wuchs ein kontrastreiches, dicht verwobenes, farbiges Klanggemälde, das von dem Ensemble mit Impulsivität und aufwühlender Emotionalität dargeboten wurde. Mit dieser Aufführung belegte die Amsterdam Sinfonietta ihren Ruf als eines der herausragenden europäischen Streichorchester nachdrücklich.

Menschliche Gedanken kamen in den Vertonungen von biblischen Texten oder in Gedichten von Edurad Mörike, Johann Wolfgang von Goethe sowie des Engländers Matthew Arnold zum Ausdruck. Die als Opus 121 veröffentlichten "Vier ernsten Gesänge" von Johannes Brahms sind dessen letzten Vokalwerke und basieren auf Texten des "Predigers Salomon". Gedanken an den Tod und Worte des Trostes lösten bei dem Kompositionen eigenständige Auseinandersetzungen mit den Textinhalten aus, die sich in seiner tief berührenden Tonsprache artikulierten.

Der Bariton Thomas Hampson interpretierte die vier Gesänge andachtsvoll, Gebeten eher gleichend als der Gestaltung von Kunstliedern, mit ernstem, nachdenklich stimmenden Ausdruck. Seine große, sonore Stimme zog die Zuhörer in den Bann.

Das Ensemble Amsterdam Sinfoniett begleitete den Solisten mit virtuosem und vitalem Streicherklang, wobei die kompliziert angelegten orchestralen Passagen transparent anklangen. Auch als einfühlsamer Interpret von Schubert-Liedern vermochte Thomas Hampson in "Memmon" nach dem Gedicht von Johann Mayrhofer, oder "Geheimes" von Johann Wolfgang von Goethe zu überzeugen, die er genussvoll ausbreitend ausführte.