Heutzutage bekommt das Thema Ernährung mehr Aufmerksamkeit“, sagte Friedlinde Gurr-Hirsch, Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, am Montag bei einem Besuch der Ludwigsburger Mensa, die Studenten der Pädagogischen Hochschule (PH) sowie der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen versorgt. Die Landtagsabgeordnete war von 2004 bis 2011 bereits in ihrer jetzigen Position als Staatssekretärin, die sie seit 2016 wieder eingenommen hat. In Zeiten von Klimastreiks und der politischen UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) sei Essen mehr in den Fokus gerückt, so die Politikerin.

Eine von drei Mensen

In diesem Sinne nimmt die Mensa Ludwigsburg, betrieben durch das Studierendenwerk Stuttgart, seit Mai am landesweiten Modellprojekt „Gutes Essen in Hochschulmensen“ teil. Ludwigsburg ist eine der drei teilnehmenden Mensen neben Ravensburg und Freiburg. Ziel ist, im Frühjahr 2020 die DGE-Zertifizierung „Study & Fit“, verliehen von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, zu erhalten. Der Anteil an regional und ökologisch erzeugten sowie fair gehandelten Lebensmitteln soll erhöht werden, eine Bio-Zertifizierung hat die Ludwigsburger Mensa bereits seit Längerem. Derzeit werden 13 Prozent der Waren in Bio-Qualität angeboten. Auch Nachhaltigkeit und das Vermeiden von Lebensmittelverlusten ist Teil des Programms. „Vor etwa zwölf Millionen Tonnen an Lebensmittelabfällen in Deutschland dürfen wir nicht die Augen verschließen“, betont Gurr-Hirsch. Der Fokus müsse auf Resteverwertung und Abfallvermeidung liegen, das schone nicht nur Ressourcen, sondern auch den Geldbeutel.

Tobias Engel, Qualitätsbeauftragter im Studierendenwerk Stuttgart, führte am Montag durch die gut besuchte PH-Mensa. „Wir wollen zeigen, dass es Alternativen zu Schnitzel und Pommes gibt“, erklärte Engel und verwies auf abwechslungsreich belegte Vollkornbrote sowie eine Früchtepyramide und Bio-Getränke. Seit vier Wochen gibt es in der Mensa auch das Mehrwegbecher-Pfandsystem „Recup“ statt Einwegbechern. Daraus können Studenten Bio-Kaffee, Bio-Tee und Bio-Schokolade schlürfen, je nach Wunsch mit Bio- oder laktosefreier Milch sowie Soja-Drink. „Es wurde der Wunsch nach einem Hafer- statt dem Soja-Drink an uns herangetragen“, berichtet Engel. Daher werde man zeitnah umsteigen.

Wünsche, Anmerkungen und Kritik werden über eine kostenlose App des Studierendenwerks Stuttgart geäußert.

Zielgruppe wird angesprochen

Dieses Informationsinstrument komme beim Zielpublikum gut an, erklärt der Qualitätsbeauftragte. Vor allem das direkte Feedback sei der Verwaltung wichtig, um zu sehen, was gewünscht wird und dementsprechend reagieren zu können. Auch Speisepläne und andere Infos werden über die App, die es seit 2014 gibt, gestreut, erklärt Tobias Burchard, Geschäftsführer des Studierendenwerks Stuttgart.

Für 1,90 Euro etwa wird in der Ludwigsburger PH-Mensa ein Müsli-Joghurt mit Früchten angeboten, allerdings bislang noch im Kunststoffbecher. „Das soll umgestellt werden“, so Engel. Auch die Brötchentüte mit Sichtfenster soll schon bald durch ein Modell mit einem Pergamin-Einsatz ersetzt werden. Der Vorteil: Pergamin ist durchsichtig, sodass die Kassiererin den Inhalt erkennen kann, aber auch kompostierbar.

Warum die PH für das Modellprojekt ausgewählt wurde? „Die PH ist eine besonders interessierte und aufmerksame Zielgruppe“, so Burchard. Auch die Überschaubarkeit – es werden 2000 Essen am Tag herausgegeben – sei von Vorteil, da experimentiert und schnell nachjustiert werden könne. Außerdem „produziere“ man Lehrer, die das erlernte Essverhalten in ihrem Beruf weitergeben können, so Gurr-Hirsch. Wenn man in den vier Jahren Studienzeit so liebevoll zubereitetes Essen vorfinde, „dann macht das was mit dir“, so die Staatssekretärin, betont aber auch, dass sie es ablehnt, gesunde Ernährung ideologisch durchzusetzen. Es gehe bei der Ernährung schließlich immer noch um Genuss.

Kosten und andere Modellprojekte


Die Kosten, die bei der Umsetzung des Projekts anfallen, für fachliche Beratung und individuelles Coaching sowie für die Erstinspektion durch eine zugelassene Öko-Kontrollstelle, übernimmt das Landeszentrum für Ernährung Baden-Württemberg.

Neben dem Mensa-Projekt gibt es auch Modellprojekte in anderen Bereichen der Gemeinschaftsverpflegung, wie Kliniken, Altenheimen sowie Kitas und Schulen – wird doch „fast 40 Prozent des Essens außerhalb des Privaten zu sich genommen“, so Staatssekretärin Gurr-Hirsch. hevo