Wahlkampfveranstaltung Mittelstand als Aufhänger

Michael Theurer (zweiter von links), Stefanie Knecht, Christian Lindner (rechts im Bild) und Marcel Distl (hinten Mitte) sprachen bei der FDP-Wahlkampfveranstaltung „Lindner kommt“ im Urbanharbor in Ludwigs­burg. Zahlreiche Zuhörer waren gekommen.
Michael Theurer (zweiter von links), Stefanie Knecht, Christian Lindner (rechts im Bild) und Marcel Distl (hinten Mitte) sprachen bei der FDP-Wahlkampfveranstaltung „Lindner kommt“ im Urbanharbor in Ludwigs­burg. Zahlreiche Zuhörer waren gekommen. © Foto: Helmut Pangerl
Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber 23.08.2017

Wenn ich mir diese Halle ansehe, liebe Steffi Knecht, dann ist das ein guter Ansatz“, kommentierte Michael Theurer, der FDP-Landeschef, das prall gefüllte Urbanharbor in Ludwigsburg, in dem die FDP-Wahlkampfveranstaltung „Lindner kommt“ am Dienstag stattfand.

Die angesprochene Stefanie Knecht, FDP-Kandidatin im Wahlkreis Ludwigsburg, hatte die Menschenmenge zuvor anders beschrieben: „Ein irres Gefühl hier zu stehen – vor so vielen Menschen habe ich noch nie eine Rede gehalten.“ Das merkte man ihrer Rede, die sie gemeinsam mit Marcel Distl, dem Kandidaten des Wahlkreises Neckar-Zaber hielt, durchaus an der einen oder anderen Stelle an. Beide beschrieben ihren politischen Werdegang, beendeten gegenseitig ihre Sätze, wetterten gegen das „Schwarz-Rot-Grüne Armutszeugnis“ (Stefanie Knecht) und betonten mehrmals und abwechselnd, dass die Anwesenden bei der FDP „richtig sind“.

Michael Theurers Aussage, „Der Saal ist voll, weil wir einen Vorkämpfer haben: Christian Lindner“, wurde von den Anwesenden mit tosendem Applaus kommentiert.

Christian Lindner, der 38-jährige FDP-Spitzenkandidat der diesjährigen Bundestagswahl, zeigte sich charismatisch und redegewandt – nicht zuletzt, weil er sich nicht auf die erhöhte Treppe, den auserkorenen Rednerplatz, stellte, sondern sich frei zwischen seinen sitzenden und stehenden Zuhörern bewegte. Zu Beginn klärte er die Frage, warum eine Wahlkampf-Lokalität in Ludwigsburg und nicht etwa in Stuttgart gewählt worden war: „Weil Deutschland nicht nur aus Metropolen besteht, sondern auch aus mittelgroßen Städten.“ Das Publikum zeigte sich begeistert. Auch seine rhetorischen Fähigkeiten mit viel gestischer Unterstreichung steuerten dazu bei. Das Mittelständische machte der FDP-Chef immer wieder zum Thema. Ging es um Fachkräftemangel, wählte er den Schweißer, der dringend gebraucht wird. Sprach er über durch Digitalisierung wegfallende Berufe, war es der mittelständische Jurist, dem der Berufswechsel erleichtert werden muss. Ging es um die Altersarmut, beschrieb er ein mittelständisches Paar, das sich trotz Fleiß kein Häuschen leisten kann.

Bissige Sprüche, die Lindner nach links und rechts verteilte, hielten sein Publikum bei Laune und auch der Kommentar zu Emmanuel Macrons englischsprachigem Video, „Warum kann Deutschland nicht ein einziges Mal so cool sein?“, kam gut an.

Der Abschlussapplaus, fiel dem FDP-Chef vor Beenden seiner Rede und Weiterfahrt zur nächsten Wahlkampfveranstaltung in Heilbronn, überraschend zu: Die Pflugfeldener Cricket-Abteilung mit ihrem Sprecher Ruwantha de Silva, erkundigten sich nach einer Möglichkeit den integrierten Trainer, der als Flüchtling ins Land kam, in Deutschland zu behalten. Lindner konnte sein zuvor erklärtes Modell der „vier Türen der Einwanderung“, anwenden. Das Modell zielt vor allem darauf ab, Flüchtlingen Asyl zu gewähren, sie aber gegebenenfalls wieder in ihre Heimat zu schicken, außer sie fallen in den Bereich der „Qualifizierten Einwanderung“, in welchem sie einen Beitrag zur Gesellschaft leisten und bleiben können. Tosender Beifall und eine Schar von Selfie-willigen Anwesenden beendeten die Wahlveranstaltung.