Schwerpunkt Integration Mit Gelassenheit gegen Rassismus

Suresh (im gelben Oberteil) bei einem Treffen des Interreligiösen Dialogs.
Suresh (im gelben Oberteil) bei einem Treffen des Interreligiösen Dialogs. © Foto: Stadt Ludwigsburg
Ludwigsburg / Von Ifigenia Stogios 04.08.2018

Seit knapp 50 Jahren lebt Suresh Subramaniya in Deutschland. Mit 20 Jahren kam der Inder das erste Mal nach Deutschland wegen eines Praktikums bei einer Firma in Stuttgart und blieb bis heute. Er heiratete eine Schwäbin – ihre Eltern seien damit nie zurecht gekommen – und baute hier sein Leben auf. Mit seiner Frau, die vor zehn Jahren verstorben ist, verstand sich der Ludwigsburger trotz der unterschiedlichen kulturellen Hintergründe blendend.

Das was ihm am meisten zu schaffen gemacht hat in Deutschland, „war Schwäbisch zu lernen und sich an das Essen zu gewöhnen“. Dunkles Brot beispielsweise habe er zuvor nie gegessen, weil es das in Indien nicht gibt und Salat auch nicht. „Wir kochen immer alles, niemand isst rohe Blätter“, sagt er und lacht.

Integration spielte für ihn all diese Jahre eine bedeutende Rolle. Im Stuttgarter Goethe-Institut lernte er Deutsch und bestand die Sprachprüfung mit einer Eins. „Als Ausländer kann ich nicht sagen: ‚Ich bin da, folgt mir‘, sondern muss Toleranz und Akzeptanz ausstrahlen.“

Der 68-jährige beschäftigt sich Tag für Tag mit Integration. Er ist im Deutsch-Indisch-Srilankischen Kulturforum in Stuttgart tätig, ist Mitglied im Integrationsrat und im interreligiösen Dialog der Kulturen in Ludwigsburg und zudem noch ehrenamtlicher Übersetzer. Im Rahmen dieses Dialogs treffen sich Vertreter unterschiedlicher Religionen und sprechen über diese mit dem Ziel sich gegenseitig kennenzulernen und sich besser zu verstehen. Außerdem besuchen sie gemeinsam Gebetshäuser der jeweiligen Religionen. „Ich vertrete dort den Hinduismus und den Buddhismus“, sagt Suresh.

„Deutschland ist ein entwickeltes Land und ist, was die Integration angeht, schon sehr weit gekommen. Es hat auch sehr viel dazu gelernt“, sagt er. Allerdings hat Suresh mehrere Alltagsgeschichten parat, die beweisen, wie er Rassismus am eigenen Leib erlebt hat.

Eine ereignete sich erst kürzlich in Ludwigsburg und spielte sich in einem Lebensmittelladen ab. „Ich wollte spezielle Kartoffeln kaufen, um ein Curry kochen und ließ mich von einer Verkäuferin beraten“, sagt er. Ein Kunde beklagte sich, Suresh hätte sich vorgedrängt, und provozierte ihn mit der Ausgabe: „Ich habe AfD gewählt.“ Suresh meint sarkastisch: „Er wollte seinen Blitz ablassen, aber ich habe eine gute Blitzableitung.“

Gelassene Reaktion

Statt sich über den Unbekannten aufzuregen, reagierte Suresh gelassen und schlug ihm vor, sich bei einem Bier darüber unterhalten. Damit hatte der Angreifer nicht gerechnet: „Sein harter Gesichtsausdruck veränderte sich komplett. „Den Spieß umdrehen, ein negatives Erlebnis zum Positiven drehen“, das sei das Geheimnis in solchen Konfliktsituationen.

Er gibt jedoch zu: „Wäre ich jünger gewesen, hätte ich impulsiver reagiert, vielleicht sogar so direkt wie der ehemalige Nationalfußballspieler Mesut Özil.“ Doch trotzdem ist Suresh wegen Özils Ausstieg enttäuscht. „Er hat es so weit gebracht, konnte so viel bewirken und mit seiner Reaktion auf den Rassismus vieles ändern können. Seine Entscheidung zu gehen, sei zu endgültig gewesen. Und „auch ein Aussteigen gehört sich formal, er hätte sich besser artikulieren sollen.“

Auch wenn Suresh gelegentlich wegen seines Aussehens „als Rosenverkäufer“ oder wegen seiner Hautfarbe gehänselt wurde, ist er der Meinung dass er in Deutschland gut aufgehoben ist. Das beweise auch die Selbstkritik, die das Land laut Suresh ausübe. Ein Zeichen dafür seien auch die vermehrten Beiträge in der Rassismus-Debatte unter dem Hashtag #MeTwo, in denen Menschen mit Migrationshintergrund ihre Diskriminierungserlebnise teilen. „Es erfreut mich, dass in Deutschland offen über Fremdenfreundlichkeit gesprochen wird“, so Suresh Subramaniya.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel