Am frühen Morgen des 5. August 1908 richteten sich in Ludwigsburg alle Augen gen Himmel. Graf Ferdinand von Zeppelin, den Kaiser Wilhelm II. zum "Größten Deutschen" ernannte, war mit seinem Luftschiff "LZ 4" nach einem Motorschaden von Mannheim nach Stuttgart unterwegs, um von den Daimler-Motorenwerke Ersatzteile und Monteure kommen zu lassen.

Gegen 5 Uhr, so war in einem Bericht zu lesen, wurde "der Ballon von Bietigheim her sichtbar". Er bewegte sich in ruhiger Fahrt, und umflossen vom "Glanz der Morgensonne" gegen den Hohenasperg, stand er um 6 Uhr über Pflugfelden und nahm dann Kurs in Richtung Stuttgart. Die Landung in Stuttgart erfolgte problemlos gegen 8 Uhr.

Die erste Fahrt des Zeppelins über Ludwigsburg ist nur eine Episode aus dem Buch "Der Zeppelin kommt" von Günther Mäule, der mit Fleiß die vielfältigen Verknüpfungen der Zeppelin-Familie in der einstigen Garnisonsstadt aufgezeichnet hat.

Die Vorfahren pflegten stets einen engen Kontakt zum Adelshaus Württemberg und waren in verschiedenen Funktionen tätig. Der Vater des Grafen, Friedrich von Zeppelin, besuchte von 1817 bis 1825 in Ludwigsburg das öffentliche Gymnasium, das sich damals in einem Gebäude am Marktplatz neben der evangelischen Stadtkirche befand. Der Großvater des Luftschiffers, Ferdinand von Zeppelin, war Oberst und Kommandeur des Garde du Corps, schwere Kavallerie, die in den Kasernen in Ludwigsburg am Karlsplatz untergebracht waren.

Der Luftschiffpionier Graf Ferdinand von Zeppelin, 1838 in Konstanz am Bodensee geboren, bewegte sich schnell auf eine militärische Laufbahn zu. Schon als 17-Jähriger zog er 1855 in die "Bildungsanstalt für Offizierszöglinge" - eine Kriegsschule - in der Mömpelgardstraße in Ludwigsburg ein. Dort wurde er für die württembergische Armee ausgebildet.

Anschließend stand er in Diensten beim Württembergischen 8. Infanterie Regiment Nr. 126, stationiert in Ludwigsburg und Hohenasperg. Zeppelin wurde 1858 zum Leutnant und nach weiteren Ausbildungen 1862 zum Oberleutnant befördert.

Ein Jahr später machte er sich nach Amerika auf, nahm auf Seiten der Nordstaaten am amerikanischen Sezessionskrieg teil. Er unternahm Expeditionen zum Quellgebiet des Mississippi sowie zu den Niagara-Fällen. Nach seiner Rückkehr nahm Zeppelin wieder seinen Dienst beim 1. Reiter-Regiment "König Karl" auf, das in der Ludwigsburger Wilhelmskaserne untergebracht war.

Nach zahlreichen Einsätzen und weiteren Beförderungen bis zum Generalmajor im Jahre 1888, reicht Zeppelin bitter enttäuscht 1890 seinen Abschied aus dem aktiven Militärdienst ein. Er rechnete zu diesem Zeitpunkt mit dem Kommando für eine Kavallerie-Divison, welches ihm wegen einer ungünstigen Beurteilung allerdings versagt blieb.

So wendet sich der Autor ab Seite 35 dem zu, was Graf Ferdinand von Zeppelin berühmt gemacht hat: seine Luftschiffe. Ludwigsburg spielt dabei immer wieder eine Rolle.

Als Graf Zeppelin mit seinem "LZ 5" Ende Juli 1909 von Friedrichshafen nach Frankfurt fuhr, erreichte wohl die erste Postkarte die Stadt, die ein Luftfahrzeug befördert hat und abgeworfen wurde. Für Poppenweiler gab es Pläne zum Bau einer großen Luftschiffhalle.

1910 erhielten Albert und Johanna Emig, die in der Vorderen Schlossstraße in Ludwigsburg wohnten, eine Karte von einem Onkel aus Friedrichshafen. Der teilte ihnen "vom Zeppelin" mit, dass dieser, bevor er zum Nordpol fahre werde, erst noch auf der Ludwigsburger Schlosswiese landen wolle. Und schließlich hatte die Firma Franck bereits um 1908 damit begonnen, Sammelbilder über Zeppeline aufzulegen.

Warum Graf Zeppelin Ludwigsburg so oft ansteuerte, beantwortet Autor Mäule mit einem praktischen Hinweis. Es war der Verlauf des Neckars und der zahlreichen Bahnlinien, die dem Luftfahrtpionier bei der Navigation seiner Zeppeline hilfreich waren.

Info
Günther Mäule: "Der Zeppelin kommt", Verlag Memminger, 148 Seiten, zahlreiche Abbildungen, ISBN 978-3-9807733-9-3, gebundene Ausgabe, 38 Euro.