Ludwigsburg / Heike Rommel  Uhr

Zwei junge Männer bestellen Pizza in eine abgelegene Gegend und begehen als Maskierte einen bewaffneten Raubüberfall auf die Pizzaboten: Einen der Täter, er ist gerade einmal 19 Jahre alt, hat das Ludwigsburger Jugendschöffengericht jetzt zu zwei Jahren Jugendhaft auf Bewährung verurteilt. Sein Mittäter ist noch jünger: Gegen den 17-Jährigen wird aufgrund seiner Minderjährigkeit nichtöffentlich verhandelt. Aussagen der Staatsanwaltschaft zufolge erhalte er keine Bewährung mehr.

Der 19-Jährige, der aus Kornwestheim stammt, und sein 17-jähriger Kumpel hatten in der Nacht vom 20. September letzten Jahres ihre Pizza bei einem Lieferservice in der Ludwigsburger Innenstadt bestellt, und zwar in ein Industriegebiet ins Osterholz. Die Pizza wurde von einem Fahrer und seinem Praktikanten angefahren. Plötzlich rannten zwei mit Sturmhauben maskierte Bewaffnete auf sie zu. Sowohl dem Pizzafahrer als auch seinem Praktikanten wurden Waffen an den Kopf gedrückt, als sie um die Pizza und etwa 300 Euro Bargeld beraubt wurden. Nach der Tat aßen die Räuber die Pizza auf, das Bargeld brauchten sie offenbar, um eine Geldbuße bezahlen zu können, wie im Gerichtssaal zu erfahren war.

Ermittelt werden konnten die Räuber nach den Angaben eines Polizisten auf eine relativ naheliegende Art: über das Telefon, mit dem die Pizza bestellt worden war, aber auch über Beschreibungen der Opfer. Letztere konnten nicht wissen, dass es sich bei den Waffen, die ihnen an den Kopf gehalten wurden, „nur“ um Schreckschusspistolen handelte.

Jugendstrafrecht angewendet

Als der 19-Jährige vor dem Jugendschöffengericht des gemeinschaftlichen, schweren Raubes schuldig gesprochen wurde, hob Richterin Dr. Franziska Scheffel seine Skrupellosigkeit hervor. Bewährung bekam er nur mit Ach und Krach. Gründe dafür waren, dass er ein Geständnis abgelegt hat, in eine große Familie eingebunden ist und dass er sich außerdem in einem Ausbildungsverhältnis befindet. Bei der Urteilsfindung wurde in diesem Fall Jugendstrafrecht angewandt. Der Angeklagte kann von Glück sagen, dass dem so war: Denn nach dem allgemeinen Strafrecht hätte auf diese Tat eine Mindeststrafe von fünf Jahren gestanden. Der Verurteilte muss außerdem 120 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten und Gespräche bei der Jugendberatung „Chillout“ wahrnehmen.  Heike Rommel