Bildung Mehr Platz für chronisch kranke Schüler

Im zweiten Stock des Gebäudes der Tagesklinik in der Harteneckstraße befindet sich die Schule am Schlosspark mit ihren zwölf neuen Räumen. Seit diesem Schuljahr sind ihre Schüler in einem Gebäude untergebracht.
Im zweiten Stock des Gebäudes der Tagesklinik in der Harteneckstraße befindet sich die Schule am Schlosspark mit ihren zwölf neuen Räumen. Seit diesem Schuljahr sind ihre Schüler in einem Gebäude untergebracht. © Foto: Stefan Helmes
Ludwigsburg / Ifigenia Stogios 05.07.2018

Kinder und Jugendliche mit chronischen Krankheiten sind oft nicht in der Lage für einen längeren Zeitraum die Schule zu besuchen. Dafür gibt es die Ludwigsburger Schule am Schlosspark. Es handelt sich um ein Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum für Schüler in Krankenhausbehandlung. 15 Schüler, die eine längere Krankheitsbehandlung brauchten, wurden bisher im zweiten Stock der Tagesklinik Ludwigsburg unterrichtet, acht weitere Plätze gab es im Untergeschoss. Die Tagesklinik Ludwigsburg ist eine teilstationäre Einrichtung der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie des Klinikum am Weissenhof in Weinsberg. In der Klinik für Psychosomatik wurden ebenfalls Kinder unterrichtet. Nun bündeln die Räumlichkeiten im Gebäude der Tagesklinik zwei Standorte. Eine eigenständige Schule entstand.

Alle Schüler der Klinikschule kämpfen mit einer schweren Krankheit, aber sie haben nicht unbedingt denselben Hintergrund. Unter ihnen sind beispielsweise Kinder, die unter Magersucht, Depression, ADHS, Autismus oder unter einer Schulangst leiden. Andere haben chronische Darmentzündungen, Infektionskrankheiten oder sind Diabetiker. „Wir haben keine Schüler, sondern Patienten“, sagt Schulleiter und Autismusberater Heiko Brumme. Sie sind entweder Kinder, die länger ambulant oder stationär behandelt werden oder sogenannte „Brückenkinder“.

Das sind Kinder, die zwar eine längere ärztliche Behandlung brauchen, aber wegen der langen Wartezeiten noch nicht Patient einer Klinik sind und bisher zu Hause unterrichtet werden mussten. Dadurch, dass die Schule mehr Raum gewonnen hat, können nun auch diese Kinder das Bildungszentrum besuchen. „Wir sind eine Brücke, die zur Klinik führt“, sagt Brumme. Ziel sei es den Patienten einen Tagesrhythmus zu geben und ihren Alltag zu strukturieren. Brumme macht jedoch klar, dass die Schule ausschließlich für kranke Schüler gedacht ist. „Wir sind keine Parkschule“, sagt er humorvoll und erzählt von einem Fall eines gesunden Schülers, der von einer Schule geflogen sei. Seine Eltern hatten angefragt, ob er in der Klinikschule unterkommen könne, bis er in eine neue Schule aufgenommen werde.

Individueller Stundenplan

Was die Schüler am Schlosspark noch besonders macht, ist, dass sie „alle eine Herkunftsschule haben.“ Zwischen den Schulen bestehe eine gute Zusammenarbeit. „Wir bekommen Unterrichtsmaterial zugeschickt: Jedes Kind hat seinen individuellen Stundenplan“, sagt Brumme. Da kann es vorkommen, dass ein Kind sich mit einer Gedichtinterpretation beschäftigt, während ein anderes die Grundrechenarten lernt. Eine Herausforderung für die Lehrer am Schlosspark, denn sie unterrichten gleichzeitig Schüler zwischen sechs und 18 Jahren. Und es kommen immer wieder neue Schüler, während andere gehen.

Die maximale Dauer eines Schulbesuchs sei laut Brumme um die drei Monate. Dann dürfen die Patienten wieder auf ihre Herkunftsschule. Aber es gebe auch Ausnahmen. Ein Kind habe die Schule am Schlosspark bereits zwei Jahre wegen einer Muskelschwäche besucht, erzählt er. Früher wurden solche Kinder zu Hause am Bett unterrichtet. Heutzutage stehen ihnen Räume mit Tafel und Beamer zur Verfügung. Sie sind nicht mehr isoliert. Dass jedoch die Schüler krank sind, heißt nicht, dass sie nicht kreativ sind. Ein Beispiel hierfür ist die Schülerzeitung.

Die Bildungseinrichtung ist aber nicht nur eine Schule, sie ist zugleich auch ein Beratungszentrum. Dort finden für junge Diabetiker Schulungen statt. Die Schüler lernen zum Beispiel, auf was sie bei einem Kindergeburtstag bezüglich ihrer Ernährung achten müssen. Von Jahr zu Jahr entwickelt sich die Schule weiter, die laut Brumme erst seit diesem Jahr einen eigenständig Schulcharakter hat.

Seit diesem Schuljahr befinden sich nämlich, wie bereits erwähnt, alle Schulräume im zweiten Stock der Tagesklinik. Seit kurzem erst heißt sie Schule am Schlosspark und „seit drei Wochen haben wir eine Sekretärin“, so Brumme. Zur Zeit besteht die Schule aus einem sechsköpfigen Lehrerteam. Nächstes Jahr kommen noch zwei Gymnasiallehrer hinzu.

Die Rolle der Eltern

Etwas, das sich außerdem im Laufe der Jahre verändert hat, ist die Rolle der Eltern im Bezug auf die Therapie von Kindern mit Verhaltensstörungen. „Sie werden mehr eingebunden“, sagt Brumme. Einen Beitrag dazu leistet der „FiSch“-Unterricht („Familie in Schule“-Programm). Ein Projekt, das das „family education“-Programm aus England zum Vorbild hat. Aber wie funktioniert das? Ein Mal pro Woche kommen die Eltern mit in die Klinik und beobachten sie außerhalb des Klassenzimmers über ein Fenster. „Wie in einem Aquarium.“

Sobald sich ihr Kind meldet, und aktiv am Unterricht teilnimmt, kommen sie dazu. „Wir vereinbaren Ziele mit den Kindern“, so Brumme, etwa „dass sie freundlich bleiben“. Eltern, die länger mitmachen, unterstützen Neuankömmlinge. „Es entsteht eine Win-Win-Situation.“ Sie werden zudem noch von einer Therapeutin gecoacht und einer Lehrkraft fachlich unterstützt.

Zwölf neue Räume für die Schule am Schlosspark und Baukosten

Die neuen Räumlichkeiten der Klinikschule umfassen 270 Quadratmeter. Die Schule besteht aus zwölf neuen Räumen. .

Unter den neuen Zimmern sind zwei Räume für Patienten der psychosomatischen Klinik und zwei weitere für Patienten der Tagesklinik. Zusätzlich gehören zur Schule ein Lehrerzimmer, ein Verwaltungszimmer, eine Bibliothek und ein Labor, ein Büro- und Empfangsraum, ein Werkraum sowie Nebenräume.

Die Baukosten liegen bei 750 000 Euro. 250 000 übernimmt das Land über Fördermittel, den Rest teilen sich das Klinikum Weissenhof, die Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim und der Landkreis.

Schulträger ist letzterer. Er übernimmt auch die Ausstattung für 45 000 Euro. ifi

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