Ohne Geschmacksverstärker aber mit einer geheimen Gewürzmischung stellen Andrés Mauricio Becke und seine Frau am Stand von „Las Colombianas“ die Salsa für die Teigtaschen Empanadas her. Der Sohn einer Kolumbianerin und eines deutschen Vaters ist einer von 30 Köchen, die ihr Essen am Wochenende auf dem 2. Street-Food-Festival am Breuningerland verkauften.

Direkt gegenüber ist der Stand von „The Angry Moose“ („Der wütende Elch“), an dem es Elch-Burger aus Skandinavien gibt. Raphael Springmann hat die Idee aus Schweden nach Deutschland gebracht, nachdem er zwei Jahre lang eine deutsche Bäckerei in der Nähe von Stockholm mit aufgebaut hatte. „Je nach Jagdsaison kommt das Fleisch für die Burger aus Norwegen, Schweden, Finnland oder Estland“, sagt der Bäckersohn, der sich mit seiner Idee selbstständig gemacht hat. Schon lange im Geschäft sind die Jungs von „Buns & Sons Co“: Bei ihnen kommt Pulled Pork, das 48 Stunden vorher geräuchert wird, auf die Burger.

Die Besucher fressen sich durch die Stände, wie die Raupe Nimmersatt sich einst durch das Kinderbuch fraß. Obwohl die Preise mit etwa sieben Euro pro Mahlzeit recht hoch liegen, probieren die meisten Besucher das Angebot an mehr als einem Stand aus. Ein Blickfang sind auch die Käsespezialitäten aus Apulien am Stand von Provioni: Hier tropft der aufgehängte Provolone-Käse von oben auf das Brot auf dem Grill herunter, dazu kommen später Nüsse, Tomaten, Oliven, Rucolasalat oder Feigen. Das Team von Provioni ist zum ersten mal beim Street-Food-Festival dabei und erntet viel Aufmerksamkeit. Auch die schwäbische Küche ist vertreten: „I love Mauldasch“ heißt der Stand von Sebastian Werner, der mit seinem Konzept erfolgreich auf Reisen geht. Bis St. Peter-Ording führte ihn die schwäbische Mission, auf der er lautstark und als Entertainer die hiesige Nationalspeise verkauft.

„Wir versuchen Leute anzusprechen, die offen sind für Neues“, sagt Kai Harbig vom Veranstalter „Tat & Drang“. Er hat das Street-Food-Konzept in Berlin entdeckt und in den Süden gebracht, zunächst nach Saarbrücken und Heilbronn, wo die Veranstaltung in Parks stattfand. „Es ist das Gegenteil von Fast Food“, erklärt er die Idee. Die Leute brächten Zeit mit und Lust, neues Essen zu probieren.

Bei 30 Anbietern achte er darauf, dass es ein ausgewogenes Verhältnis gibt, und Gerichte nicht mehrfach angeboten werden, sagt Harbig. Authentisch sollte das Essen sein, das in den Geschmacksrichtungen von süß bis herzhaft angeboten wird. Bestes Beispiel dafür ist „Jotta Food“, mit einem selbstgeschweißten Smoker aus alten Metallfässern, aus dem es afrikanisches Hühnchen mit Reis, Erdnusssauce, Zwiebeln oder Senf gibt.

Für US-amerikanisches Essen hatte sich Lazaros Basias mit seiner Familie entschieden, am Burgertruck lassen sie sich die übergroßen Burger schmecken. „Wir haben einen ordentlichen Hunger, und das Angebot hier ist gut“, sagt der Freiberger, der sich vor dem Einkaufen im Breuningerland auf dem Street-Food-Festival stärkt.

Wer zu Milch und Brot greift, hat verloren


Parallel zum Street-Food-Festival fand über zwei Tage auch das Curry-Wurst-Schärfe-Wettessen statt. Ein Liter Milch und ein Stück Brot stand für die Teilnehmer bereit, um die schlimmsten Folgen abzufedern. Gespielt wurde in sieben Runden. Der Schärfegrad der Würste stieg je Runde, begonnen wurde bei 4000 Scoville. Die Scoville-Skala ist eine Skala zur Abschätzung der Schärfe von Früchten der Paprikapflanze. Wer es nicht schaffte, die Wurst innerhalb der vier Minuten zu essen, schied aus. In jedem Wettkampf traten Frauen und Männer an. Fünf Kandidaten schafften es ins Finale am Samstag mit 1,2 Millionen Scoville. Zum Vergleich: Die schärfste Chilischote der Welt misst 1 569 300 Scoville. Am Ende ging Maria Acar als Siegerin des Schärfe-Wettessens hervor. cri