Bereits zum sechsten Mal führte die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) 2019 im Auftrag der Stadtverwaltung Ludwigsburg eine Kundenbefragung zur Innenstadt der Barockstadt durch. Wie wird die Innenstadt wahrgenommen? Wie steht’s um das Image der Kreisstadt?

Um das herauszufinden, wurden im Mai und Juni vergangenen Jahres einerseits Ludwigsburger (597 Personen) befragt, aber auch Menschen im Umland (502 Personen) wurden telefonisch kontaktiert, unter anderem aus Bietigheim, Bönnigheim, Sersheim und Schwieberdingen. Die dritte Gruppe der Befragten waren Besucher des Einkaufszentrums Breuningerland im Tammerfeld (372 Personen), das als größter direkter Konkurrent der Innenstadt und deren Einkaufsangebote gesehen werden kann.

Meinung der Bürger ablesbar

Die Ergebnisse dieser Befragung präsentierte Dr. Stefan Holl, Geschäftsführer der GMA im Wirtschaftsausschuss am Dienstagabend. Aus dieser Umfrage können Meinungen zum Thema Innenstadtentwicklung, Events, zum Gastronomieangebot, Einzelhandel, aber auch zum Verkehr abgelesen werden. „Im Vergleich zu anderen Innenstädten dieser Größe weist die Ludwigsburger Innenstadt ein größeres Einzugsgebiet auf“, so Holl. Es strömen also viele Menschen von außerhalb in die Stadt. Bei der Umfrage stellte sich heraus, dass gerade einmal 14 Prozent der Kreis-Bewohner nicht zumindest gelegentlich in der barocken Innenstadt sind. Gründe, die Innenstadt nicht zu besuchen, waren gerade bei Besuchern des Breuningerlands fast zu 50 Prozent, dass sie nicht aus dem Kreis stammen. Holl sieht das Einkaufzentrum daher als Mitbewerber um die Käufergunst, aber auch als zusätzlichen Attraktivitätsfaktor, gerade im Bezug auf Landkreise entlang der Bundesautobahn.

Das häufigste Besuchsmotiv der Innenstadt ist übrigens das Aufsuchen gastronomischer Angebote (33,6 Prozent). An zweiter Stelle steht der Versorgungseinkauf (31,6 Prozent) und an dritter das Bummeln und Flanieren (31,1 Prozent). Vor drei Jahren – bei der letzten Befragung – stand das Einkaufen mit 45,7 Prozent noch deutlich an erster Stelle, gefolgt vom Bummeln (25,8) und dem Gastro-Besuch (17,9). „Die Versorgung als Hauptgrund ging zurück, dafür steht das Erleben immer mehr im Mittelpunkt“, beschreibt Holl.

Negativ fiel jedem zehnten Befragten die Bahnhofsgegend auf (10,6 Prozent), an erster Stelle steht jedoch der Verkehr (14,3), dicht gefolgt von den schlechten Parkmöglichkeiten (12,7). Darin sei die Tarifreform des VVS und der neue Fahrplan der LVL noch nicht enthalten, merkt der GMA-Chef an.

„Es ist keine Ludwigsburger Mentalität, die Hände in den Schoß zu legen“, resümierte Holl und wurde sogleich durch OB Dr. Matthias Knecht bestätigt. Wenig überrascht zeigte sich Max Girrbach von den Grünen von den Ergebnissen. Den Vergleich zwischen Innenstadt und Breuni finde er schwierig. Der Vorteil des Einkaufszentrums, mehr und kostenlose Parkplätze zu haben, sei ja wohl nicht erstrebenswert für die Innenstadt. Eher sollte der nicht funktionierende ÖPNV angegangen und der „vergammelte Bahnhof“ in Angriff genommen werden. Das sei das wahre Manko in puncto Attraktivität.

Dass das Parkraummanagement nachgebessert werden müsse, lasse sich nicht wegdiskutieren, sagte Dr. Edith Klünder (CDU). „Wir können nicht ignorieren, dass die Leute aus dem Umland mit dem Auto kommen. Wenn wir weniger Parkplätze bieten, drehen noch mehr ins Breuni ab“, so Klünder. Die Aufenthaltsqualität müsse so weit gesteigert werden, dass Besucher auch ohne Auto kommen, erst dann könne man Parkraum abbauen.

Park+Ride-Angebote steigern

Florian Lutz von den Freien Wählern sprach sich dafür aus, mehr Parkraum am Stadtrand zu schaffen. „Umerziehung der Kunden? Dieses Projekt wird kläglich scheitern“, sagte Lutz mit Nachdruck. „Wir sollten kein Verkehrsmittel verteufeln, auch nicht das Auto“, so der Stadtrat.

„Wir können nicht alle in die Innenstadt holen. Politische Entscheidungen müssen getroffen und entschieden werden, welche Verkehrsträger wir hier haben wollen“, sagte SPD-Rat Dr. Daniel O‘Sullivan. „Ich bin mir aber nicht sicher, ob Autos zu einer besseren Aufenthaltsqualität beitragen“, setzte er nach. Zufrieden zeigte sich Sebastian Haag (FDP) über die vielen Fußgänger. Und doch: „Gibt’s da noch so viel Potenzial? Der, der noch nicht läuft, der fährt wohl sehr gerne Auto.“ Die Park+Ride-Angebote am Stadtrand wolle auch er frühzeitig angehen.

Mehr Fußgänger und zeitgleich mehr Autofahrer


Immer wieder ist von Seiten der Stadt die Rede von der Mobilitätswende. Wie die Befragung zeigt, ist das auch in den Köpfen der Bürger angekommen. Nutzten 2016 noch 19,8 Prozent der Innenstadt-Besucher mit Wohnsitz Ludwigsburg das Auto oder Motorrad, um in die Stadt zu kommen, sank die Zahl 2019 auf 8,7. Die Zahl der Fußgänger jedoch stieg in den vergangenen drei Jahren von 38,4 Prozent auf 52,5 an. Die Nutzung des ÖPNV sank von 31 auf 20,7, die Rad-Nutzung jedoch stieg von 10,8 auf 18,2 Prozent an.

Bei Innenstadt-Besuchern aus dem Umland ist die Zahl derer, die motorisiert nach Ludwigsburg kommen, sogar um ein Prozent auf 66,2 gestiegen. Der Grund? Bequemlichkeit und Zeitersparnis. hevo